Felix Braun in USA im eSport erfolgreich

Gaggenau/Los Angeles (galu) – Von Oberweier in die große weite Welt: Felix Braun, gebürtig in Gaggenau,. feiert in den USA im eSport Erfolge. Zuvor war er für Schalke 04 aktiv.

Stolz präsentiert Felix Braun nach dem Finale den Pokal für die Siegermannschaft. Screenshot: Lukas Gangl

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Stolz präsentiert Felix Braun nach dem Finale den Pokal für die Siegermannschaft. Screenshot: Lukas Gangl

Ein Wechsel in ein anderes Team, ein Umzug in eine andere Stadt, ein anderes Land, das gewohnte Umfeld verlassen – allesamt Dinge, die verunsichernd und herausfordernd sein können. Ebendieser Herausforderung hat sich der Oberweierer Felix Braun – in der eSport-Szene besser bekannt unter seinem Spielernamen „Abbedagge“ – gestellt. Und er wurde belohnt.

Braun ist Profispieler im Videospiel „League of Legends“ und war im April für eine Ablösesumme von rund einer Million Euro aus der europäischen Liga „League of Legends European Championship“ (LEC) in die „League of Legends Championship Series“ (LCS) nach Nordamerika gewechselt – von Schalke 04 zu den 100 Thieves. Der Wechsel hat sich nicht nur finanziell für den 22-Jährigen gelohnt: Bereits im ersten halben Jahr konnte er mit seinen Mitstreitern das LCS-Finale im Summer Split (eine Saison ist dort in eine Frühjahrs- und eine Sommer-Halbsaison aufgeteilt, in einen „Spring Split“ und einen „Summer Split“) für sich entscheiden und somit den ersten großen Titel der Organisation sichern. Ohne ihn waren die Thieves im Frühjahr noch in den Play-offs gescheitert.

Als Sahnehäubchen haben sich die eSportler aus Los Angeles mit ihrem Sieg für das prestigeträchtigste Turnier in ihrem Spiel qualifiziert: die League of Legends-Weltmeisterschaften. Doch wie ist es, als junger Deutscher den Sprung nach Amerika zu wagen? „Anfangs war ich mir unsicher, vor allem auch mein bisheriges Leben in Berlin hinter mir zu lassen, aber trotzdem hat es mich gereizt“, erzählt der gebürtige Gaggenauer. Als „Bonus“ hat sich seine Entscheidung letztlich mit einem Titel ausgezahlt.

„Die guten Zeiten haben gewonnen“

Dennoch habe es etwas gedauert, sich an das neue Umfeld zu gewöhnen – sowohl spielerisch als auch auf persönlicher Ebene. Dass er zwei seiner neuen Teamkollegen bereits von früheren Teams kannte, habe ihm aber geholfen, so Braun. Auch mit seiner Leistung ist er soweit zufrieden: „Ich kann mich nicht beklagen, selbst wenn ich wollte“, scherzt der Profispieler, schließlich hätte es kein besseres Szenario als den Titel geben können. Auch wenn es schlechte Zeiten über die Halbsaison hinweg gegeben habe, letztlich „haben die guten Zeiten gewonnen“.

Doch der Weg zum Titel war nicht ganz einfach für die Recken aus LA. Das Endrundenformat ist in zwei separate Runden aufgeteilt: Das sogenannte Upper Bracket und das Losers Bracket. Im Upper Bracket treffen die bestplatzierten Teams aus der Saison aufeinander, mit ihrem zweiten Platz waren Braun und sein Team hier dabei – zumindest bis zum Finale. Dort unterlagen sie mit 2:3 knapp dem „Team Liquid“. „Hier hätten wir eigentlich schon gewinnen sollen, aber wir haben einfach nicht zielgerichtet genug gespielt“, merkt Braun an. Der Verlierer des Upper Finals hat in diesem Format jedoch eine zweite Chance: Im Losers Bracket spielen die schlechter platzierten Teams untereinander und treffen in ihrem eigenen Finale auf den Verlierer des Upper Finals. Der Sieger hieraus erreicht schließlich das große Finale, das sogenannte „Grand Final“.

Da sich die 100 Thieves im Losers Finale gegen das Team „Cloud 9“ durchsetzen konnten, traten sie nur eine Woche nach ihrer Niederlage erneut gegen „Team Liquid“ an – diesmal mit einem deutlich besseren Resultat für Braun und seine Kollegen: 3:0 haben die Diebe ihren Gegner vom virtuellen Spielfeld gefegt und dabei um zwei Minuten das schnellste LCS-Finale aller Zeiten verpasst. „Der Rekord wäre natürlich noch der Hammer gewesen, aber das hatten wir gar nicht auf dem Schirm“, scherzt Braun.

Für ihn und seine Teamkollegen beginne jetzt die Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft, wo sie auf die besten Spieler aus Europa, China, Korea und weiteren Teilen der Welt treffen werden. Besonders auf die Teams aus dem asiatischen Raum ist Braun gespannt, da diese in der Szene als besonders gefährlich und spielstark gelten. „Schon krass“ sei auch die schiere Menge an Zuschauern für das Event: 2020 hatte das Turnier insgesamt rund 32 Millionen Zuschauer, davon 8,5 Millionen gleichzeitig in der Spitze.

Nachwuchstalent hat zwei Lieblingsgegner

Ein Ziel haben sich Braun und Kollegen noch nicht gesetzt, schließlich gehöre auch ein bisschen Glück dazu. „Wir wollen einfach niemanden enttäuschen und dabei möglichst noch den Ruf von nordamerikanischen Teams ein bisschen verbessern“, merkt Braun an – über die letzten Jahre waren die Teams aus der LCS früh bei den Weltmeisterschaften gescheitert. Gleich zwei Lieblingsgegner für die „Worlds“ hat das Nachwuchstalent dennoch: den letztjährigen Weltmeister „Damwon Gaming“ und Rekordweltmeister „SK Telecom T1“, beide aus Korea, mit ihren Spielern „Showmaker“ und „Faker“, welche dieselbe Position bekleiden wie Braun. Gerade Lee „Faker“ Sang-hyeok gilt seit 2013 als einer der besten League of Legends-Spieler überhaupt.

Der Oberweierer Profi Felix Braun gibt Schalke-Fans Tipps, was sie beim E-Sport beachten sollten. Foto: FC Schalke 04 eSports/Archiv

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Der Oberweierer Profi Felix Braun gibt Schalke-Fans Tipps, was sie beim E-Sport beachten sollten. Foto: FC Schalke 04 eSports/Archiv

Nachdem Braun 2019 und 2020 mit Schalke jeweils knapp an einer Qualifikation für die Weltmeisterschaften gescheitert war, ist er jetzt sehr froh darüber und auch ein bisschen stolz, einer von drei Deutschen bei dem Turnier zu sein. Ursprünglich war China als Austragungsort vorgesehen, mittlerweile hat der Veranstalter „Riot Games“ das Event jedoch nach Europa verlegen lassen – Gerüchten zufolge nach Island. Ein Starttermin ist derzeit ebenso wenig bekannt wie der genaue Austragungsort.

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Erstellt:
13. September 2021, 19:00 Uhr
Lesedauer:
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