Feuerwehren in Mittelbaden starten Werbekampagne

Rastatt/Baden-Baden (vn) – Sie sind Teamplayer und Helden des Ehrenamts: Erstmals werben die Feuerwehren des Landkreises Rastatt und des Stadtkreises Baden-Baden gemeinsam um neue Mitglieder.

Hat sich einen Kindheitstraum bei der Feuerwehr erfüllt: Lavdim Hocak aus Ottersweier. Foto: Kreisfeuerwehrverband Rastatt

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Hat sich einen Kindheitstraum bei der Feuerwehr erfüllt: Lavdim Hocak aus Ottersweier. Foto: Kreisfeuerwehrverband Rastatt

Bei Lavdim Hocak war es wie bei vielen anderen Feuerwehrleuten auch: „Die Begeisterung hatte ich schon als Kind in mir, weshalb ich bereits als Jugendlicher der Feuerwehr in meinem Heimatort beigetreten bin“, berichtet der 21-Jährige aus Ottersweier. Das ist jetzt elf Jahre her. „Inzwischen bin ich Teil der Einsatzabteilung und ausgebildeter Atemschutzgeräteträger.“
Ein Vorbild ist er auch, weshalb Lavdims Geschichte auf der neuen gemeinsamen Internetseite der Feuerwehrverbände Baden-Baden und Rastatt www.hundert12.info nachzulesen ist. Und viele andere auch.

Der Online-Auftritt ist Teil einer neuen, auf drei Jahre angelegten Kampagne der beiden Verbände, die am Samstag offiziell startet. Die Seite wurde von den Aktiven Simon Föry und Markus Meier sowie von Arvin Nesselhauf ehrenamtlich erstellt und dient der Mitgliederwerbung. „Unser Ehrenamt verfolgen wir mit Leidenschaft, Ehrgeiz und Herzblut. Damit wir weiterhin eine leistungsstarke Truppe bleiben, brauchen wir dich!“, so die Botschaft. Interessierte Bürger können sich umfassend informieren. Auf Instagram und Facebook kann man die Aktivitäten verfolgen.

Beispielsweise das traditionelle Geschicklichkeitsfahren, das am Samstag in Ötigheim stattfindet. „Nach der theoretischen Prüfung müssen die Teilnehmer mit Großfahrzeugen einen Parcours durchfahren, vorwärts und rückwärts rangieren sowie Hindernisse überwinden“, erläutert Michael Bracht, der Pressesprecher des Kreisfeuerwehrverbands Rastatt, die Herausforderungen. Der erfahrene Feuerwehrmann fungiert als Schiedsrichter. In Ötigheim wird auch die Kampagne erstmals optisch präsent sein, „mit Bauzaun- und Rollup-Banner, Messestand und gaaaanz vielen Feuerwehrautos“, verspricht Bracht.

Seiteneinsteiger gesucht

Angesprochen fühlen dürfen sich nicht nur Kinder und Jugendliche, sondern ganz besonders auch Erwachsene, die vielleicht schon mal in der Feuerwehr waren und sich nach einem Umzug wieder neu einbringen möchten. „Seiteneinsteiger so um die 30 Jahre, das wäre für uns fast so etwas wie ein Sechser im Lotto“, schmunzelt Bracht.

Doch dahinter steckt ein Problem, das die Verantwortlichen rechtzeitig angehen wollen. „Die dreijährige Kampagne ist eine zwingende Maßnahme zur Sicherung unserer Einsatzstärken“, sagt Verbandsvorsitzender Jürgen Segewitz vom Kreis Rastatt. „In den nächsten Jahren werden zwei Generationen aus dem aktiven Einsatzdienst ausscheiden. Diese Lücke zu füllen beziehungsweise nachhaltig die Schlagkraft unserer Wehren sicherzustellen, haben wir uns zur zentralen Aufgabe gemacht“, meint er.

An Symbolen soll es dabei nicht fehlen. Haushalten mit potenziellen Seiteneinsteigern sollen im Laufe der Kampagne ein Fünf-Liter-Löscheimer in Feuerwehrrot überreicht werden. Der Inhalt: Pflasterbox, Hinweise zu Adventskranz- und Christbaumbränden, ein Metermaß, Gummibärchen und einiges mehr – alles mit Logo versehen.

Auch Plakate werben für die ehrenamtlichen Helfer, die beispielsweise 2019 und 2020 allein 567 Menschen gerettet beziehungsweise in Sicherheit gebracht haben, wie Kreisbrandmeister Heiko Schäfer herausstellt. Er begrüßt die Werbekampagne sehr, genauso der Leiter der Feuerwehr Baden-Baden, Martin Buschert, sowie der Vorsitzende des Stadtfeuerwehrverbands Clemens Schindler.

Derzeit sind im Landkreis Rastatt und im Stadtkreis Baden-Baden 2.607 Aktive in 24 kommunalen Feuerwehren mit 73 Abteilungen registriert. Hinzu kommen insgesamt mehr als 1.000 Jugendliche in 32 Jugendabteilungen. Nicht vergessen werden dürfen die Senioren- und Ehrenabteilungen sowie die Werkfeuerwehren.

Mannschaftsstärke landesweit stabil


Landesweit erschwerten eingeschränkter Übungsbetrieb und Einsätze unter Pandemiebedingungen die Arbeit der Feuerwehr im vergangenen Jahr. Die Mannschaftsstärke konnte dennoch gehalten werden, wie aus der Einsatzstatistik des Innenministeriums in Stuttgart hervorgeht. In den kommunalen Feuerwehren waren demnach 112.341 Angehörige registriert, 109.902 davon ehrenamtlich. Im Jahr zuvor waren es 112.286 beziehungsweise 109.902. Der Anteil der Feuerwehrfrauen wächst weiter kontinuierlich: von 7.012 im Jahr 2019 auf 7.261 im vergangenen Jahr. „Ein Großteil der aktiven Feuerwehrangehörigen hat den Weg zur Feuerwehr über die Jugendarbeit gefunden“, sagte Innenminister Thomas Strobl bei der Vorstellung der Statistik. So wie Lavdim Hocak.

Regierungspräsidentin Sylvia M. Felder würdigt die Feuerwehrleute als „Teamplayer und Helden des Ehrenamts“. Deshalb stand für sie außer Frage, die Schirmherrschaft für die Werbekampagne zu übernehmen: „Unser uneingeschränkter Dank gilt allen, die vorangehen, wenn Gefahr droht und die sich einsetzen, wenn andere Hilfe brauchen.“

www.hundert12.info

Ihr Autor

BT-Redakteur Volker Neuwald

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Erstellt:
23. Oktober 2021, 08:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 58sec

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