Festspielhaus Baden-Baden: Start mit Hygienekonzept

Baden-Baden (nof) – Nach siebenmonatiger coronabedingter Schließung startet das Festspielhaus Baden-Baden am Donnerstag, 8. Oktober, in die Herbst- und Wintersaison.

Viele Plätze werden leer bleiben: Nur 500 Zuschauer dürfen in den großen Saal.  Foto: Nico Fricke

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Viele Plätze werden leer bleiben: Nur 500 Zuschauer dürfen in den großen Saal. Foto: Nico Fricke

„Bitte halten Sie 60 Zentimeter Abstand.“ Ein kleiner Bildschirm begrüßt die Gäste am Eingang zum Baden-Badener Festspielhaus, das am Donnerstag, 8. Oktober, nach siebenmonatiger coronabedingter Schließung wieder den Kulturbetrieb aufnimmt. Folgt man den Anweisungen, misst der Scanner die Temperatur und prüft, ob der Besucher eine Maske trägt. Leuchtet ein grünes Licht auf, gibt es Zutritt in Deutschlands größtes Opernhaus. „Das ist eine unserer technischen Neuerungen“, erklärt Intendant Benedikt Stampa. Und Teil eines ausgeklügelten Hygienekonzepts, das es den Verantwortlichen erlaubt, endlich wieder die Pforten für das Publikum zu öffnen „und etwas verspätet in die Herbst- und Wintersaison zu starten“. Vier solcher Geräte stehen am Eingang bereit, die Saalöffnung wurde auf 45 Minuten vor Veranstaltungsbeginn vorverlegt. „So wollen wir einen Stoßbetrieb vermeiden“, sagen Sabine Bernhard, Abteilungsleiterin Gastronomie und Jörg Klasser, Leiter Verwaltungs- und Gebäudemanagement, die für das Hygienekonzept mit verantwortlich zeichnen. Einen „Rundlauf“ gibt es an der Garderobe, um keinen „Gegenverkehr“ zuzulassen. Maskenpflicht, so Bernhard, besteht, bis die Gäste ihre Plätze im Saal oder im Restaurant eingenommen haben. Lange haben die Mitarbeiter auch gefeilt, um den Sitzplan zu erstellen: „Das Publikum nimmt künftig in einem Schachbrettmuster plus Platz“, sagt Rüdiger Beermann, Direktor Medien und Kommunikation. „Zwischen den Sitzen wird also immer eine Reihe ausgespart, um den Abstand von 1,5 Metern einzuhalten.“ Er verweist auch auf die Leistungsfähigkeit der Klimaanlage: „Alle 20 Minuten wird die Raumluft ausgetauscht.“

Nur 500 Besucher zugelassen

500 Gäste darf das Festspielhaus nach der aktuellen Corona-Verordnung empfangen, „das heißt, 1.700 Plätze bleiben leer“, sagt Stampa mit Blick auf die dadurch entstehenden großen Lücken auf der Einnahmenseite. Dankbar ist er für die Zuwendung des Landes, sonst hätte man „den Schlüssel wohl umdrehen müssen“. Kultur, Gastronomie und Tourismus seien die Bereiche, die am meisten unter der Corona-Pandemie zu leiden haben. „Und wir tun alles dafür, den Verordnungen Folge zu leisten.“ Er hofft auf eine Lockerung, „Wir könnten in unserem Haus deutlich mehr Gäste sicher unterbringen.“ Auch die Künstler freuten sich, endlich wieder vor Zuschauern auftreten zu können, „aber auch dort gibt es natürlich unternehmerische Interessen, was die Honorare angeht“, sagt Stampa: „Da gilt es, Absprachen zu treffen, Lösungen zu finden.“ Eine Möglichkeit seien zum Beispiel Doppelkonzerte. „Da können dann zumindest 1.000 Personen in den Genuss kommen. Es ist immer ein Puzzlespiel.“

Beermann: „Hunger auf Kultur ist da“

Im Saal zeigt sich die Sitzverteilung. Viele, viele Plätze sind mit einem Gurt gesperrt, dazwischen finden sich Doppel- und Einzelsitze. „Die Mitarbeiter im Ticketverkauf haben jeden Karteninhaber kontaktiert und Einzelarrangements getroffen“, erklärt Beermann. Damit Gruppen oder Familien zumindest in der Nähe sitzen können. Viele Konzerte seien schon ausverkauft, „Wir spüren die große Lust der Gäste, endlich wieder am Kulturbetrieb teilzunehmen. Der Hunger auf Kultur ist da.“ Gleichzeitig gebe es aber auch eine große Vorsicht. „Der Liebhaber klassischer Musik ist ja meist über 50 und gehört vielleicht zu einer Risikogruppe.“ Doch Stampa und Beermann sind sich sicher, alle erdenklichen Maßnahmen ergriffen zu haben, um dem Publikum sichere Konzertabende präsentieren zu können. „Wir haben eine Vorbildfunktion“, betont Stampa, der in den vergangenen Monaten mit zahlreichen anderen Intendanten in Kontakt stand, um sich über die Konzepte auszutauschen. „Aber von Bundesland zu Bundesland gibt es andere Bestimmungen“, so Beermann. Zunächst werden die Aufführungen ohne Pause gespielt, um „Traubenbildungen“ zu vermeiden. Restaurant, Bar und Café sind vor und nach der Veranstaltung geöffnet. Stampa und seine Mitarbeiter sind nun gespannt auf die heutige Premiere unter Corona-Bedingungen. Den Auftakt macht „Ghost Light“, ein Ballett von John Neumeier.

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Erstellt:
7. Oktober 2020, 22:00 Uhr
Lesedauer:
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