Flussseeschwalbe im Blick

Rastatt (ema) – Im Zuge der Renaturierung auf dem Gelände des früheren Kieswerks Peter lassen sich auf dem Wörthfeldsee Flussseeschwalben auf der neu gestalteten Kiesinsel beobachten.

Spaziergänger können das Brutgeschehen durch die Beobachtungswand verfolgen. Foto: Hugo Butz

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Spaziergänger können das Brutgeschehen durch die Beobachtungswand verfolgen. Foto: Hugo Butz

Auf eine neue Art der Tuchfühlung mit Tieren und Natur, vor allem der Flussseeschwalbe, kann man am Wörthfeldsee in den Rheinauen bei Plittersdorf gehen. Nachdem dort im vergangenen Jahr die Kiesinsel in dem Gewässer umgestaltet worden war, steht nun ein Beobachtungsposten in Gestalt einer Holzwand am Ufer.
Die Umgestaltung der Kiesinsel führte das Institut für Landschaftsökologie und Naturschutz (ILN) Bühl aus, das gemeinsam mit dem Naturschutzreferat beim Regierungspräsidium (RP) Karlsruhe und der elsässischen Vogelschutzorganisation LPO Alsace die Maßnahmen konzipiert hat und auf beiden Seiten der Oberrheinebene umsetzt. Die Finanzierung erfolgte durch das Projekt „Ramsar Biodiversität“ zu 50 Prozent durch die Europäische Union aus Mitteln des Interrreg-V-Programms und zu 50 Prozent durch die Naturschutzreferate der Regierungspräsidien Karlsruhe und Freiburg, so das ILN. Das Vorhaben ist Bestandteil der Renaturierung auf dem ehemaligen Betriebsgelände des Kieswerks Peter.

Angekündigt war im Zuge des Projekts auch der Bau einer Beobachtungswand, die es Spaziergängern ermöglicht, das Brutgeschehen der Vögel auf der Insel zu beobachten, ohne selbst die Tiere zu stören. Die derzeitige Wand mit Schilfmattenverkleidung ist allerdings nur ein Provisorium, wie ILN-Chef Volker Späth dem BT sagte: „Eine gute Infotafel ist erstellt, muss noch gedruckt und installiert werden. Im Herbst soll eine stabilere Holzkonstruktion errichtet werden.“

Interessante Naturbeobachtung

Die gesamte Maßnahme des Regierungspräsidiums wurde mit der Stadt Rastatt, der Fischergilde Plittersdorf und der Ortsverwaltung Plittersdorf abgestimmt. Die Beobachtungswand sieht in passenden Höhen für Erwachsene und Kinder kleine Beobachtungsfenster vor.

„Bisher war das Ufer gegenüber der alten Insel ein bevorzugter Aussichtspunkt, aber auch eine Hundebadestelle“, erläuterte Späth bei der Vorstellung des Projekts. „Zukünftig ist nach wie vor ein Überblick auf den See möglich, gleichzeitig aber auch eine interessante Naturbeobachtung – ohne die Vögel zu verscheuchen.“

Da die Flussseeschwalbe in der Region keine natürlichen Brutplätze mehr findet, wurden für sie am Bärensee und am Wörthfeldsee im vergangenen Jahr auch Brutflöße installiert. Ein großes Floß sei vor wenigen Tagen wieder an der alten Stelle im Wörthfeldsee positioniert worden, berichtet der ILN-Chef.

Im vergangenen Frühjahr hatten auf dem installierten Brutfloß insgesamt 15 Brutpaare der Flussseeschwalbe ab Mitte Mai gebrütet und ihre Jungen bis Mitte Juli aufgezogen. Dies war ein spontaner Erfolg, der durch die gute Zusammenarbeit mit der Fischergilde und der Ortsverwaltung Plittersdorf zustande kam, wie das ILN bilanzierte. Jetzt seien wieder Flussseeschwalben gesichtet worden, die sich nach den Brutplätzen umschauen würden, berichtet Späth.

Erholungsuchende und Paddler werden nun gebeten, die Regelungen der Verordnung für das Naturschutzgebiet einzuhalten und entsprechende Abstände zum Brutfloß zu wahren.

Bei der Inselumgestaltung waren die Gehölze gerodet und eine neue Kiesschicht aufgetragen worden. Das kleine Eiland entspricht nun den typischen Kiesinseln im Wildstrom Rhein vor der Tullaschen Rheinkorrektur. Damals zählte man zwischen Basel und Rastatt etwa 2.000 Kiesinseln, auf denen regelmäßig Flussseeschwalbe, Flussregenpfeifer und Flussuferläufer brüteten.


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