Feuerwehr Bühl hilft sich mit Stufenkonzept

Bühl (BNN) – Mit einem Stufenkonzept bereitet sich die Feuerwehr Bühl auf größere Personalausfälle vor, um trotz Omikron-Welle einsatzfähig zu bleiben. Auch die Polizei hat Vorkehrungen getroffen.

Auf dem Weg zum Einsatzort: Die Feuerwehr im Landkreis Rastatt hat ein Stufenkonzept entwickelt, um trotz der Omikron-Welle einsatzfähig zu bleiben. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

© Julian Stratenschulte/dpa/Symbolbild

Auf dem Weg zum Einsatzort: Die Feuerwehr im Landkreis Rastatt hat ein Stufenkonzept entwickelt, um trotz der Omikron-Welle einsatzfähig zu bleiben. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Die Omikron-Welle rollt und wird mit jedem Tag stärker. Am Sonntagmorgen meldete das Robert Koch-Institut 85.440 neue Corona-Fälle in Deutschland, die bundesweite Sieben-Tages-Inzidenz stieg auf 806,8. Im Landkreis Rastatt lag sie am Samstag bei 1.054,3 und im Stadtkreis Baden-Baden bei 1.096,5. Immer mehr positiv getestete Menschen, die wegen Erkrankung oder Quarantäne nicht arbeiten können – das bereitet nicht nur der Wirtschaft Sorgen, vor allem die „kritische Infrastruktur“ rückt in den Mittelpunkt. Dazu zählen etwa Kliniken oder Ver- und Entsorgungsunternehmen. Aber auch Einsatzkräfte wie Polizei und Feuerwehr sind Teil dieser Infrastruktur. Wie haben sie sich auf einen möglicherweise größeren Personalausfall vorbereitet?

„Wir gelten ja nicht erst seit Omikron als kritische Infrastruktur und sind in gewissen Dingen von jeher etwas vorsichtiger“, sagt der Rastatter Kreisbrandmeister Heiko Schäfer. Schon mit Beginn der Pandemie vor fast zwei Jahren habe die Feuerwehr besondere Hygieneregeln eingeführt, das Ausbildungskonzept verändert und je nach Lage einen Übungs-Lockdown verhängt. Weil Omikron aber ein anderes Gefährdungspotenzial besitzt, ist ein Stufenkonzept erarbeitet worden. Daran beteiligt waren neben Schäfer auch einige Kommandanten sowie sein Stellvertreter, der Bühler Kommandant Günter Dußmann. Das Konzept, so Schäfer, sei in der vergangenen Woche den Kommunen und Betrieben, die eine Werksfeuerwehr haben, zugestellt worden.

Bisher glimpflich davon gekommen

„Die kommunale Pandemie-Planung ein Stück weit zu konsolidieren und im Falle eines Falles die Lage richtig beurteilen zu können“, das ist das Ziel des Stufenkonzepts. Es beginnt mit dem Regelbetrieb, auf dem vier Eskalationsstufen aufbauen. Sie orientieren sich an den jeweiligen Ausfallquoten der Gemeinde- und Werksfeuerwehren. Darauf reagiert würde mit unterschiedlichen Maßnahmen von der Kompensation innerhalb der Feuerwehren über die Intensivierung der interkommunalen Zusammenarbeit bis hin zur fünften Stufe, dem schlimmsten anzunehmenden Fall: „Wenn in Teilen des Landkreises die Lage so schlimm ist, dass alle Kräfte an einem Ort als Grundschutz zusammengeführt werden – das ist der worst case“, sagt Schäfer. „Wir hoffen natürlich, dass es nicht so drastisch kommt.“

Insgesamt sei die Feuerwehr bislang glimpflich durch die Pandemie gekommen: „Natürlich hat es hier und da einzelne Infektionen gegeben.“ Die Einschränkungen seien aber ein Problem, bestätigt Schäfer. Es könne nicht geprobt werden wie gewohnt und notwendig, Leistungswettkämpfe fielen aus, und das Gemeinschaftsgefühl der Feuerwehrleute könne nicht so gelebt werden wie gewünscht, Online-Formate können das nicht vollständig ausgleichen.

„Vielzahl an Arbeitsschutzmaßnahmen ergriffen“

Auch das Polizeipräsidium Offenburg sieht sich bisher von der Pandemie nicht vor unlösbare Probleme gestellt: „Dies ist unter anderem der hohen Impfquote und dem professionellen Verhalten aller Mitarbeitenden zu verdanken“, sagt Pia Kammerer von der Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit. Bisherige Erkrankungen und Quarantänefälle hätten dank der Motivation des Personals gut kompensiert werden können.

Damit die Einsatzbereitschaft auch bei einer weiteren Ausbreitung des Corona-Virus gesichert ist, sei neben der Umsetzung allgemeiner Verhaltenshinweise „eine Vielzahl an besonderen technischen, organisatorischen und personenbezogenen Arbeitsschutzmaßnahmen ergriffen worden“. Jeder Mitarbeiter erhalte fünf Schnelltests pro Woche, persönliche Kontakte würden reduziert, Schichtwechsel sollen möglichst kontaktlos erfolgen, und wo es möglich sei, könne auch ins Homeoffice gewechselt werden.

Wie die Feuerwehr, so hat auch die Polizei schon gleich zu Beginn der Pandemie spezifische Ausfallkonzepte entwickelt, um die Funktionssicherheit der Polizei gewährleisten. „Diese werden bei Bedarf an neue Entwicklungen angepasst“, erklärt Pia Kammerer. Jede Dienststelle sei beauftragt, individuelle Schutzkonzepte sowie Personal- und Gebäudeausfallkonzepte zu erstellen. So verfüge auch das Polizeirevier Bühl ein auf die örtlichen Gegebenheiten angepasstes Konzept, das bei krankheitsbedingten Ausfällen das Vorgehen beschreibe. Dazu gehörten neben der individuellen Regelung von Bürobelegungen auch Änderungen der Arbeitszeitmodelle.

Das alles dient dazu, verlässlich zur Stelle sein zu können, bilanziert Kreisbrandmeister Heiko Schäfer: Ein ausgefallenes Konzert oder eine Sportveranstaltung könnten nachgeholt werden, „aber wenn es brennt, muss die Feuerwehr da sein“.

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Ihr Autor

Wilfried Lienhard

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Erstellt:
24. Januar 2022, 09:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 07sec

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