Flexibilität im Lockdown gefragt

Malsch (ar) – Mit Gutscheinaktion, Lieferservice und Click & Collect versuchen sich Malscher Einzelhändler und Gastronomen im Lockdown über Wasser zu halten. Hilfsgelder kommen nur schleppend.

Neue Ideen und Flexibilität sind während des coronabedingten Lockdowns gefragt, um die Kunden nicht zu verlieren, betont Wolfgang Elsässer von der IG Malsch. Foto: A. Gangl

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Neue Ideen und Flexibilität sind während des coronabedingten Lockdowns gefragt, um die Kunden nicht zu verlieren, betont Wolfgang Elsässer von der IG Malsch. Foto: A. Gangl

Die Gemeinde Malsch ist mit ihren knapp 15.000 Einwohnern zwar keine Stadt, aber es gibt ein reges Vereinsleben, gute Verkehrsanbindungen, ein aktives Industriegebiet und eine Vielfalt an Gewerbetreibenden, von denen viele angesichts der Corona-Pandemie vor großen Herausforderungen stehen. „Wir lieben Malsch“ heißt eine Initiative der Interessengemeinschaft Malsch (IG), mit der Geschäfte und Gastronomie im Ort unterstützt werden sollen.

Bereits vor der Pandemie mussten die Malscher Einzelhändler zwei Jahre lang mit einer Baustellensituation im Ortskern leben. Sozusagen am „offenen Herzen“ der Gemeinde wurde die innerörtliche Hochwasserschutzmaßnahme umgesetzt und parallel die Ortsmitte neu gestaltet. Im September vergangenen Jahres waren dann die wesentlichen Arbeiten erledigt.

„Es gefällt uns sehr gut, aber wir konnten die neue Ortsmitte noch nicht willkommen heißen oder feiern“, sagt Wolfgang Elsässer, Sprecher der IG Malsch. Schon während dieser beiden Jahre mussten die Geschäfte Umsatzeinbußen in Kauf nehmen, das Schuhgeschäft musste sogar aufgeben. Elsässer beziffert die Umsatzeinbußen aufgrund der Baustellen mit rund 30 Prozent.

Als Licht am Horizont und das Baustellenende zu erkennen war, traf das Coronavirus mit dem ersten Lockdown im Vorjahr die Einzelhändler. „Im Frühjahr boten die Lieferanten noch Rabatte an, Vermieter verzichteten teilweise auf die Mietzahlungen, die Politik hatte noch Geld, jeder hat gegeben, was er konnte“, erinnerte sich der IG-Sprecher.

Weniger Nachfrage nach Gutscheinen

Am 25. März rief die IG Malsch eine „Hilfe-Seite“ ins Leben. „Jetzt handeln: Unterstützen Sie unsere Malscher Geschäfte und die Gastronomie mit dem Kauf eines Gutscheins, während unserer schwierigen Ausnahmesituation“, stand auf der IG-Internetseite. Geschäfte, Restaurants, Friseure und viele mehr, auch Nicht-Mitglieder der IG hatten Gelegenheit, Gutscheine anzubieten. Doch während die Gutschein-Aktion während des ersten Lockdowns von vielen genutzt wurde, kaufen seit Beginn des zweiten Lockdowns Mitte Dezember nur wenige Gutscheine, wie Elsässer berichtet. „Jetzt haben alle nicht mehr so viel Geld“, vermutet der Einzelhändler, der selbst drei Modegeschäfte durch die Pandemie führen muss. Hinzu komme, dass die Hilfen der Bundesregierung an zu große Hürden gekoppelt seien, finanzielle Hilfen nur schleppend anliefen, die Einzelhändler aber an ihre monatlichen Abnahmeverträge der Hersteller gebunden seien. „Wir sind verpflichtet, Waren zu bestellen“, erklärt Elsässer, der noch Winterware hat, die Ware für Übergang und Frühjahr aber bereits abnehmen und bezahlen muss.

„Ich werde mich neu verschulden müssen“, sagt Elsässer, der seit 30 Jahren seine Modegeschäfte betreibt und hofft, dass diese bald wieder öffnen dürfen. „Sonst zieht es uns den Boden unter den Füßen weg. Wir Einzelhändler sitzen alle im gleichen Boot und rudern gemeinsam“, so der Geschäftsmann.

Während die IG Malsch weiter Gutscheine anbietet und dabei auch von der Gemeinde unterstützt wird, versucht die Gastronomie, sich mit Liefer- und Abholservice über Wasser zu halten. Einzelne Geschäfte bieten Click & Collect an.

„Ich habe über die Facebook-Seite des Geschäfts die Schuhe entdeckt und telefonisch bestellt“, erzählt Claudia Gessler aus Malsch. „Jetzt habe ich noch einen Pullover dazu gebraucht und Jeans für meinen Sohn“, erzählt sie weiter. Nach einem Anruf habe Elsässer ihr Fotos der Ware geschickt, die sie nun kontaktlos an der Tür abhole. Probiert werden die Jeans zuhause. Was nicht passt, wird nach Terminabsprache wieder an der Geschäftstür abgegeben. Neueste Idee des IG-Sprechers sind Überraschungsboxen, die in anderen Städten bereits ein Renner ist.

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Erstellt:
14. Februar 2021, 14:58 Uhr
Lesedauer:
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