Firma will in Mittelbaden Lithium fördern

Bühl/Ottersweier/Lichtenau/Rheinmünster (hol/ar) – Im südlichen Landkreis Rastatt will eine Firma aus Australien Erkundungen zur Lithiumförderung einholen. Doch die Gemeinden wehren sich.

Lithium ist wichtig für die Energiewende und die E-Mobilität: Ionenbatterie im VW-Werk Zwickau. Foto: AFP/Ronny Hartmann

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Lithium ist wichtig für die Energiewende und die E-Mobilität: Ionenbatterie im VW-Werk Zwickau. Foto: AFP/Ronny Hartmann

Gibt es Lithium im Oberrheingraben? Das will eine Firma aus Australien erkunden. Die Suche nach „Weißem Gold“, das wichtig ist bei der anstehenden Energiewende, soll im Oktober starten – auch auf dem Gebiet von Bühl, Lichtenau, Ottersweier und Rheinmünster. Doch den Bürgermeistern ist nicht wohl dabei.

Elektromobilität gewinnt an Bedeutung, für viele ist dies der Schlüssel zu umweltfreundlichem und klimaschonendem Autofahren. Hierfür werden jedoch große Batterien benötigt, für deren Herstellung Lithium gebraucht wird. Die Gewinnung von Lithium wird daher immer wichtiger.

Bereits 2019 musste Rheinmünster eine Stellungnahme abgeben zu einem Antrag auf bergrechtliche Erlaubnis zur Aufsuchung von Erdwärme, Sole und Lithium für gewerbliche Zwecke im sogenannten Feld Ortenau. Antragsteller war eine Firma aus Australien, die mit der GeoThermal Engineering GmbH mit Sitz in Karlsruhe zusammenarbeitet. Damals hatte der Rheinmünsteraner Gemeinderat das geplante Vorhaben grundsätzlich abgelehnt, wie auch sämtliche Nachbarkommunen. Auch mit Probebohrungen hatte man sich nicht einverstanden erklärt. Verwiesen wurde auf die zahlreichen Infrastruktureinrichtungen wie Polder, Regionalflughafen, Chemiepark, Industriegleis und -hafen für Transport und Umschlag von Gefahrgütern des Chemieparks Rheinmünster, Biogasanlage sowie die Gasfernleitung TENP, die nicht gefährdet werden dürften.

Firma bereits aktiv geworden

Doch das Thema bleibt aktuell. Zwischenzeitlich ist es das Unternehmen Vulkan Energie Ressourcen GmbH, eine Tochter der australischen Firma, das in der Region bereits mit Kontaktaufnahmen auch bei privaten Grundstückseigentümern tätig wurde. Wie Natascha Friedel vom Bauamt Rheinmünster kürzlich im Gemeinderat informierte, hat das Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau beim Regierungspräsidium Freiburg die Gemeinde aufgefordert, nochmals bis Freitag, 8. Oktober, eine Stellungnahme abzugeben.

Das gilt auch für die Nachbargemeinden im Landkreis Rastatt und für die Ortenau-Gemeinden Sasbach und Lauf. Aktuell stehe Rheinmünster mit Lichtenau, Ottersweier und Bühl in Abstimmungsgesprächen. „Wir bewerten die Bohrungen als gefährlich“, so Natascha Friedel, die aber darauf verwies, dass man im Genehmigungsverfahren lediglich gehört werde. In der Ratssitzung am Montag, 4. Oktober, wird ein Vertreter des Unternehmens das Projekt vorstellen.

Bürgermeister sehen die Technik kritisch

Auch der Ottersweierer Bürgermeister Jürgen Pfetzer macht klar: „Wir stehen der Technik sehr kritisch gegenüber.“ Er verweist auf die schlechten Erfahrungen mit Tiefenbohrungen, die im Elsass gemacht wurden. „Die Erdbeben waren bis Achern spürbar“, so Pfetzer. Doch das Landesamt in Freiburg sieht keine Möglichkeit, Erkundungsuntersuchungen zu verbieten. „Unseren Einwendungen wurde nicht gefolgt“, sagt der Bürgermeister: „Wir werden aber alle weiteren Schritte mit negativen Stellungnahmen bescheiden.“

„Es geht jetzt noch nicht um Bohrungen“, macht Pfetzer deutlich, sondern um seismische Untersuchungen des Untergrundes. Mithilfe eines Spezialfahrzeuges würden Stoßwellen in den Untergrund geschickt. Aus dem Echo könnten Experten schließen, ob es ein Lithium-Vorkommen gebe. Ein Vertreter der Vulkan Energie GmbH hat deshalb auch schon bei Pfetzer vorgesprochen – ohne Termin. „Etwas forsch und hemdsärmelig“ sei der Mann gewesen, sagt Pfetzer. Er habe einen Plan ausgebreitet und mitgeteilt, dass man im Oktober in Ottersweier erkunden wolle. „Mitten in der Maisernte. Da werden ihn sicher nicht alle Landwirte aufs Feld lassen“, so Pfetzer.

Auch Bühl lehnt Erkundungen ab. „Die Südschiene wird sich im Oktober sowieso treffen“, heißt es aus dem Rathaus. Dann werde auch dieses Thema bei Gesprächen der Gemeinden im südlichen Landkreis und im Ortenaukreis auf der Tagesordnung stehen.

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Erstellt:
27. September 2021, 11:00 Uhr
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