Neue Übungsanlage – nicht nur für Baden-Badener Feuerwehr

Baden-Baden (fvo) – Möglichst realitätsnah üben im Heitzenacker: Zwischen der B500 und der Baumschule Lorberg entsteht derzeit eine Atemschutzübungsanlage für die Feuerwehren aus Stadt- und Landkreis.

Ein Hauch von Darkroom: Der künftige Käfigraum. Hier werden einige künstliche Stressfaktoren für die Träger der Atemschutzgeräte eingebaut. Foto: Franz Vollmer

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Ein Hauch von Darkroom: Der künftige Käfigraum. Hier werden einige künstliche Stressfaktoren für die Träger der Atemschutzgeräte eingebaut. Foto: Franz Vollmer

Schwarz, stickig und leicht beklemmend: So präsentiert sich der ominöse „Käfigraum“, jenes Herzstück der künftigen gemeinsamen Atemschutzübungsanlage der Feuerwehren von Stadt und Landkreis, die gerade im Heitzenacker zwischen B 500 und Baumschule Lorberg entsteht.

Trotz Hauch von Darkroom oder gar Geisterbahn dient das Ganze nicht der nervenkitzelnden Unterhaltung, sondern ausschließlich der Vorbereitung für den Ernstfall.

„Letztlich geht es darum, die Situationen, die man draußen vorfinden kann, möglichst realitätsnah nachzustellen“, erklärt Oliver Schmidt, einer der Projektleiter beim Rundgang durch die noch kahlen Räume. „Es geht um Situationen, die jederzeit im Alltag auftreten können“, ergänzt Antje Jung, beim Landkreis für Brand- und Katastrophenschutz zuständig.

Üben mit der „heißen Tür“

So sind neben diesen Simulationsräumen auch noch zusätzliche Elemente wie Garage, Wohnungseingang oder Treppenhaus im Übungsportfolio enthalten. Selbst eine sogenannte „heiße Tür“ gibt es. „Hier sind Heizschienen eingebaut“, erklärt Wachabteilungsführer Sascha Mundy, der die Umbaumaßnahmen betreut. „Die Größe der Anlage gibt ein solch breites Spektrum ja her“, erklärt Jung. Wobei lediglich der nördliche Teil, sprich rund ein Viertel des quadratisch angelegten Gebäuderiegels, genutzt wird. Der Rest des Gebäudes, das nach seiner Zeit als französische Funkstation vorübergehend als Zwischenlager für Theaterrequisiten und Kurzzeitbleibe für Covid-Patienten genutzt wurde, steht leer.

Herzstück der Anlage ist allerdings jener dunkle Raum mit dem Übungskäfig, der für die Träger des Atemschutzgerätes allerlei sportliche Schikanen und Hindernisse zum Klettern, Überwinden und Durchkriechen bereithält. „Hier werden einige künstliche Stressmomente in den Parcours eingebaut“, erklärt Schmidt, dazu gehören Störgeräusche, Nebel, aber auch Hitzequellen von bis zu 200 Grad. Aktuell werden gerade letzte Arbeiten an der Elektrik vollzogen.

Zuvor hat der Proband eine Art Fitnessraum zu durchlaufen, bei dem er via Arm-Ergometer oder Endlosleiter medizinisch quasi auf Herz und Nieren getestet wird, bevor er in den Käfigraum geht – mit dem ganzen Geraffel, bei dem allein schon das Atemschutzgerät 15 Kilo wiegt. „Komplett hat man da rund 30 Kilogramm am Mann beziehungsweise an der Frau“, erklärt Mundy. Weiterer Stressfaktor: An Atemluft stehen 1.600 Liter zur Verfügung, was im Ruhezustand zwar für 50 Minuten reicht, „bei Belastung sind es aber maximal 20 Minuten“, erklärt Jung. Da heißt es jederzeit den Rückzug im Blick haben.

