Filmfestspiele Mannheim-Heidelberg: Entdeckerfestival wird 70

Mannheim (cl) – Junge Filmkunst mit Wagemut: Das 70. Filmfestival Mannheim-Heidelberg zeigt Mitte November den Siegerfilm von San Sebastian. 16 Filme aus 21 Ländern konkurrieren um den Hauptpreis.

„You resemble me“, der erste Spielfilm der einstigen CNN-Reporterin Dina Amer, eröffnet das Filmfest Mannheim-Heidelberg im November.  Foto: The Match Factory

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„You resemble me“, der erste Spielfilm der einstigen CNN-Reporterin Dina Amer, eröffnet das Filmfest Mannheim-Heidelberg im November. Foto: The Match Factory

Das Internationale Filmfestival Mannheim-Heidelberg ist neben der Berlinale eine der traditionsreichsten Plattformen für den internationalen Kinofilm in Deutschland. Seit vielen Jahren fördert dieses bedeutende Festival für den kulturellen, gesellschaftlichen und politischen Dialog vor allem junge Filmemacher. Unter den einstigen Newcomern des Festivals Mannheim-Heidelberg zählen auch François Truffaut, Rainer Werner Fassbinder, Wim Wenders, Jim Jarmusch, Angela Schanelec sowie Thomas Vinterberg, die längst internationale Regiestars sind.

Für seine 70. Ausgabe kündigt das Filmfestival im Rhein-Neckar-Raum vom 11. bis 21. November nun preisgekrönte Filme an, wie den aktuellen Gewinnerfilm des bedeutenden spanischen Filmfests in San Sebastian: „Blue Moon“ der rumänischen Schauspielerin Alina Grigore. Auch Filme aus Italien, Frankreich und Großbritannien feiern ihre Deutschland-Premieren; hinzu kommen zwei Weltpremieren aus Brasilien und Argentinien. Zu den Höhepunkten im Kinoherbst in Frankreich gehört der Spielfilm „Un autre monde“ von Stéphane Brizé, in dem Vincent Lindon einen Top-Manager im moralischen Konflikt spielt. Auch er wird in Mannheim-Heidelberg laufen.

„You resemble me“, eine ägyptisch-französisch-US-amerikanische Koproduktion der früheren CNN-Journalistin und Filmemacherin Dina Amer, wird das Festival eröffnen. In ihrem ersten Kinofilm spürt sie dem Traum vom selbstbestimmten Leben nach. Ein Mädchen flieht von zu Hause, wird erwachsen, droht sich zu verlieren. Amer zog 2011 nach Ägypten, erlebte dort den Arabischen Frühling, für ihren Dokumentarfilm „Al Midan“ erhielt sie eine Oscar-Nominierung. Ihr aktuelles Spielfilmdebüt hat unter anderem Spike Lee mitproduziert.

16 Filme aus 21 Ländern konkurrieren um den Hauptpreis

Der Wettbewerb „On the Rise“ ist das Herzstück des Festivals und präsentiert erste bis dritte Werke herausragender Filmtalente. Darin konkurrieren insgesamt 16 Filme aus 21 Ländern; dotiert ist der Preis mit 50.000 Euro. Unter den Favoriten ist der mit der Goldenen Muschel gekrönte Film „Blue Moon“; im Zentrum des Films steht die junge Rumänin Irina, die aus dem engen Kreis ihrer patriarchalen Großfamilie entfliehen will und zum Studium nach Bukarest aufbricht.

In seinem Regiedebüt „The Sleeping Negro“ über eine durch Alltagsrassismus ausgelöste Existenzkrise spielt der Fotograf und Dozent Skinner Myers selbst die Hauptrolle. „To kill the beast“ von Agustina San Martin hat gerade in Toronto Weltpremiere gefeiert; sie inszeniert in ihrem Langfilmdebüt eine Geschichte über weibliches Begehren.

Außerdem kündigt das Filmfest den neuen Film von Michelangelo Frammartino „Il Buco“ über eine Expedition von Höhlenforschern in Kalabrien 1961 an, zwischen dokumentarischer Beobachtung und fiktiver Inszenierung. Es gibt fast schon tagespolitische Filme, wie die Produktion über das Putin-Regime (Oleh Sentsovs „Rhino“), das kürzlich bei den Filmfestspielen von Venedig Premiere gefeiert hat. In der zweiten Hauptsektion „Pushing Boundaries“ legt das Festival einen Fokus auf innovative Kinovisionen über männliche Körper und queere Gefühle oder rauschhafte Komposition aus Wirklichkeit und Wahn im argentinischen Karneval.

„Shen Kong“ von Chen Guan ist während der Pandemie entstanden und spürt dem Lockdown als Lebensgefühl nach. Dabei folgt er einer Liebesaffäre auf den gespenstisch leeren Straßen einer chinesischen Metropole.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Christiane Lenhardt

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Erstellt:
13. Oktober 2021, 20:00 Uhr
Lesedauer:
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