Baden-Racing: Finanzmisere wirft Jockeys aus dem Sattel

Iffezheim (fk) – Die Baden-Racing-Verantwortlichen und die Gemeinde Iffezheim hoffen auf eine schnelle Lösung, um die Pferderennen in Iffezheim zu retten.

Verkehrte Welt in Iffezheim: Statt Vorfreude auf die kommende Saison ist Hoffen und Bangen um die Zukunft der Galopprennen angesagt. Foto: Florian Krekel

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Verkehrte Welt in Iffezheim: Statt Vorfreude auf die kommende Saison ist Hoffen und Bangen um die Zukunft der Galopprennen angesagt. Foto: Florian Krekel

Es ist irgendwie die Geschichte mit dem Kamel und dem Nadelöhr, die von Baden-Racing und der Iffezheimer Galopprennbahn. Zumindest klingt sie aus dem Mund der Verantwortlichen so. Höchstes sportliches Niveau, höher als auf jeder anderen Rennbahn in Deutschland, soll wirtschaftlichen Erfolg in der Provinz bringen. Das funktioniert nicht – das Einzugsgebiet ist zu klein, trotz des mondänen Baden-Badener Rufs.
Andere große Rennbahnen wie etwa jene in Köln werden von den Kommunen subventioniert, Baden-Racing hingegen muss Geld für die Nutzung des Geländes zahlen, das in Gänze der Gemeinde Iffezheim gehört. Das liegt, das weiß auch Baden-Racing-Geschäftführerin Jutta Hofmeister, schlicht daran, dass „eine Anlage in dieser Größenordnung für eine so kleine Gemeinde nur schwer tragbar ist“. Hofmeister sieht daher wie auch andere Branchenkenner die Lösung für die Rettung der Iffezheimer Galopprennen nach der Kündigung und der Neustrukturierungsankündigung durch Baden-Racing-Präsident Andreas Jacobs in einer Ausweitung des Kreises der Beteiligten. Wie am Mittwoch berichtet werden daher entsprechende Gespräche mit Politik, Interessenvertretern und möglichen Investoren geführt.

Was das für die Zukunft der Rennen bedeutet, in welcher Form und wie viele von ihnen 2021 ausgetragen werden, steht indes noch in den Sternen. Denn – um zum Kamel und dem Nadelöhr zurückzukommen – gelingt es nicht, das Einzugsgebiet zu vergrößern und neue Investoren zu finden, dürft es kaum möglich sein, weiterhin derart viele (Gruppe-)Rennen auf derart hohem sportlichem Niveau abzuhalten. Zu teuer sind in der Summe Sieg-, Züchter und Besitzerprämien – neben vielen anderen Dingen. Das hat die Vergangenheit gezeigt.

So mussten die beiden Baden-Racing-Hauptgesellschafter Jacobs und Paul von Schubert eigenen Äußerungen zufolge seit 2010 mehr als fünf Millionen Euro zuschießen, um den Rennverein überhaupt am Leben zu halten. Schwarze Zahlen schrieb Baden-Racing in all den Jahren nie. Beide hatten schon seit Längerem mehrfach angekündigt, dieses finanzielle Engagement nicht mehr alleine stemmen zu wollen.

Alle Beteiligten hoffen auf eine schnelle Lösung

Komplett Iffezheim den Rücken kehren wollen beide laut Hofmeister aber nicht. Tue sich ein weiterer Investor oder ein Konsortium auf, könnten beide auch zukünftig mit im Boot bleiben – auch finanziell – nur nicht mehr im Steuerhaus, sondern eher in den Passagierräumen, so Hofmeister.

Die Geschäftsführerin hofft, wie alle, auf eine schnelle Lösung. Ihr Vertrag wurde wie bereits berichtet ebenso gekündigt wie jene der elf übrigen Mitarbeiter; Hofmeister bleibt aber trotzdem die nächsten sechs Monate in ihrer Position und soll den Übergang begleiten. „Durch diesen Schritt haben die Gesellschafter den Druck erhöht. Zwischen uns und der Gemeinde herrscht durchaus Verständnis für einander, aber keiner kann aus seinen Zwängen heraus, deshalb muss eine weiterführende Lösung her. Je schneller die gelingt, umso mehr unserer guten Mitarbeiter können wir möglicherweise behalten.“ Baden-Racing soll nämlich nicht vom Erdboden verschwinden, nur, wie auch Jacobs am Vortag betonte, eine erweiterte Struktur bekommen. Verdiente Mitarbeiter könnten deshalb, so sie sich nicht vorher anderweitig orientieren, in Zukunft durchaus wieder angestellt werden, hieß es.

Gemeinde bräuchte stärkere „Drittnutzung“

Iffezheims Bürgermeister Christian Schmid gab sich am Mittwoch ebenfalls zuversichtlich, machte aber zugleich deutlich: „Schlussendlich treffen wir als Eigentümer des Gesamtareals die finale Entscheidung, welches Konzept zum Tragen kommen wird.“ Die wirtschaftlichen Herausforderungen der kommenden Jahre seien auch durch Corona gravierend. „Wir sind als Gemeinde zur Erfüllung unserer Pflichtaufgaben deshalb auch künftig auf eine Pachteinnahme zwingend angewiesen.“ Er brachte auch eine stärkere unterjährige „Drittnutzung“ des Areals ins Spiel.

Unklarheiten herrschen im Moment in Sachen Trainingsbetrieb. Der ist zwar an sich durch die Trainer und eine von den Besitzern demnächst geplante Überarbeitung der Sandbahn und entsprechende Verträge sicher, jedoch ist Baden-Racing eigentlich für die Pflege und den Erhalt des Geländes verantwortlich. Sollte es keine schnelle Lösung geben, stellt Baden-Racing diese Arbeit ab Ende Januar 2021 mit dem Auslaufen der Beschäftigungsverhältnisse für die Mitarbeiter ein.


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