Festspielhaus-Intendant Stampa im Interview

Baden-Baden (BNN) – Festspielhaus-Intendant Benedikt Stampa fiebert seinen ersten Osterfestspielen entgegen und hofft auf ein großes Musikfest. Im Gespräch gibt er Einblicke in die Veranstaltung.

Fiebert dem Großereignis entgegen: Benedikt Stampa. Foto: Bernd Kamleitner

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Fiebert dem Großereignis entgegen: Benedikt Stampa. Foto: Bernd Kamleitner

Nach zweijähriger Zwangspause wegen der Corona-Pandemie ist wieder Festspielzeit: Vom 9. bis 18. April können Musikfreunde während der Osterfestspiele in Baden-Baden den Berliner Philharmonikern begegnen. Mit dem Festspielhaus-Intendanten Benedikt Stampa sprach unser Mitarbeiter Bernd Kamleitner.

BT: Herr Stampa, wie aufgeregt ist der Intendant kurz vor dem Start der ersten Osterfestspiele in seiner Verantwortung?
Benedikt Stampa: Ich bin aufgeregt, weil ich in freudiger Erwartung bin, was in Baden-Baden los sein wird. Das betrifft vor allem die Durchführung des Festivals. Verantwortet habe ich die Osterfestspiele in den vergangenen beiden Jahren ja auch schon. Die fanden aber wegen Corona nicht statt beziehungsweise im vergangenen Jahr nur digital. Das ist aber kein Ersatz für das, was live auf der Bühne stattfindet und was in der Stadt los ist.

BT: Wie wichtig sind Festspiele für Deutschlands größtes Opernhaus?
Stampa: Die Osterfestspiele sind unser Herzstück. Das darf man so sagen, weil die Berliner Philharmoniker in den vergangenen zehn Jahren in Baden-Baden exklusiv die große Oper bei uns präsentiert haben. Das war für Publikum aus der ganzen Welt ein Magnet. Insofern sind die Osterfestspiele für Baden-Baden als Standort wichtig und für das Profil des Festspielhauses. Wir wollen zeigen, dass wir mit großer Festspieloper die Welt begeistern können.

„Ziemlich monumentales Bühnenbild“

BT: Aus dem Bühnenbild wird vor der Premiere stets ein großes Geheimnis gemacht. Können Sie den Schleier im Hinblick auf „Pique Dame“ etwas lüften?
Stampa: Die Besucher erwartet ein ziemlich monumentales Bühnenbild. Ich verrate nicht zu viel, wenn ich sage: Es ist ein Bühnenbild, in dem simultane Räume gezeigt werden und die Sänger simultan agieren. Der Regisseur hat das ganz nett umschrieben: Wie eine Art Krimi-Handlung, die simultan erzählt wird. Das Gute an Baden-Baden ist, dass wir uns für die eine Oper Zeit nehmen können. Entsprechend aufwendig ist es.

BT: Die Festspiele strahlen in die ganze Stadt. Es gibt Konzerte in unterschiedlichen Sälen. Fürchten Sie nicht eine Konkurrenz zum Festspielhaus?
Stampa: Nein, das Festspielhaus ist der Magnet und das Zentrum der großen Veranstaltungen. Als Festivalbesucher kenne ich das aber auch, dass man neben den großen Formaten auch die kleinen schätzt. Das sind die Kammerkonzerte der Philharmoniker in schönen Sälen der Stadt.

„Wir sollten das als Weltkulturerbe begreifen“

BT: Nach Corona jetzt der Ukraine-Krieg. Bei den Osterfestspielen präsentiert das Festspielhaus russische Kultur. Welches Signal wollen Sie ausstrahlen?
Stampa: Als wir mit der Planung vor drei Jahren gestartet sind, stand für Kirill Petrenko von vornherein russisches Repertoire im Vordergrund. Jetzt haben wir damit in Baden-Baden einen wichtigen Beitrag für das Hochhalten der Freiheit. Russische Musik, von Tschaikowsky und Strawinsky allemal, zählen zum Weltkulturerbe. Das sollte man nicht als nationalistische Imperial-Musik begreifen. Das mag vielleicht für russische Machthaber so sein, aber für uns ist diese Musik Allgemeingut. Die Hauptfigur in „Pique Dame“, Hermann, ist in der Puschkin-Vorlage übrigens ein Deutsch-Russe. Das ist nur ein kleines Beispiel dafür, wie eng verzahnt die russische Kultur mit der westeuropäischen und auch deutschen Kultur ist. Wir sollten das als Weltkulturerbe begreifen, und das müssen wir pflegen.

BT: Improvisation war bei der Gala angesagt. Wie leicht war es, Ersatz für Weltstar Anna Netrebko zu bekommen?
Stampa: Improvisieren gehört in unserem Bereich zum Handwerk. In diesem Jahr noch mehr. Wir wollten nicht Anna Netrebko eins zu eins ersetzen. Das kann man gar nicht. Wir haben Top-Sänger eingeladen, die aus der Gala ein Konzert im Zeichen der Menschlichkeit machen werden. Bei der kurzfristigen Verpflichtung der Künstler hilft uns eine Mischung aus Überzeugung, Reputation und der gute Ruf der Berliner Philharmoniker. Auch in den nächsten Jahren will ich das Festspielhaus mit großen Namen in der Weltliga halten.

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Ihr Autor

BNN-Redakteur Bernd Kamleitner

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Erstellt:
5. April 2022, 17:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 06sec

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