Festspielhaus stärkt den Festspiel-Zyklus

Baden-Baden (cl) – Der Festspiel-Zyklus wird gestärkt: Das Festspielhaus Baden-Baden hat das Programm für Herbst vorgelegt. Es gibt erweiterte Herbstfestspiele, und die Berliner Philharmoniker kommen.

Ein John-Neumeier-Festival wird es Anfang Oktober im Festspielhaus geben: Das Hamburg Ballett tanzt unter anderem den „Tod in Venedig“, auch junge Choreografen sollen eine Chance erhalten.  Foto: Ulrich Perrey/dpa

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Ein John-Neumeier-Festival wird es Anfang Oktober im Festspielhaus geben: Das Hamburg Ballett tanzt unter anderem den „Tod in Venedig“, auch junge Choreografen sollen eine Chance erhalten. Foto: Ulrich Perrey/dpa

„Wir wollen mutig in den Herbst gehen“, hat Benedikt Stampa, der Intendant des Festspielhauses Baden-Baden, bei der jüngsten Vorstellung des Programms fürs zweite Halbjahr erklärt. Auch das rote Spielplanheft ist wieder aufgelegt worden, halb so dick wie gewohnt, aber immerhin. In 50 Veranstaltungen sollen von Ende September bis Silvester die großen Namen der Klassikwelt wieder gastieren von Igor Levit, Elina Garanca, Annette Dasch bis Klaus Florian Vogt (Letztere im Silvesterkonzert).

Auch die Berliner Philharmoniker, deren Oster- wie Maifestspiele Corona auch in diesem Jahr zum Opfer gefallen sind, haben einen Ausweichtermin im November angeboten. Dann wird es zwei konzertante Aufführungen der ausgefallenen Tschaikowsky-Oper „Mazeppa“ unter der Leitung von Kirill Petrenko geben: mit zwei Aufführungen am 10./11. November, davor gibt es zwei Konzerte (6./7.11.).

„Wir werden sicher immer noch auf die Inzidenzen schauen müssen“, so Stampa, „wollen aber mit Optimismus in die Zukunft schauen und hoffen, dass wir das Programm so umsetzen können, wie geplant.“ Geplant wird zunächst mit 500 Besuchern pro Aufführung, falls die Inzidenzen es erlauben, können es auch mehr werden. Momentan darf das Festspielhaus bis zu 1.000 Zuschauer empfangen, aber der Status „Modellprojekt“ des Landes Baden-Württemberg läuft Ende Juli aus. „Wir hoffen, dass wir nach dem Modellprojekt in ein Strukturprogramm des Landes hineinkommen, dann könnten wir bis Dezember mehr Sicherheit haben, was die Zuschauerzahl anbelangt“, so Stampa. Alle Theater bräuchten auch für ihre Planungen im Jahr 2022 verlässlichere Zahlen von der Politik. Aber darüber sei man mit dem Land in guten Gesprächen.

Das Festspielhaus baut bereits an seiner Zukunft: Die Festspiele ausbauen und Baden-Baden als Festspielstandort stärken, ist das mittelfristige Ziel der Festspielhaus-Leitung – wenn es heißt „Brücken der Hoffnung in die Zukunft zu bauen“. Diese festspielwürdige Stärkung des Programmangebots – „wir sind ja kein Grundversorger“, so Stampa – soll das bald 25-jährige Haus auch in die nächsten Dekaden führen.

Die Herbstfestspiele sollen zusammen mit dem renommierten deutschen Dirigenten Thomas Hengelbrock, der dem Festspielhaus seit Beginn eng verbunden ist, weiterentwickelt werden. Er will auch junge Dirigenten dabei einbeziehen und fördern.

Mit Kammermusik durch den August

Die diesjährigen Herbstfestspiele (21. Oktober bis 1. November) sollen einen Mozart-Schwerpunkt erhalten mit der konzertanten „Idomeneo-Aufführung“. Und mit dem Dirigentenstar Teodor Currentzis werden die Festspiele um Allerheiligen noch einen weiteren Höhepunkt haben. Der Grieche dirigiert das Fauré-Requiem an zwei Tagen am Pult seiner Ensembles Music-Aeterna.

