Festspielhaus trennt sich „bis auf weiteres“ von Gergiev

Baden-Baden (BNN) – Der Krieg in der Ukraine betrifft auch das Programm im Festspielhaus Baden-Baden: Die Zusammenarbeit mit dem russischen Stardirigenten Valery Gergiev ist aufgekündigt.

Das Festspielhaus Baden-Baden stellt die Zusammenarbeit mit dem russischen Dirigenten Valeri Gergiev ein. Foto: Andreas Gebert/dpa

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Das Festspielhaus Baden-Baden stellt die Zusammenarbeit mit dem russischen Dirigenten Valeri Gergiev ein. Foto: Andreas Gebert/dpa

Nach mehreren anderen internationalen Kulturinstitutionen stellt auch das Festspielhaus Baden-Baden die Zusammenarbeit mit dem Stardirigenten Valery Gergiev ein.

Dies erfolge „bis auf weiteres“ laut einer vom Stiftungsvorstand der Kulturstiftung Festspielhaus Baden-Baden und der Intendanz gemeinsam getroffenen Entscheidung, heißt es in einer Pressemitteilung.

Den Ausschlag gegeben habe die „mangelnde Distanz von Herrn Gergiev zum aktuellen menschenverachtenden Vorgehen des russischen Präsidenten“ wird Intendant Benedikt Stampa in der Mitteilung zitiert.

„Wir vertreten offensichtlich nicht mehr die gleichen Werte.“ Es schmerze „uns sehr, dies mitteilen zu müssen“, so der Intendant. Er habe dem Dirigenten die Gelegenheit gegeben, sich zu äußern. Darauf sei keine Reaktion erfolgt.

Sofortige Entlassung in München

Ähnlich ist die Lage in München. Dort hat Gergiev am Dienstag seinen Posten als Chefdirigent der Münchner Philharmoniker verloren, den er seit 2015 innehatte.

Der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) hatte am Freitag erklärt, wenn Gergiev sich nicht bis Montag von Putin und dessen Angriffskrieg auf die Ukraine distanziere, könne er nicht weiter Chefdirigent des Orchesters sein. Am Dienstag erfolgte die Entlassung mit sofortiger Wirkung.

Auch mehrere Konzert- und Opernhäuser haben Termine mit Gergiev abgesagt, darunter die Mailänder Scala und die Elbphilharmonie Hamburg. Gergiev, der seit 1996 das traditionsreiche Mariinsky-Theater St. Petersburg leitet, war auch in der Vergangenheit für seine Nähe zu Putin kritisiert worden, allerdings ohne merkliche Auswirkungen auf seine Engagements.

Gergiev ist Baden-Baden eng verbunden

Dem Festspielhaus Baden-Baden war Gergiev seit dessen Gründung eng verbunden. Im Frühjahr 1998 war er als Dirigent des Eröffnungskonzerts für den kurz zuvor verstorbenen Sir Georg Solti eingesprungen. Im Spätsommer hatte er mit einer „russischen Woche“ das vor der Pleite stehende Haus gerettet.

Mit dem von ihm geleiteten Mariinsky-Theater St. Petersburg hat er regelmäßig in Baden-Baden gastiert und dort zahlreiche Opern und Konzerte dirigiert. Zuletzt leitete er im September 2021 ein Konzert mit dem russischstämmigen Pianisten Igor Levit.

Gespräch mit Anna Netrebko wird gesucht

Die nächsten Konzerte mit Gergiev, die nun gestrichen wurden, wären für Ende Juli angesetzt gewesen. Deutlich früher, nämlich bereits am 13. April, soll bei einem Konzert der Berliner Philharmoniker im Rahmen der Osterfestspiele die russische Sopranistin Anna Netrebko auftreten.

Im Vorfeld dieses Termins soll laut Mitteilung des Festspielhauses ein Gespräch mit der Solistin stattfinden, in dessen Verlauf sie die Gelegenheit erhält, Fragen zu beantworten. Benedikt Stampa wird hierzu wie folgt zitiert: „Wir wissen um die Gefahr, in der sich viele Personen des öffentlichen russischen Lebens gerade befinden, und behalten uns alle Optionen vor.“

Weiter heißt es, der Festspielhaus-Intendant wolle der russischen Musik und russischen Künstlerinnen und Künstlern in Baden-Baden weiterhin ein internationales Podium bieten. „Wir feiern im Rahmen der Osterfestspiele die Komponisten Peter Tschaikowsky und Igor Strawinsky“, so Stampa. „Damit übernehmen wir und alle ausführenden Künstlerinnen und Künstler Verantwortung für das friedliche kulturelle Miteinander in West- und Osteuropa.“

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Ihr Autor

BNN-Redakteur Andreas Jüttner

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Erstellt:
1. März 2022, 14:24 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 39sec

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