Flüchtlinge in Baden-Baden mieten eigene Wohnungen

Baden-Baden (hez) – Die Stadt hat Bilanz der Unterbringung von Asylbewerbern gezogen. Seit 2016 ist die Anzahl nur um rund zehn Prozent zurückgegangen und es werden wieder mehr Zuweisungen erwartet.

Die „kommunale Erstunterbringung“ der Flüchtlinge in Baden-Baden erfolgt am Waldseeplatz. Foto: Willi Walter

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Die „kommunale Erstunterbringung“ der Flüchtlinge in Baden-Baden erfolgt am Waldseeplatz. Foto: Willi Walter

Bei der Flüchtlingsunterbringung bleibt die Wohnungsversorgung für die Verwaltung eine große Herausforderung. Die städtischen Unterkünfte sind stark ausgelastet, mit einer Steigerung der Zuweisung wird gerechnet. Dies geht aus dem aktuellen Bericht der Stadt zur Flüchtlingsunterbringung und -betreuung hervor, der in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats im Blickpunkt stand.

Seit 2016 ist die Zahl der in städtischen Unterkünften Baden-Badens lebenden Flüchtlinge trotz einiger Fluktuation nur leicht um etwa zehn Prozent zurückgegangen. Darauf verwies Peter Weingärtner, Fachgebietsleiter Soziale Dienste, in seinem schriftlichen Bericht sowie in seinem Vortrag im Stadtparlament. 510 Zugängen standen in diesem Zeitraum 596 Abgänge gegenüber.

Ende August dieses Jahres waren 801 Flüchtlinge – darunter 35,2 Prozent weibliche Personen – in Gemeinschaftsunterkünften und Wohnungen der Stadt Baden-Baden untergebracht. Bei den Herkunftsländern steht Syrien an erster Stelle, gefolgt von Nigeria, Kamerun und Gambia. In diesem Jahr wurden bisher 14 Babys in Flüchtlingsfamilien geboren, 2020 und 2019 waren es jeweils 20.

Keine großen Reserven vorhanden

Von den 801 Personen in den kommunalen Unterkünften haben 41,1 Prozent eine Aufenthaltserlaubnis (nach Anerkennung im Asylverfahren), 40,8 Prozent eine Duldung (zum Beispiel nach abgelehntem Asylantrag mit einer Aussetzung der Abschiebung) und 18,1 Prozent eine Aufenthaltsgestattung (während eines laufenden Verfahrens). Bei rund 39 Prozent der Flüchtlinge handelt es sich um Kinder und Jugendliche.

Im Bereich der „kommunalen Erstunterbringung“ sind die 84 Plätze am Waldseeplatz derzeit zu 64,3 Prozent ausgelastet. Weitaus geringer ist der Freiraum bei der Anschlussunterbringung in den zur Verfügung stehenden Unterkünften: Hier waren Ende August 731 der 796 zur Verfügung stehenden Plätze belegt, was einer Auslastung von 92 Prozent entspricht. Mit anderen Worten: Große Reserven sind derzeit nicht vorhanden.

Dies beschäftigt die Verwaltung, wie Peter Weingärtner deutlich machte. Denn vom Regierungspräsidium Karlsruhe bekam man die Nachricht, dass zuletzt „massive Zuzüge“ von Flüchtlingen über Mazedonien und Albanien zu verzeichnen waren. Daher sei auch mit einer Steigerung der monatlichen Zuweisungen für Baden-Baden zu rechnen.

So will man auch verstärkt Flüchtlinge dazu bewegen, selbst Wohnraum anzumieten. Hier kann man schon auf Erfolge verweisen, denn seit 2016 ist es etwa 350 Flüchtlingen in Baden-Baden gelungen, Wohnungen auf dem regulären Wohnungsmarkt zu finden. Hierzu, so heißt es in dem Bericht, habe erheblich die Unterstützung der Beratungsdienste beigetragen, aber vor allem auch das Engagement der Ehrenamtlichen.

Einige Projekte können wieder starten

Eigene Wohnungen für Flüchtlinge hält die Verwaltung für sehr wichtig, denn „das Wohnen in Unterkünften kann insbesondere mit Blick auf die Integration nur eine vorübergehende Lösung sein“. Hilfreich dabei können Erkenntnisse des Jobcenters sein, nach denen immer mehr Flüchtlinge einer Arbeit nachgehen.

In seinem Bericht geht Weingärtner auch auf die soziale Betreuung unter Corona-Bedingungen ein. Die Pandemie sei für die Geflüchteten aufgrund der Wohnsituation, des Ausfalls von Sprachunterricht und wegen des eingeschränkten Kontakts zu den rund 200 Ehrenamtlichen eine besondere Herausforderung gewesen. Zahlreiche Veranstaltungen und Angebote konnten nicht stattfinden. Hinzu kamen Unsicherheiten über den Verbleib des Arbeits- oder Ausbildungsplatzes, die auch aufenthaltsrechtliche Aspekte tangieren.

Inzwischen sind rund 65 Prozent der Flüchtlinge in den städtischen Unterkünften Baden-Badens vollständig geimpft. Daher können mittlerweile nach und nach wieder einige Projekte starten.

Ihr Autor

BT-Redakteur Henning Zorn

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Erstellt:
14. Oktober 2021, 08:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 37sec

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