Finanzdienstleister Grenke weist Vorwürfe zurück

Baden-Baden (vo) – Wolfgang Grenke, Gründer der Grenke AG in Baden-Baden, nimmt in einem Interview Stellung zu den Anschuldigungen des britischen Investors und Shortsellers Fraser Perring.

„Ich habe nichts zu verbergen“, sagt Wolfgang Grenke in Bezug auf die Vorwürfe von Fraser Perring.

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„Ich habe nichts zu verbergen“, sagt Wolfgang Grenke in Bezug auf die Vorwürfe von Fraser Perring.

Es ist ein klares Statement, das Wolfgang Grenke im Interview mit dem „Handelsblatt“ abgibt: „Ich habe nichts zu verbergen“, sagt der Gründer der Grenke AG, der wie sein Unternehmen derzeit gewaltig unter Druck steht. Es geht um schwere Anschuldigungen des britischen Investors und Shortsellers Fraser Perring hinsichtlich von Betrug, Bilanzfälschung, Geldwäsche und überteuerte Firmenkäufe. Auch von Interessenskonflikten Grenkes zulasten der Aktionäre ist die Rede. Die Grenke AG hat deshalb mehr als die Hälfte ihres Börsenwerts verloren.

Bafin beginnt mit Sonderprüfung

Anfang der Woche hat die Finanzaufsicht Bafin mit einer Sonderprüfung begonnen und damit die internationale Wirtschaftsprüfungs-, Rechts-, Steuer- und Unternehmensberatungsgesellschaft Mazars mit Hauptsitz in Brüssel beauftragt. Zuvor hatte die Aufsicht angekündigt, bei Grenke ganz genau hinschauen zu wollen, nachdem sie beim Bilanzskandal des Zahlungsabwicklers Wirecard erheblich in die Kritik geraten war.

Unternehmen verspricht „höchstmögliche Transparenz“

Das Unternehmen wiederum verspricht höchstmögliche Transparenz und vorbehaltlose Unterstützung bei den Untersuchungen. „Es ist im Interesse der Grenke AG, ihrer Mitarbeiter, Geschäftspartner und Investoren, dass die im Raum stehenden, haltlosen Anschuldigungen rasch aus der Welt geschafft werden. Dazu wird auch diese Untersuchung beitragen“, sagte die Vorstandsvorsitze Antje Leminsky. Zudem hat das Unternehmen selbst zwei eigene externe Prüfgutachten in die Wege geleitet: KPMG wurde beauftragt, ein Sondergutachten zu erstellen, das insbesondere die Substanz des Geschäfts von Grenke untersucht. Zusätzlich soll die unabhängige Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Warth & Klein Grant Thornton die Marktüblichkeit der Franchise-Übernahmen der Vergangenheit und deren Vorteilhaftigkeit für die Grenke AG überprüfen.

Kaufverträge im Fokus

Der Baden-Badener Finanzdienstleister will nach den Anschuldigungen des Leerverkäufers Viceroy Research, hinter dem Fraser Perring (46) steckt, klären lassen, ob die übernommenen Gesellschaften eine marktübliche Bewertung hatten und ob die eingefädelten Deals für Grenke vorteilhaft waren. Dabei rücken auch die Gültigkeit von Kaufverträgen und die jeweils beteiligten Parteien in den Fokus.

„Unterstellungen und falsche Fakten“

Für Firmengründer Wolfgang Grenke geht es derzeit um nicht weniger als sein Lebenswerk. Er hat das Unternehmen über Jahrzehnte aufgebaut und es bis in den M-DAX mit einer Marktkapitalisierung von zwischenzeitlich mehr als drei Milliarden Euro geführt. Nach seinem Rückzug von der Unternehmensspitze im Jahr 2018 rückte der 69-Jährige in den Aufsichtsrat. Seine dortige Tätigkeit als stellvertretender Vorsitzender lässt er derzeit ruhen. Die ganze Angelegenheit hat ihn hart getroffen. Die Grenke AG sei zwar eine börsennotierte Firma mit einer Bilanzsumme von über sieben Milliarden Euro, „aber ich fühle mich wie ein klassischer Mittelständler. Da war es sehr überraschend, was auf uns und mich zukam. Vor allem, dass Unterstellungen und falsche Fakten sich so auf den Kurs auswirken, konnte ich mir nicht vorstellen“, sagte er dem „Handelsblatt“.

Komplexes Geschäftsmodell

Nach wie vor kann sich Grenke nicht erklären, weshalb ausgerechnet sein Unternehmen, an dem er selbst mit acht Prozent und über eine Familienholding mit weiteren 41 Prozent beteiligt ist, ins Visier des britischen Shortstellers geraten ist. „Ich weiß gar nicht, wie man auf die Idee kommen kann, das Geschäft wäre nicht werthaltig.“ Er räumt aber ein, dass man das komplexe Geschäftsmodell, vor allem hinsichtlich des Franchisesystems mit verschiedenen Gesellschaften, wohl besser erklären müsse. Diesbezüglich macht sich inzwischen auch der Vorstand Gedanken. Möglicherweise werden die Franchisefirmen künftig in den Konzern integriert.

„Heimtückischer Angriff“

Jedenfalls hat Wolfgang Grenke die Übernahme seiner Beteiligung an einer Holding, die den Aufbau der Franchiseunternehmen finanziell begleitet, dem Konzern bis Ende 2021 angeboten. In diesem Zusammenhang kündigte der Unternehmensgründer im Interview an, zu versuchen, den Kaufpreis in Grenke-Aktien zu erhalten – zum Kurs von vor der Leerverkaufs-Attacke – und nicht in Cash. „Cash habe ich genug bekommen in meinen Leben.“ Damit setzt der Unternehmer gleichzeitig großes Vertrauen in die Zukunft der Grenke AG. Der Vorstand, so sagt er, mache einen ausgezeichneten Job. „Wie das gesamte Team jetzt diesem heimtückischen Angriff aus dem Hinterhalt standgehalten hat, verdient meinen allergrößten Respekt.“


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