Fingermanns blicken nach vorne

Rastatt (sawe) – Die Fingermanns arbeiten weiter daran, den Tierschutz unter dem Dach eines Vereins fortzusetzen. Derweil hat sich Kevin Fingermann zum Tierrettungssanitäter ausbilden lassen.

Pierre Fingermann – hier mit seiner Frau Verena – kümmert sich um einen verletzten Schwan. Foto: Sabine Wenzke

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Pierre Fingermann – hier mit seiner Frau Verena – kümmert sich um einen verletzten Schwan. Foto: Sabine Wenzke

Die Familie Fingermann will ihr Engagement für den Tierschutz in der Region fortsetzen und ausbauen. Kevin Fingermann hat sich gerade zum geprüften Tierrettungssanitäter ausbilden lassen und darf nun auch die Erstversorgung und den Transport von verletzten Haus- und Wildtieren (mit Ausnahme von Wildschweinen) zum Arzt oder in die Tierklinik übernehmen.

Und der 30-Jährige hat Pläne: Er will sich bis Ende Januar selbstständig machen und dann als Subunternehmer für einen Tierrettungsnotdienst mit Sitz in Dobel arbeiten, für den er bereits bisher ehrenamtlich tätig ist. Sein Zuständigkeitsbereich werde der Landkreis Rastatt und ein Teil des Landkreises Karlsruhe sein, kündigt er im BT-Gespräch an. Aber auch die Wildvogelstation in Rastatt werde weiter betrieben – vorerst noch privat von der Familie Fingermann – bis der neue Verein „Wildvogelauffangstation Fingermann“ loslegen kann. Er war Ende September gegründet worden, nachdem es zu Differenzen zwischen den Fingermanns und dem Rastatter Landratsamt über die finanzielle Unterstützung und die künftigen Anforderungen an die Tierrettung gekommen war. Pierre Fingermann hatte damals die Vogelrettung an seinen Enkel übertragen, dieser strebte statt eines Ehrenamts eine Anstellung an, warf aufgrund der Unstimmigkeiten das Handtuch, kündigte dann aber an, in gewissem Umfang weitermachen zu wollen. Denn: „Ich bin mit Herzblut dabei“, so Kevin Fingermann.

Mehrere Firmenmitgliedschaften

Die Gründung eines (künftig gemeinnützigen) Vereins mit Pierre Fingermann als Vorsitzendem und dessen Frau Verena als Stellvertreterin war ein erster Schritt in Richtung Zukunftssicherung. 31 Personen waren dabei, als dieser aus der Taufe gehoben wurde, 65 Mitglieder zählt der Verein aktuell. Es seien inzwischen auch mehrere Firmenmitgliedschaften dazugekommen, freut sich Kevin Fingermann. Allerdings habe man noch nicht viel Werbung für den Verein gemacht, weil die Eintragung ins Vereinsregister zwar beantragt, aber noch nicht vollzogen sei. „Wegen Corona dauert wohl alles etwas länger“, mutmaßt Pierre Fingermann. Daher werden Aufnahmestation und Außenstation zunächst weiterhin privat betrieben.

Vor kurzem habe er den Hochsee-Container im Landschaftspflegebetrieb des Landkreises räumen müssen, berichtet der 75-Jährige mit etwas verbissener Miene. Doch damit habe er schon gerechnet. Dort in Niederbühl hatte er viele Jahre Gefrierschränke stehen, die er selbst organisiert hatte, und in denen das über einen Zoolieferanten gekaufte Futter wie tiefgefrorene Küken oder Mäuse aufbewahrt wurde. „Greifvögel brauchen für den Körperaufbau Küken. Sie können nicht nur von Hackfleisch leben“, erläutert der Vogelexperte, der eigenen Angaben zufolge in den vergangenen 27 Jahren ehrenamtlich über 400 Mäusebussards, 600 Turmfalken und 100 Störche betreut, gepflegt oder groß gezogen hat, und zudem an die 30 junge Uhu. Einer der Störche komme alle Jahre wieder für ein oder zwei Tage „zum Vespern“ vorbei, freut sich Fingermann über den dankbaren Schützling von einst. Die alten Gefrierschränke seien inzwischen entsorgt, für den Neuanfang haben sich die Fingermanns zwei Supermarktkühlschränke mit Tiefkühltruhe zugelegt, die in ihrer Garage stehen.

Über 30 Jahre lang habe er auch die über 500 Nistkästen betreut, die im ganzen Landkreis Rastatt verteilt an Landkreiseinrichtungen angebracht sind, erzählt Fingermann und sorgt sich: „Die müssten mal wieder gereinigt werden.“ Diese Aufgabe habe er einmal im Jahr mit seinem Enkel bewältigt, der sich dafür extra immer eine Woche Urlaub genommen habe. Doch das ist Vergangenheit, nachdem die Zusammenarbeit mit dem Landratsamt beendet ist.

Kurse absolviert

Jetzt richtet sich der Blick nach vorne: Opa und Enkel haben beide einen Kurs für Tiernothelfer absolviert und einen Kurs in Erster Hilfe für Haustierbesitzer. Und immer noch erhalten sie Anrufe, meist wenn es einen Schwan zu retten gibt. Erst vor kurzem hatte Kevin Fingermann, den der Großvater als „absoluten Schwanenexperten“ bezeichnet, eine ganze Schwanenfamilie in Karlsruhe aus einer Anglerschnur gerettet. Sie hatte sich hoffnungslos verheddert und teilweise verletzt.

Die Fingermanns sind von jeher gut vernetzt, arbeiten mit verschiedenen Tierhilfsorganisationen zusammen sowie Tierheimen und Tierärzten, berichtet der 75-Jährige. Unterstützt wurden sie von der Bürgerstiftung Rastatt mit einem Betrag von 1.000 Euro. Und der NABU gewähre einen Zuschuss zu den Futterkosten. Ansonsten finanziere man sich derzeit über private Spenden. Als solche zu sehen ist auch die Tätigkeit einer Werbeagentur, die derzeit kostenlos eine Homepage für den Fingermann-Verein erstellt, die Anfang kommenden Jahres ins Netz gehen soll. Außerdem gibt es Pläne zur Verbesserung der Außenstation, doch „das geht nur Schritt für Schritt“, betont Kevin Fingermann.

Weitere Berichterstattung zum Thema finden Sie hier und hier.

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Erstellt:
14. Dezember 2020, 11:00 Uhr
Lesedauer:
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