Festspielhaus hofft auf Spielstart zu Pfingsten

Baden-Baden (cl) – Die Osterfestspiele der Berliner Philharmoniker sind fraglich. Das Festspielhaus Baden-Baden rechnet frühestens mit den Pfingstfestspielen und einem Neumeier-Ballett Ende Mai.

Häufiger Gast im Festspielhaus: Yannick Nézet-Séguin, hier beim Proben in Baden-Baden in einem früheren Jahr, soll den Beethoven-Zyklus im Juli dirigieren. Foto: Julia Wesely/Festspielhaus

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Häufiger Gast im Festspielhaus: Yannick Nézet-Séguin, hier beim Proben in Baden-Baden in einem früheren Jahr, soll den Beethoven-Zyklus im Juli dirigieren. Foto: Julia Wesely/Festspielhaus

Wann die Kulturveranstalter in Deutschland wieder loslegen können, ist derzeit mehr als unsicher. Das Land Baden-Württemberg gab im Konzert der anderen Bundesländer zuletzt Mitte Januar die Zielmarke für seine Staatstheater vor: nicht vor Ende März öffnen zu wollen. Daran orientieren sich auch die anderen Theater und Konzerthäuser. Das Festspielhaus Baden-Baden plant große Oper und Festivals mit Puffer – und konkreter erst für den Sommer. Es soll voraussichtlich Pfingstfestspiele Ende Mai geben, Sommerfestspiele und ein Brahms-Festival im September, wie gestern bekannt gegeben wurde. Eine Open-Air-„Tosca“ des Mariinsky-Theaters St. Petersburg Ende Juli ist als kostenloser Live-Stream im Kurpark oder in der Lichtentaler Allee vorgesehen.
„Ich hoffe und bete inständig, dass wir im Sommer dieses Jahres, wenn in Baden-Baden wieder alles blüht und gedeiht, wenn wir hoffentlich wieder Gastronomie haben und die Straßen wieder voll sind, wir als Festspielhaus wieder einen Teil dazu beitragen können – wir wollen natürlich wieder präsent sein“, erklärte Festspielhaus-Intendant Benedikt Stampa. „Ich hätte nie gedacht, dass wir über Ostern 2021 immer noch über die Pandemie reden müssen, das ist ein Total-Damage“, fügte er hinzu.
Ob die Osterfestspiele der Berliner Philharmoniker Ende März/Anfang April stattfinden können, ist noch offen. Das Festspielhaus sei mit Kirill Petrenko, dem Chefdirigenten der Berliner, darüber noch im Gespräch. Endgültig will man sich erst in den kommenden zwei Wochen dazu äußern – sofern das Land sein Ok für Ende März gibt –, ob man zu Ostern etwas anbieten könne. Aber es ist mehr als fraglich. „Deutschland nimmt nach wie vor eine Sonderrolle im europäischen Kontext ein, denn in anderen Ländern haben Theater und Gastronomie, trotz höherer Fallzahlen, zum Teil geöffnet – aber ich bin nach wie vor grundoptimistisch“, so Stampa. Das Mariinsky-Theater spiele bereits wieder vor vollen Sälen und habe auch vor zwei Wochen ein Gastspiel in Spanien gegeben. Mehr oder weniger verlässliche Planungen fürs Festspielhaus könnten höchstens für den Frühsommer gemacht werden. Es werde daher auch für die kommende Spielzeit weder einen weit vorausschauenden Saisonplan noch das gewohnte „rote Spielzeitheft“ geben.

Festspielhaus-Chef Stampa: „Brauchen mindestens 500 Besucher pro Aufführung“


„Wir müssen uns so spät wie möglich und so früh wie nötig der jeweiligen pandemischen Situation anpassen und sind sehr froh, dass alle Künstlerinnen und Künstler voller Feuereifer mitziehen“, so Intendant Stampa. Er machte gestern auch deutlich, dass für den 2.500-Plätze-Saal des Festspielhauses eine Besucherzahl von mindestens 500 zahlenden Gästen notwendig sei. „Alles andere ist nicht wirtschaftlich“, sagte der Intendant. Öffnungsszenarien in Hundertschritten, beginnend bei zunächst 100 zahlenden Zuschauern für die Theater, wie sie das Land überlege, seien fürs Festspielhaus nicht darstellbar. Auch der Elbphilharmonie in Hamburg und der Liederhalle in Stuttgart gehe es ähnlich. Stampa wies in diesem Zusammenhang auf die bereits im Herbst 2020 erprobten Hygienekonzepte und die Lüftungsanlagen, die ein Ansteckungsrisiko minimierten, auch Studien, wie die jüngste des Konzerthauses Dortmund, hätten das gezeigt. Dennoch sei klar: „Wir müssen sichtbar bleiben, dürfen nicht überbordend werden und wollen wirtschaftlich überleben“, sagte der Festspielhaus-Intendant. Große eigene Operninszenierungen seien auch mit 500 Besuchern nicht zu stemmen.

Open-Air in der Lichtentaler Allee mit St. Petersburger „Tosca“ auf der Leinwand geplant


Doch zu den Sommerfestspielen soll es, wenn es die Entwicklung der Pandemie zulässt, das Gastspiel des Mariinsky-Theaters geben. „Wir halten an unseren Plänen fest, Giacomo Puccinis Oper ,Tosca‘ zu zeigen, und wir planen auch, eine der Vorstellungen als kostenlosen Live-Stream in den Kurpark oder in die Lichtentaler Allee zu übertragen, um dort mit möglichst vielen Menschen die Oper in Baden-Baden wieder willkommen zu heißen“, so Stampa. Als Termin für dieses italienische Opernfest ist Sonntag, 25. Juli, angedacht.
Außerdem wird, wenn alles gut geht, das Beethoven-Jubiläum in Baden-Baden weiter gefeiert: Wie schon beim Saisonauftakt im Herbst soll das Hamburg Ballett die Pfingstfestspiele (13.-24. Mai) mit einer neuen Choreografie von John Neumeier zusammen mit dem SWR Symphonieorchester prägen, geplant ist ein coronagemäßes „Beethoven-Projekt II“; der Choreografie liegen Passagen aus dem Oratorium „Christus am Ölberge“ sowie die siebte Sinfonie Ludwig van Beethovens zugrunde. Die Uraufführung des Werks ist für April in Hamburg geplant. Der Musikchef der New Yorker Metropolitan Opera, Yannick Nézet-Séguin, dirigiert Anfang Juli in Baden-Baden sämtliche Beethoven-Sinfonien. Statt der New Yorker, die durch die Pandemie in eine wirtschaftliche Krise geraten sind und derzeit nicht auf Gastspielreise gehen können, wird das Chamber Orchestra of Europe auftreten. Die Deutsche Grammophon will den Zyklus aufzeichnen und herausbringen. Auch die Brahmstage der Brahmsgesellschaft werden mit einem Konzert mit den Münchner Philharmonikern, dem Pianisten Igor Levit und Dirigent Valery Gergiev, im Festspielhaus im September mitgestaltet.


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