Film über eine Spende der anderen Art

Baden-Baden (kie) – Eine Dokumentation der Produktionsfirma kurhaus production ist mit dem Robert Geisendörfer Preis geehrt worden. Sie entstand für die Reihe „Schau in meine Welt!“ des Kinderkanals.

Durch die selbstlose Aktion von Janne (rechts) bekommt Anouk (links) eine Echthaarperücke. Regisseurin Agnes Lisa Wegner wurde nun für ihre Dokumentation „Das Mädchen mit den langen Haaren“ ausgezeichnet. Foto: kurhaus production

© pr

Durch die selbstlose Aktion von Janne (rechts) bekommt Anouk (links) eine Echthaarperücke. Regisseurin Agnes Lisa Wegner wurde nun für ihre Dokumentation „Das Mädchen mit den langen Haaren“ ausgezeichnet. Foto: kurhaus production

Auf die besten Ideen kommt man bekanntlich oft, wenn man nicht wirklich damit rechnet. Als Christoph Holthof vor rund drei Jahren auf einer privaten Feier von einer Bekannten erfuhr, dass ihre elfjährige Tochter sich die Haare wachsen lässt, um sie einem anderen Kind zu spenden, und die Familie derzeit auf der Suche nach möglichen Empfängern sei, war das so ein Moment. Der Baden-Badener Filmproduzent Holthof hatte eine Idee – die nun mit dem renommierten Robert Geisendörfer Preis ausgezeichnet wurde.

Die Firma kurhaus production von Holthof und Daniel Reich produzierte für die Ki.ka-Reihe „Schau in meine Welt!“, an der auch der SWR beteiligt ist, den Dokumentationsfilm „Das Mädchen mit den langen Haaren“. Filme für Kinder und Jugendliche seien, so Holthof, „ein großes Standbein unserer Firma neben Arthouse-Filmen“. Als Autorin und Regisseurin konnte Agnes Lisa Wegner gewonnen werden, die nun den mit 5.000 Euro dotierten Robert Geisendörfer Preis erhält. Bereits in der Vergangenheit hat Wegner mit der kurhaus production mehrfach zusammengearbeitet – etwa für den mit dem Hofer Dokumentarfilmpreis Granit ausgezeichneten Film „König Bansah und seine Tochter“.

„Für sie ist es eine große Auszeichnung, es ist ein renommierter Preis, der auch in den Redaktionen sehr geschätzt wird“, macht Holthof die Bedeutung des Robert Geisendörfer Preises deutlich. Es sei eine besondere Würdigung, solch einen Preis zu erhalten, fügt der Proudzent an.

Haare wachsen lassen für ein anderes Kind

Die rund 25-minütige Dokumentation zeigt die elfjährige Janne aus Baden-Baden – jenes Mädchen also, deren Mutter Holthof auf der Feier von dem Plan ihrer Tochter erzählte. Nach einem Fernsehbericht hatte Janne zuvor beschlossen, sich die Haare mit dem Ziel wachsen zu lassen, sie einem anderen Kind zu spenden, das selbst keine Haare mehr hat. Gemeinsam mit ihrer Familie begibt sie sich im echten Leben und im Film auf die Suche nach möglichen Empfängern einer Echthaarperücke, bis sie schließlich in Anouk, die unter kreisrundem Haarausfall leidet, eine dankbare Abnehmerin findet. Das selbstlose Verhalten Jannes und die Freundschaft der beiden Mädchen, die sich daraus entwickelt, sind tragende Elemente der Dokumentation und waren auch für die Jury entscheidende Faktoren für die Preisvergabe: „Zu einem besonderen Film wird der Beitrag, als sie die Empfängerin der Haarspende kennenlernt und sich zwischen den beiden Mädchen eine tiefe Freundschaft entwickelt“, heißt es etwa in der Begründung der Jury. „Berührend, zart, sehr nah, mit starker Botschaft ohne Betroffenheitsdramaturgie“, sei der Film, außerdem zeige er, „welchen Gewinn freudvolles Geben darstellen kann. Das gilt nicht zuletzt für die Botschaft: Wenn jeder Mensch einem anderen helfen würde, wäre die Welt ein besserer Ort; und es kann oft ganz einfach sein, Gutes zu tun“.

Klassisch dokumentarisch ohne Off-Text

„Toll finde ich, dass Janne ein ganz ehrliches Ziel verfolgt: Sie will helfen“, sagt auch Holthof, wenn man ihn nach der Besonderheit des Films fragt. Zudem sei das Format der Ki.ka-Reihe, die klassisch dokumentarisch ohne Off-Text auskommt, gewinnbringend für den Inhalt: „Schön ist daran, dass die Perspektive eingehalten wird: Man geht mit den Mädchen gemeinsam durch den Film und freut sich mit den beiden“, so Holthof.

Gedreht wurde „Das Mädchen mit den langen Haaren“ 2018, noch vor der Pandemie. Vieles wurde in Baden-Baden gefilmt, etwa an den Geroldsauer Wasserfällen, am neuen Schloss oder in der Fußgängerzone. In Bühl wurde schließlich die Perücke gefertigt – mehrere Wochen hat das gedauert. Auch hier wurde gedreht; außerdem in Offenbach, wo Anouk wohnt. Erstmals ausgestrahlt wurde die preisgekrönte Kinder-Dokumentation dann im Februar 2019. Auf dem SWR-Kindernetz-Kanal auf Youtube wurde sie bisher mehr als drei Millionen mal angeklickt, ein absoluter Spitzenwert. Der Film ist online abzurufen über die ARD Mediathek, auf der Homepage des Ki.ka oder auf Youtube.


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.