Feuerwehr-Versammlung auf Sparflamme

Gaggenau (fmb) – Die Gaggenauer Feuerwehr hat bei ihrer Jahreshauptversammlung auf zahlreiche gewohnte Tagesordnungspunkte verzichten müssen – sogar auf Ehrungen verdienter Kameraden.

Kreisbrandmeister Heiko Schäfer (von links) freut sich über die neuen Führungskräfte Andreas Schorpp und Sarah Riedinger und verabschiedet Wolfgang Becker zusammen mit dem Gaggenauer Feuerwehr-Chef Dieter Spannagel. Foto: Michael Bracht

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Kreisbrandmeister Heiko Schäfer (von links) freut sich über die neuen Führungskräfte Andreas Schorpp und Sarah Riedinger und verabschiedet Wolfgang Becker zusammen mit dem Gaggenauer Feuerwehr-Chef Dieter Spannagel. Foto: Michael Bracht

Das gab es noch nie bei der langjährigen Historie der Feuerwehr Gaggenau. Eine Jahreshauptversammlung ohne die Senioren- und Ehrenabteilung, ohne Jugend, ohne Gäste. Ebenso waren keine Tische in der Jahnhalle aufgebaut und selbst auf die obligatorische Verpflegung wurde verzichtet: nur Getränke aus Flaschen ... Ehrungen und Beförderungen wurden des Weiteren von der Tagesordnung gestrichen, wie auch die ganzen Fachberichte. Für die Versammlung wurde auch eigens ein Hygienekonzept erstellt.

Wolfgang Becker wurde als stellvertretender Kommandant (Funkrufname „Gaggenau 3“) verabschiedet. Altersbedingt musste er nach 15 Jahren Amtszeit auf eine erneute Kandidatur verzichten. Mit lang anhaltendem Applaus und stehenden Ovationen wurde Becker für seinen Einsatz für die Feuerwehr Gaggenau belohnt. Er selbst ulkte, dass sein Mindesthaltbarkeitsdatum nun überschritten sei. Michael Bracht schied als Schriftführer ebenfalls aus dem Gesamtausschuss aus. Er hatte das Amt 30 Jahre inne.

Kuriose Entenfamilien-Begleitung

Die Feuerwehr Gaggenau bestand Ende 2019 aus 308 Aktiven, 99 Jugendlichen, 12 Kinder und 83 Senioren. Im vergangenen Jahr wurde 249 Mal die Hilfe der Feuerwehr angefordert. Dabei konnten 29 Menschen aus lebensbedrohlichen Notlagen gerettet werden. Sechs Personen wurden leider nur noch tot geborgen. Die technischen Hilfeleistungen überwogen mit 119 Alarmierungen deutlich die 34 Brandeinsätze. Kuriosum dabei war die Begleitung einer Entenfamilie vom Rotherma zur Murg.

Um den Aufgaben gewachsen zu sein, legten die Floriansjünger großen Wert auf die Aus- und Weiterbildung. Besonders erwähnte der leitende Hauptbrandmeister Dieter Spannagel, dass sich sechs Angehörige der hiesigen Feuerwehr bei dem neu gegründeten Einsatznachsorgeteam des Kreisfeuerwehrverbandes Rastatt engagieren.

„Die Entscheidung, auf die Ehrungen zu verzichten, ist uns nicht leicht gefallen“, betonte Spannagel. „Der Schutz der Gesundheit aller, natürlich auch der zu Ehrenden, betrachten wir in diesem Jahr als deutlich wichtiger als eine umfassende Tagesordnung“, begründete er, warum man sich schweren Herzens dazu durchgerungen habe. Eine kurze Lage zur Kasse gab Kassierer Ullrich Rieger.

Andreas Schorpp neuer Stellvertreter

Bei der erforderlichen Neuwahl zum stellvertretenden Kommandanten konnte sich Andreas Schorpp (Bad Rotenfels) vor Ralf Krempel (Kernstadt) durchsetzen. Er wird nun für die nächsten fünf Jahre Spannagel zur Seite stehen und ihn unterstützen. Hierzu bekam er gleich von seinem Chef den Zweitschlüssel für den Kommandowagen überreicht. Sarah Riedinger (Kernstadt) wurde zur neuen Schriftführerin vor Andreas Fruhen (Ottenau) gewählt. So blieben die beiden Ämter jeweils in den Abteilungen ihrer Vorgänger.

Oberbürgermeister Christof Florus sprach einen „herzlichen Dank im Namen der Stadt, des Gemeinderats und der Bevölkerung für dieses besondere ehrenamtliche Engagement, auf das Sie alle wirklich stolz sein können“, aus. „Die Gaggenauer ABC-Einheit stand auf Landkreisebene ebenso ihren Mann wie die Gemeinschaft bei der Jugendfeuerwehr und bei den Alterskameraden.“ Glücklich sei ein Stadtoberhaupt, wenn er „behaupten kann: Unsere Feuerwehr mit ihren rund 500 Angehörigen ist eine Bank, wir können uns alle auf sie verlassen!“

Kreisbrandmeister Heiko Schäfer lobte das Engagement der Feuerwehr Gaggenau im Bezug auf die interkommunale Zusammenarbeit. Gerade im Bereich des Gefahrgutzuges, welcher im gesamten Landkreis tätig wird. Die markante Stimme von Becker werde er vermissen, weil er sich über Funk legendär stets mit „Hier Gaggenau 3“ meldete.

Becker und Bracht bedankten sich bei den Anwesenden für die jahrelange gute Zusammenarbeit und wünschten den Nachfolgern viel Erfolg in ihren neuen Ämtern.


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