Feuerwehrhaus weist Unfallgefahren auf

Gernsbach (stj) – Der Gemeinderat hat jetzt den Feuerwehrbedarfs- und Entwicklungsplan beschlossen. Er dient als Maßnahmen-Kompass für die nächsten zehn Jahre.

Handlungsbedarf: Die Stadt Gernsbach muss sich über Optimierungsmaßnahmen im Feuerwehrhaus in der Joseph-Haas-Straße Gedanken machen. In seinem aktuellen Zustand weist es laut Gutachten mehrere Unfallgefahren auf. Foto: Stadt Gernsbach

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Handlungsbedarf: Die Stadt Gernsbach muss sich über Optimierungsmaßnahmen im Feuerwehrhaus in der Joseph-Haas-Straße Gedanken machen. In seinem aktuellen Zustand weist es laut Gutachten mehrere Unfallgefahren auf. Foto: Stadt Gernsbach

Insgesamt steht die Freiwillige Feuerwehr Gernsbach gut da, es muss aber an einigen Stellschrauben gedreht werden. Das geht aus dem entsprechenden Bedarfs- und Entwicklungsplan hervor, den Stadtdirektor Ralf Hohloch, Leiter des Amts für Brand- und Katastrophenschutz sowie Kommandant der Feuerwehr Freiburg, am Montag im Gemeinderat präsentierte.

Im Feuerwehrbedarfsplan werden das Gefahrenpotenzial in der Stadt analysiert, Planziele festgelegt und die künftige Struktur der Freiwilligen Feuerwehr dargestellt. Das Papier bildet damit die Grundlage für die Aufstellung und Ausrüstung einer für den geordneten Lösch- und Rettungseinsatz erforderlichen, leistungsfähigen Feuerwehr und ist eine verlässliche Planungshilfe. Diese wurde vom Gemeinderat einstimmig beschlossen.

Ein wichtiger Aspekt darin sind die Aussagen zur Zusammenarbeit der Kameraden in Hilpertsau und Obertsrot, um die Wirtschaftlichkeit und die Effizienz der beiden Abteilungen zu stärken, um die Tagesverfügbarkeit zu verbessern und um das Feuerwehrhaus in Obertsrot als gemeinsamen Standort zu etablieren. Dafür wird in Zusammenarbeit mit allen Beteiligten ein eigenes Konzept erstellt, sodass auch die Frage geklärt werden kann, wie dann das Feuerwehrhaus in Hilpertsau weiter genutzt werden könnte. Als Vorschläge liegen derzeit ein Haus der Vereine und die mögliche Nutzung als Hort beziehungsweise Ganztagsbetreuung der Grundschulkinder auf dem Tisch.

Atemschutz- und Schlauchwerkstatt müssen aus dem Keller

Hohloch bezeichnete es als „ganz tolle Geste der Kameraden in Obertsrot und Hilpertsau“, sich künftig als gemeinsame Abteilung verstehen zu wollen. Dies sei alles andere als selbstverständlich. Das unterstrich Ortsvorsteher Walter Schmeiser und betonte, dass es sich dabei um eine Entwicklung handele, „die vor ein paar Jahren noch unvorstellbar gewesen wäre“. Diese „tolle Leistung“ sei vor allem Gesamtkommandant Dennis Reiser sowie den Abteilungskommandanten Oliver Schmidt und Matthias Müller zu verdanken.

Neben dieser strukturellen Änderung muss sich die Stadt besonders Gedanken machen über die Sanierung und den stufenweisen Ausbau des Kernstadt-Feuerwehrhauses in der Joseph-Haas-Straße. Die geschätzten Kosten dafür belaufen sich dem Bedarfsplan zufolge auf circa 5,3 Millionen Euro.

Das Feuerwehrhaus entspreche nicht den derzeit gültigen Vorgaben und weise mehrere Unfallgefahren auf, erläuterte der Experte. Für die Freiwillige Feuerwehr gebe es dort nicht ausreichend Platz, um die notwendigen Einsatzgeräte fachgerecht zu lagern. Die zwingend notwendigen vorzuhaltenden Werkstätten für die Aufrechterhaltung des Dienstbetriebs seien zwar vorhanden, hätten aber gravierende Mängel. Die derzeit gültigen Unfallverhütungsvorschriften können so nicht eingehalten werden, betonte Hohloch. Die Atemschutzwerkstatt und die Schlauchwerkstatt sollten aus dem Keller auf eine andere Ebene verlagert werden. Hohlochs Fazit: „Das Feuerwehrhaus Gernsbach ist in einem schwierigen Zustand!“

Das überraschte Uwe Meyer. Der Fraktionsvorsitzende der Freien Bürger nannte die übrigen Investitionen aus dem Planwerk „im erwartbaren Bereich“. Dass aber in der Joseph-Haas-Straße so viel im Argen liegt, sei seiner Fraktion nicht bewusst gewesen, zumal dort erst vor zwei Jahren in eine kompakte Schlauchpflege- und Prüfanlage investiert worden war. „Wir müssen das Machbare im Blick behalten“, betonte Volker Arntz (SPD), der einen Zehn-Jahres-Plan kommunalpolitisch als anstrengend bezeichnete – vor allem in der finanziellen Situation, in der sich die Stadt befinde. Bernhard Wieland (CDU) verwies auf eine „strategische Planung, in der nicht jeder Betrag in Stein gemeißelt ist“.

