Flucht in Kurstadt: Junge hat sein Kaninchen dabei

Baden-Baden (hol) – Nur das wichtigste und was sie tragen können, können sie retten: Ein ukrainischer Junge hat auf der Flucht sein Kaninchen mitgenommen – bis nach Baden-Baden. Ein BT-Kommentar.

•„Es gehört doch zur Familie“: Ein Junge hat sein Kaninchen aus der Ukraine gerettet. Foto: Manuela Mäder

© pr

•„Es gehört doch zur Familie“: Ein Junge hat sein Kaninchen aus der Ukraine gerettet. Foto: Manuela Mäder

Was Menschen mitten in Europa derzeit erleben müssen, weil ein alter weißer Mann in Moskau, dem Machtspielchen wichtiger sind als Menschenleben, auf Freiheit und Menschenrechte pfeift, das ist unsäglich. Zu Hunderten stranden sie in diesen Tagen, vertrieben und geflüchtet aus ihrer Heimat, auch in Baden-Baden. Tag für Tag werden Mitarbeiter der Stadtverwaltung, die mit der Erstaufnahme ukrainischer Flüchtlinge befasst sind, mit Familien konfrontiert, die alles hinter sich gelassen haben. Meist Frauen und Kinder, die auch ihren Männern und Vätern Lebewohl sagen mussten – ungewiss, ob sie sie jemals wieder sehen werden. Die Folgen dieses Geschehens werden die Gesellschaft wohl noch Generationen beschäftigen – nicht wirtschaftlich, sondern vor allem psychologisch.

Aus dem Kriegsgebiet bis nach Baden-Baden getragen: Das kleine Kaninchen war auch auf der Flucht dabei. Foto: Manuela Mäder

© pr

Aus dem Kriegsgebiet bis nach Baden-Baden getragen: Das kleine Kaninchen war auch auf der Flucht dabei. Foto: Manuela Mäder

Trost finden die Betroffenen in der akuten Situation nur im Kleinen. Ein Becher heißer Tee, Worte der Zuwendung, gespendete Kleidung. Der Trost für einen Jungen, der kürzlich zusammen mit seiner Mutter, drei anderen Frauen und sechs Kindern nach fünf anstrengenden Tagen der Flucht in der Kurstadt angekommen war, hat vier Beine und zwei Knopfaugen: Der Kleine hatte sein Kaninchen dabei. „Es gehört doch zur Familie“, habe er mit Tränen in den Augen erzählt, berichtet Manuela Mäder, die Mitarbeiterin einer Sicherheitsfirma, die die Ankunft der Gruppe selbst miterlebt hat und das so herzzerreißend fand, dass sie uns in einem Schreiben darüber berichtet. Die Frauen seien dankbar gewesen und hätten es gar nicht fassen können, wie herzlich sie in Baden-Baden empfangen worden seien, schreibt sie und betont: „Diejenigen, die sagen: Klar kommen die her – es gibt ja schließlich Geld, der hat noch nie in Kinderaugen gesehen, die direkt aus dem Krieg kommen.“ Diesen Worten ist nichts hinzuzufügen.

Ihr Autor

BT-Redakteur Harald Holzmann

Zum Artikel

Erstellt:
18. März 2022, 12:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 1min 53sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.