Von Oktober bis Weihnachten wird es ebenfalls einen Tanzschwerpunkt geben. Mit einem ausgedehnten John-Neumeier-Festival beginnt er Anfang Oktober im Festspielhaus: Das Hamburg Ballett wird wie gewohnt zwei Choreografien des US-Amerikaners zeigen („Tod in Venedig“, „Sommernachtstraum“) und seine Ballett-Werkstatt – hinzu kommen auch junge Choreografen oder Tanzgäste, denen Neumeier künftig während seiner Herbst-Residenzen in Baden-Baden eine Plattform an anderen Spielorten der Stadt bieten will. Zum Auftakt tanzt die ehemalige Primaballerina Alessandra Ferri von der Mailänder Scala mit dem Starsolisten Carsten Jung vom Hamburg Ballett im Theater (2.10.).

Und zu Weihnachten gastiert wieder das Mariinsky-Ballett samt Orchester. Unter der musikalischen Leitung von Valery Gergiev wird auch diese Ballett-Repräsentanz (17. bis 26. Dezember) erweitert durch einen Konzertschwerpunkt.

Die sechswöchige Sommerpause nach dem kommenden Konzertwochenende will das Festspielhaus nicht nur zur Regeneration nutzen – „es waren harte 16 Monate seit dem ersten Lockdown im März 2020“, so der Intendant –, sondern auch wieder, um sein sommerliches Kammermusik-Festival „En suite“ (7.8.-29.8.) neu aufzulegen mit Daniil Trifonov und Mischa Maisky – im Festspielhaus und in weiteren schönen Sälen der Stadt.

Stadt plant 2021 Zuschuss – Land unterstützt 2022

Das privat betriebene Festspielhaus Baden-Baden hat 2020/21, abgesehen von den Sommerfestspielen, rund ein Jahr lang nicht spielen können und bekommt eine große Unterstützung durch die Freunde, Förderer und Stifter. Über 100.000 Zuschauer hätten ihre nicht eingelösten Karten aus dem Vorverkauf gespendet, so Intendant Benedikt Stampa – und weitere Hilfe käme hinzu.

Vor allem aber hat Deutschlands größtes Opern- und Konzerthaus erhebliche finanzielle Unterstützung durch das Land Baden-Württemberg und die Stadt Baden-Baden bekommen. Die Stadt hat im Juni 2020 die Immobilie Festspielhaus für 18,4 Millionen Euro erworben, und darüber hinaus kommt sie zusammen mit dem Land für die jährlichen Betriebskosten der Immobilie auf. Ferner hat der Gemeinderat 2020 noch zugesichert, dass die Stadt sich für ihr Haus weiterhin maßgeblich engagiert. Angesichts der Corona-Notlage gab die Stadt bereits für das Jahr 2020 zwei Millionen Euro an die Kulturstiftung für den Betrieb des Festspielhauses und will auch in diesem Jahr die gleiche Summe beisteuern. Der Gemeinderat wird sich am kommenden Montag mit dem Thema befassen, „um den Veranstaltungs- und Geschäftsbetrieb sicherzustellen“, heißt es in der Sitzungsvorlage. Laut einer Kalkulation der Geschäftsführung des Festspielhauses werde auch für 2021 mit einem Fehlbetrag von rund drei Millionen Euro gerechnet, so die Vorlage.

„Eine gute Nachricht“ für 2022, das ebenfalls wegen der schwer einzuschätzenden Corona-Lage ein finanziell schwieriges werden wird, kündigte der Intendant an: Das Land habe einen festen Zuschuss von bis zu zwei Millionen Euro zugesagt. „Bisher, kann man sagen, sind wir mit einem blauen Auge davongekommen“, so Stampa.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Christiane Lenhardt

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Erstellt:
22. Juli 2021, 22:00 Uhr
Lesedauer:
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