Festivals auf der Kippe: Martin Wacker im Interview

Karlsruhe (km) – Ob „Das Fest“ in Karlsruhe vom 24. bis 26. Juli regulär stattfinden kann, ist aufgrund der Corona-Pandemie mehr als unklar. Noch halten die Organisatoren an den Planungen fest. BT-Redakteurin Kathrin Maurer hat sich mit Veranstalter Martin Wacker unterhalten.

Ob Passenger, Revolverheld und Joris diesen Sommer den Mount Klotz in Karlsruhe zum Beben bringen können, ist noch offen. Foto: Steffen Eirich

© pr

Ob Passenger, Revolverheld und Joris diesen Sommer den Mount Klotz in Karlsruhe zum Beben bringen können, ist noch offen. Foto: Steffen Eirich

BT: Herr Wacker, wie gehen Sie mit der derzeitigen Situation in Bezug auf „Das Fest“ 2020 um?

Martin Wacker: Auch für unser Team ist das eine enorme Belastung. Noch sind es rund dreieinhalb Monate bis zu „Das Fest“. Wir hoffen alle natürlich auf das kleine Wunder, dass es stattfinden kann. Die aktuellen behördlichen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Epidemie, welche uns betreffen, gelten vorläufig bis Mitte Juni. Insofern planen wir „Das Fest“ auch wie gehabt, tauschen uns da aber auch intensiv mit den verantwortlichen Behörden aus, um bei einem Stattfinden auch die Sicherheit und Gesundheit für alle Besucherinnen und Besucher, aber auch für unsere Mitarbeiterinnen, Mitarbeiter, Partnerinnen und Partner gewährleisten zu können. Zum anderen spielen wir natürlich auch das Szenario einer kompletten Verschiebung von „Das Fest“ durch.

Martin Wacker, Geschäftsführer der Karlsruhe Marketing und Event GmbH. Foto: Karlsruhe Marketing und Event GmbH

© pr

Martin Wacker, Geschäftsführer der Karlsruhe Marketing und Event GmbH. Foto: Karlsruhe Marketing und Event GmbH

Und: wir schielen nicht nur auf den Sommer – wir sind nicht nur „Festival-Macher“. Unser Team hilft aktuell in der Krise bei Distanzierungsmaßnahmen in öffentlichen Einrichtungen und hat gemeinsam mit der Cityinitiative Karlsruhe, unterstützt von der Wirtschaftsförderung sowie der Karlsruhe Tourismus GmbH eine Liefer-Plattform für lokale Händler und Gastronomen aufgebaut. In der Krise muss man auch themenübergreifend schnell agieren.

Austausch mit Festivalveranstaltern in ganz Europa

BT: Wäre eine Verschiebung des Festivals möglich?

Wacker: Wenn wir „Das Fest“ verschieben müssen, dann um ein Jahr. Hier stehen wir auch mit anderen Festivalveranstaltern in ganz Europa über den Verband „Yourope“ im Kontakt, um uns diesbezüglich auszutauschen und zu unterstützen. Vielleicht gelingt es ja, bei einer Absage des Festivalsommers 2020 ihn „einfach“ ins nächste Jahr zu verschieben.

BT: Was würde eine Verschiebung im Detail bedeuten?

Wacker: „Das Fest“ in Karlsruhe spielt als nicht kommerzielles Festival in der deutschen Festivallandschaft sicherlich eine gesonderte Rolle. Mit unseren Partnern laufen aktuell intensive Gespräche, wie wir eine mögliche Verschiebung bewältigen können, was wir beispielsweise „einfach“ ins nächste Jahr transferieren können. Insofern ist es schwer, jetzt schon mögliche Verluste für „Das Fest“ durch eine Absage zu beziffern. Hinzu käme unter sozialen Gesichtspunkten noch die wesentlich schwerwiegendere Konsequenz, dass für viele Künstler, Lieferanten, Caterer, Freelancer und Aushilfskräfte in diesem Jahr eine wichtige Einnahmequelle für den Lebensunterhalt entfallen würde.

Tickets würden bei Verschiebung Gültigkeit behalten

BT: Welche Forderungen könnten die Kunden im Falle einer Absage geltend machen?

Wacker: Falls „Das Fest“ verschoben werden muss, besteht selbstverständlich das Recht auf Erstattung des Eintrittsgeldes. Natürlich handelt es sich bei dem Ticketpreis für den Bereich der Hauptbühne um einen symbolischen Eintrittspreis von zehn Euro, der in Deutschland einmalig günstig sein dürfte. Daher appellieren wir im Falle einer kompletten Verschiebung um ein Jahr schon jetzt an die Solidarität aller Festival-Besucher, die Tickets nicht zurückzugeben. Sie würden in diesem Falle bereits für 2021 gelten, und damit unter anderem auch weiter das Wirken der Künstlerinnen und Künstler unterstützen, die dann ebenfalls ihr Kommen um ein Jahr verschieben.

Martin Wacker, Geschäftsführer der Karlsruhe Marketing und Event GmbH. Foto: Karlsruhe Marketing und Event GmbH

© pr

Martin Wacker, Geschäftsführer der Karlsruhe Marketing und Event GmbH. Foto: Karlsruhe Marketing und Event GmbH

BT: Gibt es eine Frist, bis wann über eine Austragung entschieden werden muss?

Wacker: Bis zum Ende der Osterferien ist mit weiteren Ver- beziehungsweise Anordnungen der Bundes- und Landesregierung zu rechnen. In der Folge erwarten wir weitere konkrete Aussagen der kommunalen Behörden im Monat Mai. Unsere internen Planungen haben wir zeitlich entsprechend angepasst.

„Gesundheit geht stets vor!“

BT: Sollte „Das Fest“ im Juli stattfinden – könnten Sie sich völlig lösen von Sorgen um weitere mögliche Ansteckungen?

Wacker: „Das Fest“ 2020 wird nur stattfinden, wenn wir uns keine Sorgen vor Ansteckungen machen müssen. Gesundheit geht stets vor!

Zum Artikel

Erstellt:
11. April 2020, 11:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 47sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.