Feuervogel: Ungenügende finanzielle Lage

Rastatt (BT) – Der Verein Feuervogel engagiert sich seit 25 Jahren gegen sexuellen Missbrauch, auch mit einer Beratungsstelle. Das Geld ist knapp, der Verein wünscht sich mehr öffentliche Förderung.

Sexueller Missbrauch: Der Beratungsbedarf steigt auch im Landkreis Rastatt, doch die Beratungsstelle Feuervogel sieht sich finanziell nicht ausreichend unterstützt. Foto: Silas Stein/dpa

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Sexueller Missbrauch: Der Beratungsbedarf steigt auch im Landkreis Rastatt, doch die Beratungsstelle Feuervogel sieht sich finanziell nicht ausreichend unterstützt. Foto: Silas Stein/dpa

Der Verein Feuervogel hat in seiner jüngsten Mitgliederversammlung einen neuen Vorstand gewählt. Iris Fürst und Lucia Aberle hatten den Verein in schwierigen Zeiten sehr gut geführt, heißt es dazu in einer Pressemitteilung. Neue Sprecherinnen des Vereins sind Sibylle Wienk-Borgert und Olga Anissimowa, die Funktion der Kassiererin konnte nicht besetzt werden.
Neu eingerichtet wurde ein Betroffenenbeirat, namentlich mit Maria Andrea Winter, die als Betroffene ihr Erfahrungswissen und ihr jahrzehntelanges Engagement in der Selbsthilfe einbringen könne.

Der Tätigkeitsbericht des Vereins Feuervogel mit seiner spezialisierten Fachberatungsstelle gegen sexualisierte Gewalt in Kindheit und Jugend und der Selbsthilfegruppe „Lotusblüte“ zeigt sein breites Aufgabenspektrum. Obwohl coronabedingt im vergangenen Jahr viele Präventionstermine mit Kindern und Jugendlichen ausgefallen sind, konnten die Mädchen und Jungen in Kooperation mit der Schulsozialarbeit mit Überraschungspäckchen, befüllt mit Präventionsmaterialien, wenigstens zu einem Teil erreicht werden.

Gerade in Zeiten, als Kinder wenig in der Schule und im Verein präsent waren, war es den Vereinsmitgliedern wichtig, Eltern, Ehrenamtliche im Verein und Fachkräfte zum Beispiel in den Kindertagesstätten zu informieren und fortzubilden. Die Öffentlichkeitsarbeit mit regelmäßigen Presseartikeln und der Plakataktion „Kein Kind alleine lassen“ waren weitere Aktionen, um auf das pandemiebedingte erhöhte Gefährdungspotenzial aufmerksam zu machen.

Das Projekt „Mädchen(t)räume“, gefördert durch das Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration aus Mitteln des Landes Baden-Württemberg, konnte trotz Corona zum einen in Form einer Mädchengruppe und als Theater-AG unter der Regie von Jacqueline Frittel umgesetzt werden.

Auf Spenden angewiesen


Auch das Angebot der fachspezifischen Beratung und Einzelfallhilfe konnte die Fachberatungsstelle aufrechterhalten. Die Selbsthilfegruppe konnte sich nur eingeschränkt in Präsenz treffen, der Kontakt wurde über die sozialen Medien von den Frauen der Gruppe untereinander gehalten. Sie konnten so Ansprechpartnerinnen in schwierigen Situationen sein. Im Kassenbericht wurde deutlich, dass im vergangenen Jahr zwar durch zahlreiche Spenden die Arbeit der Beratungsstelle zunächst stabilisiert wurde, auf lange Sicht der Verein aber ohne ausreichende öffentliche Förderung seine vielfältigen Aufgaben nicht bewältigen kann, heißt es in der Mitteilung.

Die neuen Vorsitzenden äußerten sich sehr betroffen über die aktuell ungenügende finanzielle Situation, in der der Verein seine gesellschaftlich wertvolle und notwendige Arbeit leiste. „Wir werden zusammen mit einem engagierten Team darauf aufmerksam machen, dass die spezialisierte Fachberatungsstelle unbedingt einen gesicherten finanziellen Arbeitsrahmen erhalten muss. Mit dem Wissen, dass jedes zehnte Kind von Missbrauch betroffen ist, wird doch deutlich, wie notwendig es eine ausreichende Finanzierung durch Stadt und den Landkreis braucht, um für die Opfer und sekundär Betroffenen weiterhin ein so professionelles Beratungsangebot aufrechtzuerhalten. Es kann nicht sein, dass nur durch Projektmittel und Spenden diese Personalstellen gesichert werden müssen.“

Der Verein erhält durch seine Arbeit in 25 Jahren große Wertschätzung aus den Institutionen und Verbänden. Die neue Sprecherin Sibylle Wienk-Borgert betont: „Ein so großer Landkreis wie Rastatt kann stolz darauf sein, auf so gut vernetzte und erfahrene Expertinnen zurückgreifen zu können. Gerade Schulen, Kitas und auch andere Institutionen und natürlich die Betroffenen selbst brauchen dringend eine kompetente und spezialisierte Anlaufstelle, die sie bei einem Missbrauchsfall, aber auch schon bei der Erstellung eines Schutzkonzeptes und in der Präventionsarbeit berät und unterstützt. Dies zu gewährleisten, ist wirklich eine politische Aufgabe“.

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Erstellt:
10. Oktober 2021, 11:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 38sec

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