Firma Rauch verlässt Sinzheim

Sinzheim (nie) – 100 Jahre Firma Rauch vor Ort in Sinzheim sollen bald Geschichte sein. Die Verlagerung an den Baden-Airpark steht an.

Namensgeber auf dem rechten Gebäudeteil ist nicht der jetzige Geschäftsführer Hermann Rauch, sondern sein Großvater. Foto: Nina Ernst

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Namensgeber auf dem rechten Gebäudeteil ist nicht der jetzige Geschäftsführer Hermann Rauch, sondern sein Großvater. Foto: Nina Ernst

Wenn es nach Geschäftsführer Hermann Rauch und seinem Team geht, dann sind alle Mitarbeiter, die bisher noch in der Stabsgemeinde ihre Büros haben, bis Anfang 2023 an den Baden-Airpark umgezogen.

Und auch alle Gebäude der Rauch Landmaschinenfabrik GmbH in der Landstraße sollen dann vom Erdboden verschwunden – und das Areal an sich einer neuen Nutzung zugeführt worden sein. Der Verkauf des Geländes in Sinzheim an einen Investor sei nämlich „wichtiger Bestand für den Neubau“ in Söllingen. Vielfältige Gespräche mit Investoren und der Gemeinde Sinzheim seien schon gelaufen. Und, so der Geschäftsführer: „Stand heute gehen wir davon aus, dass wir noch im dritten Quartal 2021 eine entsprechende Vereinbarung über das Gelände in Sinzheim realisieren können.“

Verlagerung läuft seit 2009

Dann heißt es: Tschüss Sinzheim, Hallo Baden-Airpark. Dort haben sich seit 2009 schon nach und nach verschiedene Abteilungen angesiedelt, auf das Produktionswerk 2009 folgte 2015 das Service- und Technikzentrum sowie 2019 die Testhalle. Mit dem Neubau käme man auf 6,3 Hektar Geländegröße. Insgesamt hat die Geschäftsleitung um Hermann und Martin Rauch, Wilfried Müller und Volker Stöcklin 400 Mitarbeiter, 110 davon noch am Standort Sinzheim. Die freuen sich laut Hermann Rauch auf den Umzug, auch wenn ihnen dann die örtliche Gastronomie in der Mittagspause fehlen werde, meint der umtriebige 66-Jährige augenzwinkernd.

Aber im geplanten 3.000 Quadratmeter großen Verwaltungsgebäude sei ja eine Kantine geplant, und es gebe auch kulinarische Möglichkeiten dort vor Ort, holt er sogleich die Kuh vom Eis.

Plant den Umzug: Hermann Rauch. Foto: Nina Ernst

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Plant den Umzug: Hermann Rauch. Foto: Nina Ernst

Und schließlich gebe es ja gute Gründe, warum der Umzug erfolgen soll. Hermann Rauch zählt auf: beengte Platzverhältnisse in den Büros, steigender Personalbedarf, keine Klimatisierung der Räume. Außerdem sei die Bausubstanz teilweise sehr alt, eine Sanierung mache wirtschaftlich keinen Sinn. Und die abschließende Zusammenführung aller Mitarbeiter an einem Standort im 100. Jahr der Firmengeschichte hat natürlich seinen Charme. 1921 nämlich war es, als Hermann Rauch, also der Großvater des jetzigen Chefs, in der ehemaligen Altenburg-Brauerei am hiesigen Standort die „Fabrik für landwirtschaftliche Maschinen Gebrüder Rauch“ gegründet hat.

Jubiläumsfest wird nachgeholt

Am 1. August 1921 soll mit der Einrichtung der Fertigung begonnen worden sein. Gefertigt wurden auch schon damals allerlei Maschinen, die man für die Landwirtschaft so benötigte. Der eigentliche Grundstein wurde aber gar schon eine Generation früher gelegt: 1880 machte sich der Vater, Franz Rauch, als Schmied selbstständig. Und laut einer schon bestehenden Kurzchronik der Firma hatte er Großes vor, er soll gesagt haben: „Mutter, ich will Schmied werden, ich fange dann einmal ein Geschäft an. Dann brauchen die Sinzheimer nicht mehr nach Bühl laufen, wenn sie eine Kuhkette brauchen.“ Gesagt, getan, der Grundstein war gelegt. Der Grundstein für eine noch heute durch Familienhand geführte Firma, die zudem nicht mehr nur für Sinzheimer Kunden relevant ist. Und auch die Generation nach Hermann Rauch spielt schon mit: Neffe Martin Rauch ist schon im Leitungsteam, weitere Familienmitglieder stehen in den Startlöchern.

„Da sind wir schon stolz drauf“, freut sich Hermann Rauch über die Entwicklung. Und er schiebt gleich hinterher, dass die Familie die langjährige Tradition auch als Verpflichtung ansieht: Man möchte auch gute persönliche Kontakte zu den Mitarbeitern pflegen, und mit ihnen gemeinsam wachsen. Im nächsten Jahr ist die Firma dann zwar noch um ein weiteres Jahr gewachsen, aber das 100-jährige Bestehen soll dann trotzdem noch gefeiert. Dafür entsteht laut Hermann Rauch gerade eine Chronik, und für Mitarbeiter und Kunden soll das Jubiläumsfest dann im Juli 2022 nachgeholt werden.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Nina Ernst

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Erstellt:
22. Juli 2021, 14:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 49sec

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