Felsabhang am Michaelsberg gesichert

Von BNN-Redakteur Michael Rudolphi

Baden-Baden (BNN) – Ein großflächiges Drahtgeflecht soll künftig am Bénazet-Weg zwischen Kurhaus und Trinkhalle Fußgänger gegen herabstürzende Stein- und Felsbrocken schützen.

Felsabhang am Michaelsberg gesichert

Schutz: Ein großflächiges Drahtgeflecht soll verhindern, dass sich am Abhang des Michaelsbergs zwischen Kurhaus und Trinkhalle Stein- und Felsbrocken lösen und Spaziergänger gefährden. Foto: Michael Rudolphi/BNN

Gefahr besteht nicht mehr: Spaziergänger können auf dem Bénazet-Weg, der vom Kurhaus Baden-Baden und hinter der Trinkhalle in Richtung Michaelsberg führt, wieder an dem Abhang vorbeiflanieren, ohne von herabstürzenden Stein- oder Felsbrocken gefährdet zu sein. Unser Redaktionsmitglied Michael Rudolphi erläutert, was sich dort in den vergangenen Wochen getan hat.

Warum ging von dem Felsabhang Gefahr aus?Baumkletterer haben im Winter 2020/21 beim Rückschnitt der Gehölze auf dem Steilhang am Übergang vom Michaelsberg in den Kurgarten an einigen Stellen Risse in den Felsen und lockeres Gestein festgestellt. Nach Auskunft von Traugott Bräuninger, Leiter der Abteilung Pflege im städtischen Gartenamt, hatten sich bereits einzelne kleinere Brocken gelöst und waren den Abhang hinunter auf den beliebten Spazierweg gerollt. „Es bestand Handlungsbedarf“, sagt Bräuninger.

Wie ernst war die Lage?Der von der Bäder- und Kurverwaltung Baden-Württemberg (BKV) sowie dem Gartenamt beauftragte Geologe Jürgen Walzenbach untersuchte den Zustand des Abhangs. Nach seinen Erkenntnissen wies das Gestein zahlreiche poröse Stellen und Risse auf, die zum Teil einige Meter in die Tiefe reichten.

Wie entstanden diese Risse?Walzenbach führt dies auf die besondere geologische Formation zurück. Der Hang besteht zu etwa 90 Prozent aus Hornfels. Der Rest ist Glimmerschiefer. Beide sind rund 400 Millionen Jahre alt und zählen zu den ältesten Gesteinen der Erde. Druck und Temperatur wirken sich auf deren Beschaffenheit aus. Beispielsweise lockern die Wurzeln schwankender Bäume den felsigen Untergrund auf. Wasser, das in die Spalten eingedrungen ist, kann bei Frost Abplatzungen am Gestein verursachen.

Wie lässt der Hang sich gegen Felssturz schützen?Eine häufige Methode besteht darin, eine steile Fläche mit Spritzbeton zu überdecken. Das kam für Walzenbach und Gartenamtschef Markus Brunsing aufgrund der exponierten Lage unmittelbar am Kurgarten aus landschaftsgestalterischen Gründen nicht in Frage. Der Geologe schlug stattdessen vor, die Felsen mit einem Drahtgeflecht zu überspannen und dieses Netz mit Stiften, die teilweise drei Meter in die Tiefe reichen, zu fixieren.

Wie groß ist dieses Netz?Es bedeckt insgesamt rund 325 Quadratmeter, die in zwei Flächen von 75 und 250 Quadratmeter unterteilt sind.

Liefen die Arbeiten reibungslos?Walzenbach zufolge hat sich das Vorhaben um ein Jahr verschoben, weil die beauftragte Spezialfirma ausgelastet war. Sie hat unter anderem den Drackensteiner Hang an der A8 gesichert. Nach Auskunft von Jürgen Fischer, dem Technischen Leiter der BKV, durften die Mitarbeiter der Firma kein schweres Gerät einsetzen, weil sich in unmittelbarer Nähe die Kurhaus-Parkgarage befindet. Alle Bohrungen mussten deshalb von Hand erfolgen.

Wie lange hat alles gedauert?Die Arbeiten sind nach rund acht Wochen mittlerweile abgeschlossen. Die Verantwortlichen sind darüber sehr erleichtert. Der akute Rohstoffmangel und Lieferengpässe hätten sonst das Vorhaben gefährdet. Der Bénazet-Weg war in der Bauphase an den Arbeitstagen gesperrt und nur am Wochenende für Fußgänger freigegeben.

Was kostet die Hangsicherung?Fischer beziffert die Ausgaben auf rund 100.000 Euro, die sich die Stadt sowie die Bäder- und Kurverwaltung teilen.

Wie geht es weiter?Eine Neubepflanzung des gerodeten Abhangs ist nicht vorgesehen. „Das regelt die Natur besser, als wir das könnten“, sagt Markus Brunsing. Als Landschaftsgärtner hält er den Übergang vom Kurgarten zum Michaelsberg für eine großartige Situation, um die andere Städte Baden-Baden beneideten. Solche Felsen hätten andere Kurorte in ihren Gärten teilweise künstlich modellieren und inszenieren müssen.

In eigener Sache

Das Badische Tagblatt und die Badischen Neuesten Nachrichten bündeln ihre journalistischen Kräfte und erweitern damit das umfangreiche Leseangebot in Mittelbaden. Noch arbeiten die beiden Redaktionen getrennt, tauschen jedoch schon gegenseitig Inhalte aus. Davon sollen vor allem die Leser profitieren – durch mehr Hintergründe, Reportagen und mehr Service. Deshalb werden auf badisches-tagblatt.de auch Artikel von BNN-Redaktionsmitgliedern veröffentlicht.