Festspielhaus: Überlegungen für Testbetrieb

Baden-Baden (cl) – Perspektiven für Kultursommer: Das Land hat legt ein neues Förderprogramm für Freiluftveranstaltungen auf. Derweil plant das Festspielhaus Baden-Baden ein Testmodell für Öffnungen.

Seit rund einem Jahr ist das Festspielhaus Baden-Baden fürs Publikum geschlossen: Bis zum Frühsommer soll es wieder Veranstaltungen geben, dazu wird ein Testbetrieb geprüft.  Foto: Uli Deck/dpa

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Seit rund einem Jahr ist das Festspielhaus Baden-Baden fürs Publikum geschlossen: Bis zum Frühsommer soll es wieder Veranstaltungen geben, dazu wird ein Testbetrieb geprüft. Foto: Uli Deck/dpa

Ideen, wie die Saisonpläne von Theatern und Orchestern noch umgesetzt werden könnten, werden zuhauf entwickelt: Doch nicht nur der Kälteeinbruch trotz Frühlings verhindert, dass Ausweichpläne wenigstens draußen erblühen könnten – auch die Inzidenzzahlen, auf die Konzerthallen und Opernhäuser bangend blicken, machen nun wieder einen Strich durch die Rechnung. Es sieht in den nächsten Wochen eher nach verschärftem Lockdown aus, als dass die Zeichen günstig stünden für Modellprojekte mit Öffnungsstrategien, wie sie die Berliner Philharmoniker kürzlich ausprobiert haben. Ob der Mai zum Wonnemonat für die Theater wird, ist offen. Am realistischsten scheinen Sommerangebote zu sein.

Zumindest Perspektiven für die verbleibende Spielzeit will das Land Baden-Württemberg mit seinem neu aufgelegten Förderprogramm „Kunst trotz Abstand 2021“ bieten. Ausdrücklich sollen damit analoge Veranstaltungen, die ab 1. Juni unter Einhaltung der bestehenden Auflagen umgesetzt werden können, finanziell bezuschusst werden, erklärte das Ministerium für Wissenschaft und Kunst am Mittwoch in Stuttgart.

Gestreamt worden ist nun genug. „Wir ermöglichen den Einrichtungen, das kulturelle Leben aus dem digitalen Raum zurückzuholen und einen Sommer analoger Begegnungen zu gestalten“, erklärte Kulturstaatssekretärin Petra Olschowski. Konkret sollen Freiluftveranstaltungen oder Veranstaltungsreihen ab dem 1. Juni bis Ende Februar 2021 gefördert werden, vor allem die Sommermonate könnten nach Darstellung Olschowskis schwerpunktmäßig für Kultur genutzt werden. Insgesamt stellt das Land nach eigenen Angaben 3,5 Millionen Euro zur Verfügung; die maximale Fördersumme betrage 50.000 Euro. Das Geld soll für die erforderlichen Vorkehrungen zur Gewährung des Gesundheitsschutzes, sprich für Hygienemaßnahmen, eingesetzt werden. Über das erste „Kunst trotz Abstand“-Programm konnten laut Ministerium 2020 bislang insgesamt 177 Projekte landesweit mit rund 4,9 Millionen Euro gefördert werden.

Festspielhaus in Gesprächen über weitere Corona-Hilfen

Auch das Festspielhaus Baden-Baden hat Corona-Hilfen erhalten. „Vom Land gab es vier Millionen Euro für den Zeitraum 2020/21, nicht wissend, dass uns die Pandemie zu Ostern 2021 immer noch beschäftigt“, erklärte Kommunikationsdirektor Rüdiger Beermann – „deswegen stehen wir nun mit Stadt und Land in weiteren Gesprächen, weil wir noch nicht absehen können, wie sich die Pandemie auf die weitere Umsatzentwicklung auswirken wird.“ Auch solle geprüft werden, ob Bundesmittel erneut infrage kämen.

Beim „Hausfestspiel“ über Ostern gab es erste Signale der Hoffnung aus dem Festspielhaus, zumindest die Künstler standen live auf der Festspielhausbühne. Mit einem Spielstart vor besetzten Publikumsrängen rechnet man frühestens im Frühsommer – plant aber trotzdem zusammen mit den Berliner Philharmonikern verkürzte Maifestspiele (6.-9.5.); zu den Pfingstfestspielen (13.-24. Mai) soll es eine neue Choreografie von John Neumeier und einen Beethoven-Zyklus geben. Wenn Valery Gergiev die Puccini-Oper „Tosca“ zu den Sommerfestspielen dirigieren wird, ist für den 25. Juli auch ein kostenloser Live-Stream in den Kurpark oder in die Lichtentaler Allee geplant, „um dort mit möglichst vielen Menschen die Oper in Baden-Baden wieder willkommen zu heißen“, erklärte Festspielhaus-Intendant Benedikt Stampa vor wenigen Wochen.

Einen „Sehnsuchtsort“ will Stampa mit dem Festspielhaus etablieren, betont der Intendant stets – und sich dabei auf Baden-Badens große Musikhistorie beziehen. Seit März 2020 hat das Konzerthaus an der Oos aber wegen Corona geschlossen, nur im vergangenen Herbst konnte es einen knappen Monat öffnen.

Modellprojekt für Kultur und Gastronomie in Baden-Baden?

Momentan wird hinter verschlossenen Türen an einem Modellprojekt gearbeitet – wie Oper trotz Abstandsgebot funktionieren könnte. „Wir befinden uns derzeit in einer internen Abstimmung, wie wir einen Testbetrieb im Festspielhaus technisch umsetzen können und wollen ein solches Modell dann Stadt und Land vorstellen“, sagte Beermann. „Unsere eigenen Erfahrungen, die wir bei den Veranstaltungen im vergangenen Herbst gewonnen haben, und auch die Erfahrungen der Berliner Philharmoniker bei ihrem jüngsten Testkonzert werden in das noch zu erarbeitende Konzept einfließen.“ Könnte daraus ein Modellprojekt entwickelt werden, wie Kultur, Gastronomie und Hotellerie gemeinsam das Potenzial erhalten, wieder hochzufahren – wie ganz Baden-Baden zum Experimentierfeld wird? „Ich hoffe und bete inständig, dass wir im Sommer dieses Jahres, wenn in Baden-Baden wieder alles blüht und gedeiht, wenn wir hoffentlich wieder Gastronomie haben und die Straßen wieder voll sind, wir als Festspielhaus wieder einen Teil dazu beitragen können“, sagte Stampa kürzlich.

Auch die Philharmonie Baden-Baden will die Sommermonate nutzen, „dass sich die Zuschauer wieder daran gewöhnen, zu uns zu kommen“, erklärte Orchestermanager Arndt Joosten – und plant einige Open-Air-Projekte in der Konzertmuschel, im Rosengarten oder in Schloss Neuweier. Die „Philharmonische Parknacht“ könnte es Ende Juli geben. Das Stadttheater will auf dem Marktplatz mit Shakespeares „Was ihr wollt“ im Juni/Juli eine Saison heiter beschließen, die noch nicht einmal richtig angefangen hat. Ganz im Sinne des Landes, das vor allem Veranstaltungen im Freien größte Chancen gibt.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Christiane Lenhardt

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Erstellt:
8. April 2021, 09:30 Uhr
Lesedauer:
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