Stellvertretend für alle Gemeinderatsmitglieder betonte Thomas Hentschel (Grüne), dass die Feuerwehr in Gernsbach eine sehr wichtige Rolle spiele und man die ehrenamtliche Arbeit der Kameraden nicht hoch genug einschätzen könne.

Dass bestätigte Bürgermeister Julian Christ, der sich auch zufrieden zeigte mit dem erarbeiteten Feuerwehrbedarfsplan: „Auch wenn wir als Stadt finanziell auf Sicht fahren müssen, dient uns der vorliegende Plan als wichtiger Kompass. Denn damit kann die erfolgreiche Arbeit unserer Wehr fortgesetzt werden.“

Proben auf digitales Format umgestellt

Bei den jüngsten Versammlungen der Abteilungen Gernsbach und Hilpertsau wurden Nino Amend, Oliver Fahrner und Dominik Schoch zum aktiven Feuerwehrdienst in der Abteilung Gernsbach verpflichtet. Vom Feuerwehr- zum Oberfeuerwehrmann konnten Jan-Nicklas Andres, Bryan Gorselka und Jannik Klaiber, zum Löschmeister Dennis Krieg und zum Oberlöschmeister Peter Lukas befördert werden.

Die Abteilung Hilpertsau musste im Berichtsjahr 2019 zu 33 Einsätzen und im Jahr 2020 zu 15 Einsätzen ausrücken. Aktuell befinden sich 20 Personen in der Einsatzmannschaft, acht Personen in der Ehren- und Altersmannschaft und vier Jugendliche gehören der Jugendabteilung an.

In der Abteilung Gernsbach mussten die 64 aktiven Mitglieder im Jahr 2019 zu 141 Einsätzen ausrücken. Im Jahr 2020 waren es 144 Einsätze. Neben den aktiven Angehörigen befinden sich auch 20 Mitglieder in der Ehren- und Altersmannschaft sowie fünf Jugendliche in der Jugendabteilung.

Bürgermeister Julian Christ dankte allen Kameraden für den Einsatz – insbesondere im vergangenen Jahr, in dem durch Corona kaum Proben in Präsenzform möglich waren. Um zumindest ein wenig den Probenausfall kompensieren zu können, wurde ein Großteil der Proben auf ein digitales Format umgestellt. „Für dieses digitale Angebot gilt mein Kompliment“, lobte Christ: Die Feuerwehr stehe auch in Zeiten der Corona-Pandemie im Notfall immer bereit.

Mehr Geld für ehrenamtliche Feuerwehrarbeit

Einstimmig hat der Gemeinderat der Erhöhung der Entschädigung der ehrenamtlichen Feuerwehrkommandanten der Freiwilligen Feuerwehr Gernsbach zugestimmt. Das betrifft folgende Positionen: Kommandant Gesamtwehr 360 Euro (vorher 150 Euro), stellvertretender Kommandant Gesamtwehr 90 Euro (75), Abteilungskommandant Gernsbach 120 Euro (100), stellvertretender Abteilungskommandant Gernsbach 60 Euro (50), Abteilungskommandanten Staufenberg, Hilpertsau, Obertsrot, Reichental, Lautenbach jeweils 90 Euro (75), Stellvertreter je 45 Euro (37,50). Diese Summen entsprechen den Orientierungswerten zur Aufwandsentschädigung für ehrenamtliche Feuerwehrangehörige, die der Gemeinde- und der Städtetag sowie der Landesfeuerwehrverband Baden-Württemberg gemeinsam veröffentlicht haben.

Stützen der Gernsbacher Feuerwehr (von links): Marco Weitz (neuer Kommandant der Abteilung Gernsbach), Dennis Krieg, Bryan Gorselka, Jens Brunner (neuer erster Stellvertreter), Bürgermeister Julian Christ, Daniel Zapf (neuer zweiter Stellvertreter), Dennis Reiser und Peter Lukas. Foto: Feuerwehr Gernsbach

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Stützen der Gernsbacher Feuerwehr (von links): Marco Weitz (neuer Kommandant der Abteilung Gernsbach), Dennis Krieg, Bryan Gorselka, Jens Brunner (neuer erster Stellvertreter), Bürgermeister Julian Christ, Daniel Zapf (neuer zweiter Stellvertreter), Dennis Reiser und Peter Lukas. Foto: Feuerwehr Gernsbach


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