Festspielhaus startet mit Neumeiers Corona-Ballett

Baden-Baden (cl) – Das Festspielhaus eröffnet am Donnerstag seine neue Saison mit dem Hamburg Ballett und John Neumeiers „Ghost Light“. Es handele von der Bühne und der Liebe zum Tanz, sagt Neumeier.

„Das war eine total bewegende Erfahrung“: John Neumeier spricht über sein Corona-Ballett, mit dem am Donnerstag die Spielzeit im Festspielhaus eröffnet wird.  Foto: Georg Wendt/dpa

© dpa

„Das war eine total bewegende Erfahrung“: John Neumeier spricht über sein Corona-Ballett, mit dem am Donnerstag die Spielzeit im Festspielhaus eröffnet wird. Foto: Georg Wendt/dpa

Die enge Verbindung des Hamburg Balletts zum Festspielhaus Baden-Baden hält Ballettchef John Neumeier auch in Corona-Zeiten hoch, seit 22 Jahren gastiert die Compagnie alljährlich an der Oos – und so sollte es auch heuer sein. Für ihn sei klar gewesen: „Egal, welche technische Reduzierung nötig sein wird, wir werden hierher kommen und hier tanzen“, erklärte der sichtlich gerührte Hamburger Ballettintendant John Neumeier am Dienstag beim Gespräch über sein neues Ballett „Ghost Light“ in Baden-Baden.
Es entstand Mitte Mai. „Das war eine total bewegende Erfahrung“, schilderte der US-Choreograf – wie er in zehn Kleingruppen aus sechs, bis sieben Tänzern mit Eifer an die Arbeit ging. „Wir haben das Glück, dass wir im Ensemble viele miteinander liierte Paare haben“ – genau genommen seien es zehn, und sie dürften regelkonform miteinander auf der Bühne tanzen. „Ghost Light“ wird am Donnerstag, 8. Oktober, die Spielzeit im Festspielhaus eröffnen – und bis 11. Oktober viermal aufgeführt. Die Vorstellungen sind weitgehend ausverkauft, denn gemäß der Corona-Regeln des Landes Baden-Württemberg sind jeweils lediglich 500 Zuschauer zugelassen.
Das „Geisterlicht“ knüpft an die Tradition des amerikanischen Theaters an, wo nach Proben und Aufführungen jeden Abend eine Glühbirne angezündet wird und die ganze Nacht brennt – bis sich die Bühne wieder mit Leben erfüllt. Noch zu Gaslicht-Zeiten sollten so die Geister verstorbener Schauspieler ihr „Bühnenlicht“ bekommen, damit sie keine Vorstellungen störten. Für Neumeier ist „Ghost Light“ wie „das ewige Licht in der Kirche – ein Funken Hoffnung.“ Sein Ballett-Thema sei aber die Bühne selbst und der Mensch, der auf ihr agiere, seine Isolation, Einsamkeit, aber auch die Liebe, insbesondere die Liebe zur Kunst.

David Klay interpretiert Schubert-Klavierstücke live

55 Tänzerinnen und Tänzer treten nun in den vier Aufführungen im Festspielhaus abwechselnd in Solostücken und Pas de deux zur Musik von Franz Schubert auf. Der französische Pianist David Fray begleitet die Klavierstücke live. Auch die „Ballett-Werkstatt“ am kommenden Sonntag wird sich um „Ghost Light“ drehen.
In Hamburg wird danach am neuen „Beethoven-Projekt II“ geprobt, denn Corona vereitelt das geplante Jubiläumsstück zum 250. Geburtstag des Komponisten. Neumeier beschäftigt sich intensiv mit Infektiologie und hat viele Konzepte studiert, wie er am Dienstag bekannte: Das Corona-Konzept des Stuttgarter Balletts sei für ihn überzeugend. Da dürften zwei Menschen, die nicht in einer Beziehung miteinander stünden, zusammen tanzen. In Baden-Württemberg würden die Tänzer unter den Corona-Regeln wie Sportler betrachtet. „Wir werden versuchen, unsere Tänzer zu testen, damit wir das geplante Repertoire probieren können“ , sagte Neumeier.

Zum Artikel

Erstellt:
7. Oktober 2020, 08:15 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 19sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.