Festspielhaus: Eröffnung an Ostern?

Baden-Baden/Berlin (sr) – Die Osterfestspiele der Berliner Philharmoniker sind ein Highlight der internationalen Musikszene. Das Festspielhaus bereitet derzeit eine coronagerechte Fassung vor.

Kleiner Gruß an treue Fans: Dieses Kammerkonzert mit Raphaela Gromes (Violoncello) und Julian Riem (Klavier) wird live aus dem leeren Festspielhaus gestreamt. Intendant Benedikt Stampa (links) stellt die jungen Musiker dem Online-Publikum vor. Foto: Festspielhaus

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Kleiner Gruß an treue Fans: Dieses Kammerkonzert mit Raphaela Gromes (Violoncello) und Julian Riem (Klavier) wird live aus dem leeren Festspielhaus gestreamt. Intendant Benedikt Stampa (links) stellt die jungen Musiker dem Online-Publikum vor. Foto: Festspielhaus

Kosakenhauptmann Mazeppa weiß nicht mehr, wie es weitergehen soll – da geht es ihm wie derzeit fast allen Menschen. „Mazeppa“, die bei uns wenig gespielte große Oper von Tschaikowsky, soll die Osterfestspiele (27. März bis 5. April) in Baden-Baden eröffnen. Allerdings wird heute nochmals eine Verschärfung und Verlängerung der Corona-Maßnahmen erwartet. Was bedeutet diese Situation für das Festspielhaus Baden-Baden?

„Wir hoffen sehr darauf, das Haus wieder mit den Osterfestspielen und den Berliner Philharmonikern zu eröffnen“, sagt Rüdiger Beermann, der Kommunikationsdirektor des Hauses. Gewissheit hat man zurzeit nicht. Aber es wäre die passende Verabschiedung eines unwirklichen, beinahe durchgehend aufführungsfreien Jahres. „Wir zehren von der großen Hoffnung, dort emotional wieder anzuknüpfen, wo Corona 2020 voll zugeschlagen hat – und das waren zuerst die Osterfestspiele mit den Berliner Philharmonikern. Unser Wunsch ist es, jetzt ein Hoffnungszeichen zu setzen“, so Beermann weiter.

Mehrere Konzepte für „Mazeppa“

In diesen Tagen schmieden die Verantwortlichen in Baden-Baden neue Pläne, um das langfristig vorbereitete Festivalprogramm auch in coronagerechter Version gewährleisten zu können. Positiv denken ist angesagt. Dass das Festspielhaus mit seinen drei großen Publikumsebenen und den vielen seitlichen Logen wieder dicht besetzt werden könnte, davon geht niemand aus. Aber im Herbst hat es einige beispielhafte Aufführungen gegeben – darunter auch eine Ballett-Produktion und Konzerte mit Chor –, bei denen 500 Zuhörer im Saal zugelassen waren und hinterher keine Infektionen bekannt wurden. So könnte es vielleicht an Ostern wieder aussehen.

Der russische Regisseur Dmitri Tcherniakov und die Berliner Philharmoniker mit ihrem Chefdirigenten Kirill Petrenko sind jedenfalls schon in die akute Vorbereitungsphase für „Mazeppa“ eingetreten. „Es werden mehrere Konzepte für Tcherniakovs Inszenierung erarbeitet – für eines werden wir uns dann so spät wie möglich und so schnell wie nötig entscheiden. Dabei hoffen wir jetzt auf eine positive Entwicklung des Infektionsgeschehens“, sagt Beermann, „wir wollen die Oper zurück nach Baden-Baden bringen“.

Dazu findet auch ein Abgleich der Berliner Hygienekonzepte mit den bereits bewährten Baden-Badener Erfahrungen statt – die einzelnen Bundesländer haben oft variierende Vorgaben. Schon vor Ostern könnten im Festspielhaus aus rein organisatorischer Sicht einige kleinere Konzerte stattfinden, aber ob die Situation das erlaubt, ist im Moment noch in der Schwebe, wie so vieles andere auch.

Einnahmeeinbußen bereiten Sorgen

Wirtschaftlich kann diese Zwangsform einer Programmgestaltung auf keinen Fall sein, deshalb führt das Festspielhaus jetzt erneut Gespräche mit Politikern im Bund und im Land. Bisher sind vom Land Baden-Württemberg vier Millionen zum Ausgleich der coronabedingten Einnahmeverluste im Jahr 2020 nach Baden-Baden geflossen. Eine feste Bank ist da der große Kreis von Stiftern und Förderern, „eine erfolgreiche Bürgerbewegung“, wie Rüdiger Beermann findet, „die von der einzelnen Kartenspende bis zu großen Fördersummen reicht, was sich jetzt als großer Vorteil für das Haus erweist“.

Hilfreich ist sicher auch die Unterstützung der Medienpartner des Festspielhauses: ARD und Arte senden viele der aufgezeichneten Veranstaltungen gleich mehrfach. So soll Hengelbrocks Brahms-Requiem vom Herbst auch in der kommenden Passionszeit wieder im Radio ausgestrahlt werden. Und Rolando Villazons „La Traviata“ von den Pfingstfestspielen 2015 lockte zuletzt mehr als 170.000 Zuschauer vor den Bildschirm.

Zur Überbrückung der kontaktlosen Zeit postet das Festspielhaus viele kleine positive „Lebenszeichen“ in den sozialen Medien, erinnert an große Events und die Musikgeschichte der Stadt. Aber eigentlich scharren hinter den Kulissen alle mit den Hufen.

Ihr Autor

Sabine Rahner

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Erstellt:
18. Januar 2021, 17:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 44sec

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