Festspielhaus hofft auf neue Corona-Verordnung

Baden-Baden (cl) – Wie geht es weiter mit dem ausgelaufenen Modellprojekt Festspielhaus Baden-Baden? Momentan wird dort mit maximal 500 Zuschauern pro Aufführung geplant, auch für den Herbst.

Als Teil eines Modellprojekts von 18 Kultur- und Freizeiteinrichtungen in Baden-Württemberg hat das Festspielhaus die optimale Lenkung von Besucherströmen in Pandemiezeiten getestet. Ob es im Herbst einen neuen Modellversuch gibt, könnte sich im August entscheiden.  Foto: Uli Deck/dpa

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Als Teil eines Modellprojekts von 18 Kultur- und Freizeiteinrichtungen in Baden-Württemberg hat das Festspielhaus die optimale Lenkung von Besucherströmen in Pandemiezeiten getestet. Ob es im Herbst einen neuen Modellversuch gibt, könnte sich im August entscheiden. Foto: Uli Deck/dpa

Mit Modellversuchen an 18 Kultur- und Freizeiteinrichtungen hat Baden-Württemberg die optimale Lenkung von Besucherströmen in Pandemiezeiten getestet. Einige Modellprojekte der Bühnen sind mit Ende der Spielzeit 2020/21 ausgelaufen. Die Württembergischen Staatstheater Stuttgart gehören dazu – auch die Sonderregelung fürs Festspielhaus Baden-Baden war nur bis Ende Juli vorgesehen. Im 2.500-Plätze-Haus waren demnach zum Neustart Anfang Juli Konzerte vor mindestens 500 Besuchern erlaubt, zuletzt durfte das Festspielhaus im Rahmen des Modellprojekts pro Veranstaltung bis zu 800 Besucher einlassen.

„Wir haben unser Modellprojekt bereits ausgewertet und unseren Abschlussbericht an das Ministerium für Soziales und Gesundheit weitergegeben, dieser fließt nun ein in die Auswertung aller Modellprojekte des Landes und wird bei der Beratung für eine neue Landesverordnung berücksichtigt“, sagte der Kommunikationsdirektor des Festspielhauses, Rüdiger Beermann, im BT-Gespräch. Im Laufe des Augusts könne wohl mit einem Ergebnis der Beratung gerechnet werden – und zu hoffen sei, dass im Sinne der Veranstaltungsbranche erlaubt werde, ab Herbst wieder mehr Besucher als momentan einzulassen.

Bei der Sommerkonzertreihe „En Suite“ plant das Festspielhaus im eigenen Saal nun entsprechend der Inzidenzzahl mit 500 Besuchern. In die kleineren Säle, ins Kulturhaus LA8 am kommenden Samstag sowie im Malersaal des Hotels Messmer am Sonntag, dürfen entsprechend der Raumgröße nur zwischen 60 und 80 Besucher zugelassen werden. Sofern der aktuelle Inzidenzwert für Baden-Baden im August noch unter 35 bleibe, schießt er über 35, so dürfte das Festspielhaus beim Klavierkonzert von Daniil Trifonov (20.8.) und bei den Konzerten von Mischa Maisky eine Woche drauf nur 250 Gäste im eigenen Haus zulassen.

Ötigheimer Modellversuch läuft bis Ende August

Ähnlich jonglieren muss Deutschlands größtes Opern- und Konzerthaus momentan noch beim Vorverkauf für die Herbstsaison, die am 25. September mit den Münchner Philharmonikern unter Valery Gergiev und Anfang Oktober mit dem verlängerten Gastspiel von John Neumeiers Hamburg Balletts startet – momentan wird auch mit 500 Tickets pro Abend geplant. „Deswegen ist bereits vieles ausverkauft“, so Beermann. „Wir führen aber Wartelisten, um bei einer entsprechenden neuen Landesverordnung die Saalpläne erweitern zu können.“ Derzeit würden auch viele Gutscheine, die für ausgefallene Vorstellungen zwischen Mai und Juli 2020 ausgegeben wurden, berücksichtigt. Fällig seien sie bis 2022. Auch wenn viele bereits bezahlte Karten für stornierte Konzerte gespendet oder bereits getauscht wurden, das Festspielhaus schiebt ein enormes Konvolut an Kartenansprüchen vor sich her.

Bei den Ötigheimer Volksschauspielen läuft das Modellprojekt nach Auskunft von Lukas Tüg, Vorsitzender Ausschuss Öffentlichkeitsarbeit, über die ganze Sommersaison weiter – nur die Aufzeichnungspflicht sei auf die ersten zwei Wochen beschränkt gewesen. Bis Ende August dürfen jeweils 875 Zuschauerplätze besetzt werden. „Auch unsere Aufzeichnungen sind für die neue Landesverordnung relevant“, erklärte Tüg. Beim Eingang zur Freilichtbühne müssten aktuell nicht einmal mehr die Nachweise der drei Gs (geimpft, genesen, getestet) überprüft werden, die Maskenpflicht entfällt an den Plätzen – outdoor wird die Ansteckungsgefahr geringer bewertet.

Appell der Kinobranche an Bundesregierung

Eine Tendenz, so Festspielhaus-Kommunikationsdirektor Beermann, habe sich bei einer hausinternen kleinen Umfrage unter den Klassikbesuchern gezeigt: „Sehr, sehr viele haben sich angesichts der Corona-Maßnahmen sehr wohl gefühlt.“ In diesem Sinne erhoffe sich die Veranstaltungsbranche generell, dass es bald eine einheitliche bundesweite Regelung gibt, die auch neue Erkenntnisse über Ansteckungsgefahren berücksichtigt. Dies hat auch ein Offener Brief der Kinobranche und der Filmverleiher an die Bundesregierung gestern deutlich gemacht, der auf die nach wie vor unsichere Lage der Kulturorte angesichts steigender Inzidenzen aufmerksam machen will; demgegenüber stünden die fortschreitende Impfung und die entspanntere Situation in den Kliniken. Immer noch sei offen, welche Maßnahmen und Regelungen zur Eindämmung der Pandemie in den nächsten Monaten gelten sollen. Die Kulturbranche habe erneut mit Planlosigkeit und Unsicherheit zu kämpfen – und weiteren negativen wirtschaftlichen Folgen. Dabei sei erwiesen, dass die Hygienekonzepte greifen würden. Das sei unverständlich, moniert die Kinowirtschaft.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Christiane Lenhardt

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Erstellt:
5. August 2021, 22:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 59sec

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