Festanstellung dank Landkreis-Aktion

Rastatt/Durmersheim (ans) – Die irakische Ärztin Maha Muhi Nour Nour findet durch die Initiative „Helden helfen Heimen“ eine Teilzeitstelle in Bietigheim.

So sieht Maha Muhi Nour Nour auf ihrem Bewerbungsfoto aus. Foto: Maha Muhi Nour Nour

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So sieht Maha Muhi Nour Nour auf ihrem Bewerbungsfoto aus. Foto: Maha Muhi Nour Nour

Mit der Aktion „Helden helfen Heimen“ hat der Landkreis Rastatt im vergangenen Jahr nach „Alltagshelden“ in der Pandemie gesucht. Die Heimaufsichtsbehörde richtete mit der Initiative im Mai eine entsprechende Bewerber-Plattform ein. Eine von 20 Bewerbern, die sich auf diesen Aufruf meldete, ist die irakische Ärztin Maha Muhi Nour Nour, die seit ungefähr zwei Jahren in Durmersheim wohnt und sich dort eine Existenz aufgebaut hat.

Durch ihre Beraterin im Rastatter Jobcenter sei sie auf die Aktion aufmerksam geworden, berichtet die Ärztin im BT-Gespräch. Diese habe ihr geholfen, sich bei „Helden helfen Heimen“ zu bewerben. Dass daraus eine Festanstellung resultieren würde, damit habe sie nicht gerechnet. Doch das Seniorenzentrum „Haus Edelberg“ in Bietigheim zeigte Interesse an ihrer Bewerbung und meldete sich bei Nour. Seit fast drei Wochen arbeitet die 36-Jährige dort in Teilzeit – 20 Stunden pro Woche. Ihre Aufgabe: Corona-Schnelltests an Pflegekräften und Besuchern vornehmen. „Die Mitarbeiter werden drei Mal die Woche getestet“, sagt Nour.

Bei Besuchern sei der Test für zwei Tage gültig. Wer also einen Angehörigen an zwei aufeinanderfolgenden Tagen besuchen möchte, der müsse sich erst am dritten Tag wieder testen lassen.

Der erste Arbeitstag sei „gut gelaufen“, berichtet sie. Zuvor sei sie fünf Jahre lang erfolglos auf Jobsuche gewesen, berichtet die 36-Jährige. „Durch Corona habe ich endlich Arbeit gefunden“, sagt die Ärztin. In ihrer irakischen Heimat hatte sie in verschiedenen Krankenhäusern in Bagdad, Kerbelas und Diwaniyya als Frauenärztin gearbeitet und bringt fünf Jahre Berufserfahrung mit.

Deutsch lernen als größte Motivation

Auf die Frage, was sie dazu motiviert, in einem Pflegeheim zu arbeiten, hat Nour eine klare Antwort: „Ich möchte mein Deutsch verbessern.“ Bei der Arbeit habe sie Kontakt zu vielen älteren Menschen, die einen großen Redebedarf haben. Natürlich sei es auch ein schönes Gefühl, endlich wieder Geld zu verdienen, freut sich Nour.

Gemeinsam mit ihrem Mann und ihrer damals zweijährigen Tochter sei sie 2015 aus dem Irak geflüchtet und nach Deutschland gekommen, um Asyl zu beantragen. „Es war eine sehr schwierige Situation“, berichtet sie. In den vergangenen fünf Jahren ist Nour oft umgezogen: Von Mannheim nach Heidelberg, dann nach Gernsbach, bis sie schließlich 2018 in Durmersheim Fuß fasste.

Seit einigen Monaten lebe sie nicht mehr in einer Flüchtlingsunterkunft, sondern in einer Mietwohnung, berichtet die Ärztin. „Es ist schön, jetzt mehr Privatsphäre zu haben“, meint sie weiter. In Durmersheim fühle sie sich wohl, sagt Nour. Ihre inzwischen siebenjährige Tochter besuche die erste Klasse und nehme gerade am Online-Unterricht teil.

In voller Montur: Nour arbeitet jetzt im Pflegeheim. Foto: Maha Muhi Nour Nour

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In voller Montur: Nour arbeitet jetzt im Pflegeheim. Foto: Maha Muhi Nour Nour

Ihren Traum, wieder im medizinischen Bereich tätig zu sein, hat die 36-Jährige nie aufgegeben. Während ihrer Zeit in Heidelberg im vergangenen Jahr habe sie in einem Schulungszentrum, das ausländische Ärzte bei der beruflichen Anerkennung ihrer Ausbildung unterstützt, an einem Fachsprachkurs für medizinische Begriffe teilgenommen. „Dort hatte ich die Möglichkeit, wichtige Begriffe auf Deutsch zu lernen“, lässt Nour wissen.

Dieser Kurs ist für ihre Anerkennung als Ärztin in Deutschland ein wichtiger Schritt. Denn Ärzte, die aus dem Ausland nach Deutschland kommen und hier in ihrem erlernten Beruf tätig werden wollen, müssen bei der Beantragung der Berufserlaubnis nachweisen, dass sie über die für die Berufsausübung erforderlichen Kenntnisse der deutschen Sprache verfügen. „Momentan warte ich auf die Zulassung für die Fachsprachprüfung“, sagt die Ärztin.

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Erstellt:
29. Januar 2021, 11:00 Uhr
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