Anfang Oktober soll Startschuss fallen

„Das Ganze ist quasi die TÜV-Prüfung für den Feuerwehrmitarbeiter“, erklärt Christian Pilardeaux, stellvertretender Leiter der Baden-Badener Wehr. Wobei zur Sicherheit auch ein Notfallraum eingerichtet ist. Räume für den Leitstand und für die Technik beziehungsweise Steuerung sowie Sanitärräume runden das Ganze ab.

Im zweiten Stock befinden sich derweil Umkleideräume, diverse Schulungs- und Tagungsräume sowie ein Aufenthaltsbereich mit Teeküche – alles weitaus heller und freundlicher als ein Stock drunter, wenn auch ebenso gähnend leer und unmöbliert.

Auch im Außenbereich sind schon Fortschritte erkennbar. So wurde auf der nördlichen Fläche eine größere Ebene mit Splitt befestigt, um den Eintritt via Fenster und Drehleiter simulieren zu können. Hinzukommt eine Saugstelle nebst Parkfläche über einem riesigen Wassertank (rund 20.000 Liter) sowie ein Hydrant, der an die öffentliche Wasserleitung andockt. Auch Außenkameras und Alarmanlage wurden bereits installiert. „Die Lage hier ist sehr abgelegen. Da müssen wir das Gebäude schützen“, erklärt Pilardeaux und verweist darauf, dass man bereits einmal „ungebetenen Besuch“ hatte.

„Wir liegen im Zeitplan“: Sascha Mundy (Betreuer der Baumaßnahmen), Antje Jung (Landkreis) und Oliver Schmidt (Projektleiter, von links). Foto: Franz Vollmer

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„Wir liegen im Zeitplan“: Sascha Mundy (Betreuer der Baumaßnahmen), Antje Jung (Landkreis) und Oliver Schmidt (Projektleiter, von links). Foto: Franz Vollmer

„Ziel ist letztlich ein einheitliches Ausbildungskonzept auch beim Ablauf der Übung“, erklärt Schmidt. Es geht um „Standards für den Notfall“, ergänzt Pilardeaux. Wobei man noch über die gängigen DIN-Norm hinaus einige Dinge hinzudesigned hat, wie Jung erklärt, um höhere Anforderungen zu generieren. „Nach der Einrichtung der gemeinsamen Integrierten Leitstelle Mittelbaden ist das der nächste Stepp“, so Pilardeaux mit Blick auf die zunehmende Verzahnung von Stadt und Landkreis auf dem Rettungssektor. Insgesamt sollen hier jährlich rund 1.000 turnusmäßige Belastungsübungen stattfinden, die (Vorbereitung ausgeklammert) eine halbe Stunde dauern, sowie 100 Neueinsteiger ausgebildet werden. Beim zeitlichen Fahrplan sei man zwar durch den allgemeinen Bauteilestau „leicht im Verzug“, zu Komplikationen führe dies allerdings nicht, versichert Pilardeaux, man sei im Zeitplan. Anfang September wird die Hauptanlage mit Übungskäfig aufgebaut, sodass man, entsprechende Testläufe und Fehlerfindungsprozesse eingeschlossen, Anfang Oktober wie geplant mit den Schulungen loslegen kann.

Von den knapp 700.000 Euro Gesamtkosten bleiben nach Abzug der Förderung vom Land rund 500.000 Euro, die sich Landkreis und Stadt Baden-Baden bedarfsorientiert nach dem Verhältnis 80:20 teilen, sodass für die Kurstadt rund 100.000 Euro anfallen. Die Fördergelder gibt es zum einen für den Umbau, zum anderen für die Ausstattung, erklärt Jung. Wobei laut Mundy das komplette Inventar an Hardware inklusive Übungsgeräte aus den bisherigen Übungsanlagen in Baden-Baden und Kuppenheim wiederverwendet wird. „Alles bis auf die Sicherheitstechnik und Software wird übernommen“, so Pilardeaux. Laut Jung wäre hier ohnehin ein Update fällig.

Ihr Autor

BT-Redakteur Franz Vollmer

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Erstellt:
20. August 2021, 06:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 26sec

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