Fernsehfilm-Festival startet: Ein Hoch auf den 90-Minüter

Baden-Baden (cl) – Ein Fest für den 90-Minüter: Das Baden-Badener Fernsehfilm-Festival startet am 22. November mit vollem Wettbewerbsprogramm im Kurhaus – ab diesen Samstag laufen die Filme auf 3sat.

Ein Provinzkommissar kommt nicht zur Ruhe: „Sörensen hat Angst“ mit Bjarne Mädel eröffnet den Wettbewerb am kommenden Montag im Kurhaus Baden-Baden.  Foto: NDR/Michael Ihle

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Ein Provinzkommissar kommt nicht zur Ruhe: „Sörensen hat Angst“ mit Bjarne Mädel eröffnet den Wettbewerb am kommenden Montag im Kurhaus Baden-Baden. Foto: NDR/Michael Ihle

Das Baden-Badener Fernsehfilm-Festival wird kommende Woche wieder im Kurhaus stattfinden, aber unter 2G-Regeln, zusätzlich ist für den Besuch ein negativer Corona-Test erforderlich. Immerhin keine pandemiebedingte totale Verlagerung ins Netz wie im Lockdown-Herbst 2020. Das Promiaufgebot wird sich aber in Grenzen halten, etliche renommierte Regisseure wie Dominik Graf haben abgesagt, die als Juroren angekündigten Dieter Kosslick und Dennenesch Zoudé werden auch nicht in der öffentlich tagenden Jury sitzen. Dafür will Rosalie Thomass, Hauptdarstellerin in „Jackpot“, zur Vorführung des SWR-Films beim Treffen der Fernsehschaffenden kommen.

Dabei wären die Voraussetzungen für eine Begegnung mit TV-Stars in normalen Zeiten durchaus gegeben. Denn eine ganze Reihe großer Film- und Theater-Schauspieler steht mit neuen Projekten im Wettbewerb der zwölf besten Fernsehfilme des zurückliegenden Jahres – von ARD, ZDF, Arte, von ORF, des Schweizer Fernsehens und auch von Privatsender Sat.1.

Senta Berger und Peter Simonischek liefern sich in der ZDF-Produktion „An deiner Seite“ von Felix Karolus als Künstler-Ehepaar in der Krise einen Schlagabtausch: Simonischek spielt den Stardirigenten, Berger die Ehefrau. Auch Jens Harzer und Corinna Harfouch („Ruhe! Hier stirbt Lothar“, WDR), Ulrich Matthes und Justus von Dohnanyi („Freunde“, HR) sind mit ihren Filmen über fatale Lebensbilanzen und scharfe Gesellschaftskritik vom 22. bis 26. November für den Fernsehfilmpreis der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste nominiert.

Mit Bjarne Mädels humorvolem Krimi „Sörensen hat Angst“, bei dem der Schauspieler auch Regie führte, startet das Festival am Montag im Kurhaus. Die Fernsehzuschauer von Festivalpartner 3sat sind schon diesen Samstagabend Vorgucker des 33. Fernsehfilm-Festivals. Mit dem Gaunerpärchen in „Jackpot“ und dem ORF-Krimi „Waidmannsdank“ über einen tödlichen Jagdunfall laufen im Abendprogramm die ersten Filme des 3sat-Zuschauerpreises an, der nächste Woche auch vergeben wird. Der Ehrenpreis des Festivals, der Hans-Abich-Preis, ist bereits bekannt: Er geht an die Produzenten Quirin Berg und Max Wiedemann, die einen Oscar-Erfolg mit Florian Henckel von Donnersmarcks Polit-Thriller „Das Leben der Anderen“ für sich verbuchen können.

Das Baden-Badener Fernsehfilm-Festival feiert das fiktionale Format der Öffentlich-Rechtlichen mit sozialkritischem Touch seit 1989 alljährlich Ende November am Senderstandort Baden-Baden. Der TV-Film, lange Zeit die alleinige Königsdisziplin der Sender, ist eine seltene Art auf dem Film- und Fernsehmarkt, es gibt ihn praktisch nur im deutschsprachigen Raum.

„Die Serie sollte einen eigenen Wettbewerb beim Festival erhalten“

„Das Festival wurde ja gegründet, um den 90-Minüter zu fördern und hochzuheben, und das haben wir tatsächlich auch die ganzen Jahre über weiterhin geschafft“, sagt die scheidende Festivalleiterin Cathrin Ehrlich; sie gehört von Anfang an zum Festivalstab, seit 2015 leitet sie es. Angesichts des Serienbooms habe es der Fernsehfilm immer schwerer, in der Zuschauergunst, aber auch in der Finanzierung, erklärt sie. Die Festivalmacher nähern sich dem Trend zur längeren Erzählform in diesem Jahr in einem Diskussionsforum, langfristig müsse das Fernsehfilm-Festival die Serie mehr beachten, so Ehrlich. In den Wettbewerb des Fernsehfilms kann man sie aber nicht integrieren, denn wie sollte man einen Serienteil mit einem abgeschlossenen Film messen? „Die Serie sollte ein eigenes Wettbewerbsformat innerhalb des Festivals erhalten“, sagt Festivalleiterin Ehrlich. Genauso wie der MFG-Star für die Nachwuchsfilmemacher, der am Ende der Festivalwoche läuft. Aber die Serienüberlegungen seien Sache ihrer Nachfolger – und werden noch intensiv besprochen werden.

Überhaupt ist das Festival sehr diskussionsfreudig, es lebt vom Diskurs. „Viele Schauspieler und Fernsehmacher lieben unser Festival, weil es klein, fein und in Baden-Baden unkompliziert ist, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten“, so Ehrlich. Das wird nächste Woche unter der Leitung von Juryvorsitzender Christiane von Wahlert allerdings nur eingeschränkt möglich sein. Die Teilnehmerzahl sei erheblich reduziert, erklärt Festivalsprecherin Michaela Niemeyer. „Wir können pro Festivaltag nur 100 Plätze besetzen“, sagt sie.

Deshalb laufen die Filme, neben der 3sat-Ausstrahlung, auch im Netz und sollen die Jurydiskussionen sowie Filmgespräche zudem live gestreamt werden. Bis zum 28. November bleibt alles online verfügbar.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Christiane Lenhardt

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Erstellt:
20. November 2021, 12:30 Uhr
Lesedauer:
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