Finanz-Lage in Loffenau hat sich entspannt

Loffenau (stj) – Die Zeit der Kameralistik ist in Loffenau Geschichte: Die Jahresrechnung 2019 ist die letzte, die auf diese Weise erarbeitet worden ist. Der Gemeinderat hat dem Zahlenwerk zugestimmt.

Unter anderem die hohen Investitionsausgaben für den Ausbau der Ortsdurchfahrt engen den finanziellen Spielraum der Gemeinde Loffenau wieder deutlich ein. Foto: Stephan Juch

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Unter anderem die hohen Investitionsausgaben für den Ausbau der Ortsdurchfahrt engen den finanziellen Spielraum der Gemeinde Loffenau wieder deutlich ein. Foto: Stephan Juch

Zum 1. Januar 2020 hat die Gemeinde Loffenau auf die sogenannte Doppik (doppelte Buchführung) umgestellt. Kämmerin Daniela Tamba stellte das Zahlenwerk sowie den Jahresabschluss des Eigenbetriebs Wasserversorgung 2019 nun im Gemeinderat vor. Die Jahresrechnung (Verwaltungs- und Vermögenshaushalt) schließt mit einem Gesamtvolumen (Soll) von knapp 8,575 Millionen Euro ab und liegt damit minimal um 2,15 Prozent unter den Planzahlen. Das Ergebnis des Verwaltungshaushalts besteht aus einer Zuführung an den Vermögenshaushalt in Höhe von fast 834.000 Euro. Das bedeutet im Ergebnis eine Verbesserung gegenüber der Prognose um rund 530.000 Euro. „Das im Vergleich zum Haushaltsplan bessere Ergebnis ergibt sich zu fast einem Drittel aus höheren Gewerbesteuereinnahmen und zu zwei Dritteln aus vielen einzelnen, in künftige Jahre verschobenen Maßnahmen sowie kleineren Einsparungen“, erläuterte Tamba.

Rücklagenzuführung statt -entnahme

Ein ähnliches Bild ergibt sich beim Blick auf den Vermögenshaushalt. Dessen Gesamteinnahmen und -ausgaben (Soll) belaufen sich auf rund 1,214 Millionen Euro. Das ist eine Planunterschreitung von gut 334.000 Euro (21,60 Prozent), die unter anderem daraus resultiert, dass das Projekt Krone privat umgesetzt wurde und Maßnahmen bei der LED-Umrüstung vom Gemeinderat verschoben wurden. Das bedeutet, dass statt der ursprünglich geplanten Rücklagenentnahme in Höhe von 467.400 Euro eine Rücklagenzuführung von etwas mehr als 677.000 Euro erfolgen konnte. Dadurch ergibt sich zwischen Planung und Vollzug eine Verbesserung in Höhe von 1,144 Millionen Euro, rechnete Tamba vor.

Bürgermeister Markus Burger mahnte aber vor Euphorie angesichts des guten Ergebnisses: „Der hohe Stand der Rücklagen ist nur eine Momentaufnahme.“ Schließlich resultiere die Verbesserung mit rund 430.000 Euro auch aus der Auflösung von Haushaltsresten, die für Maßnahmen eingeplant waren, die überwiegend noch umgesetzt werden und daher in den Folgejahren erneut zu veranschlagen seien.

Sondereffekt durch aufgelöste Haushaltsreste

Der Jahresabschluss auf Ende 2019 zeige dennoch, dass sich die finanzielle Lage der Gemeinde verbessert hat:
- Die allgemeine Rücklage liegt mit 1.642.380,42 Euro so hoch wie seit 2005 nicht mehr, kann daher eine Finanzkrise auffangen, die hohen Investitionen bei der Sanierung der Ortsdurchfahrt 2021 ermöglichen sowie die geplanten Kreditaufnahmen der künftigen Jahre verringern.
- Die zur Verringerung künftiger Pensionslasten freiwillig angesammelte Pensionsrückstellung beim KVBW wurde nicht angetastet und steht damit weiterhin für künftige Jahre zur Verfügung.
- Das an den Eigenbetrieb Wasserversorgung gewährte Darlehen von 860.000 Euro bringt für den Kernhaushalt jährlich Zinseinnahmen von 43.000 Euro – unabhängig von der Finanzlage.
- Die Pro-Kopf-Verschuldung der Gemeinde (ohne Darlehen Wasserversorgung) liegt zum Jahresende mit 442,08 Euro unter dem Landesdurchschnitt vergleichbarer Gemeinden 2019 (619 Euro).
- Die Ertragskraft des Verwaltungshaushalts in Form der Netto-Investitionsrate liegt dank guter konjunktureller Lage bei rund 730.000 Euro (rund 300.000 Euro weniger als 2018). Sie wird für anstehende Investitionen dringend benötigt.
- Fazit der Verwaltung: Die finanzielle Lage der Gemeinde Loffenau hat sich im Jahr 2019 entspannt. Bei allen künftigen Planungen muss aber weiterhin ein Augenmerk auf die finanziellen Auswirkungen gelegt werden. Zudem muss der Sondereffekt durch die aufgelösten Haushaltsreste beachtet werden. Sonst ist in Finanzkrisen oder bei größeren Investitionen kein Spielraum mehr vorhanden. Vor allem die hohen Investitionsausgaben für den Ausbau der Ortsdurchfahrt, den Heckenbrunnenpfad und das Feuerwehrfahrzeug engen den finanziellen Spielraum wieder deutlich ein. Eine Kreditaufnahme in den kommenden Jahren lässt sich Stand heute dennoch nicht vermeiden.

Ihr Autor

BT-Redakteur Stephan Juch

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Erstellt:
16. September 2021, 17:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 41sec

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