Fluten der Ahr zerstören Existenz einer Fautenbacherin

Achern/Mayschoß (BT) – Die aus Fautenbach stammende Carola Kempen steht vor den Trümmern ihrer Existenz: Ihr Hotel-Restaurant „Jägerstübchen“ wurde nach dem Hochwasser der Ahr abgerissen.

In der letzten Juli-Woche rückten die Abrissbagger am Hotel-Restaurant „Jägerstübchen“ in Mayschoß an. Foto: privat

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In der letzten Juli-Woche rückten die Abrissbagger am Hotel-Restaurant „Jägerstübchen“ in Mayschoß an. Foto: privat

Das „Jägerstübchen“ ist endgültig Geschichte: Das Hotel-Restaurant der Fautenbacherin Carola Kempen und ihres Ehemanns Karl-Peter im rheinland-pfälzischen Mayschoß wurde abgerissen, nachdem im Juli das Hochwasser der Ahr mit zerstörerischer Kraft in dem 900-Seelen-Örtchen gewütet hatte.

In einer viertägigen Aktion versuchte sich zunächst ein Räumpanzer von Bundeswehrhelfern an dem Gebäude – und scheiterte dem Vernehmen nach kläglich: Das schwere Gerät ging dabei kaputt. Den Rest der Arbeit erledigten über vier Tage hinweg die Bagger eines Abrissunternehmens.

Das Hotel der Kempens, in dem das Paar mit dem erst wenige Monate alten Sohn Lukas auch gewohnt hatte, war das erste Gebäude im Ort, das nach der Flutkatastrophe eingeebnet wurde. In Mayschoß steht heute kaum noch ein Stein auf dem anderen: Rund 50 Prozent aller Häuser seien den Wassermassen zum Opfer gefallen, sagt Kempen, die mit ihrer Familie in einer Nacht-und-Nebel-Aktion auf einen Berg geflüchtet war, mit dem Helikopter gerettet wurde und heute buchstäblich vor den Trümmern ihrer Existenz steht.

Die Fautenbacherin Carola Kempen und Ehemann Karl-Peter mit Sohn Lukas stehen in Mayschoß (Rheinland-Pfalz) vor den Überbleibseln ihres ehemaligen Zuhauses. Foto: privat

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Die Fautenbacherin Carola Kempen und Ehemann Karl-Peter mit Sohn Lukas stehen in Mayschoß (Rheinland-Pfalz) vor den Überbleibseln ihres ehemaligen Zuhauses. Foto: privat

Vorübergehend war Kempen bei ihrer Familie in Fautenbach untergekommen – um Abstand zu gewinnen, wie sie sagt. Doch das war gar nicht so leicht. Schnell hatte sich ihr Schicksal im Ort herumgesprochen, die Anteilnahme sei unglaublich groß gewesen, ein jeder habe helfen wollen: „Lukas kann sich vor Spielzeug und Klamotten kaum mehr retten“, sagt die Mutter.

Derzeit leben die Kempens in der Ferienwohnung von Bekannten am Nürburgring. Fast täglich pendeln sie die 70 Kilometer lange, noch immer von kaputter Infrastruktur geprägte Strecke zu ihrem früheren Wohnort. Um dort nach dem Rechten zu sehen und vielleicht doch noch etwas Verwertbares in den Trümmern zu finden. Zu gern hätte Kempens Gatte seinen Weinkeller gerettet. Aber daraus wurde nichts. Wenigstens habe ihnen ein Schrotthändler ein paar Euro für Metall dagelassen, das er gebrauchen konnte.

Denn das Geld wird knapp für die Kempens, die derzeit nach eigener Aussage nur von Elterngeld und Erspartem leben. Ihr Mann, berichtet Carola Kempen, habe auch Kontakt mit dem Amt aufgenommen, um Arbeitslosengeld II zu beantragen.

Familie hat Anwalt eingeschaltet

Das Problem: Das Unternehmen, bei denen die Geschädigten eine Gebäudeversicherung abgeschlossen hatten, verweigert offenbar die Zahlung: „Die sagen, wir seien zwar gegen Elementarschäden versichert, aber nicht gegen eine Flut.“ Überprüfen könne man das momentan nicht, denn alle Unterlagen seien dem Wasser zum Opfer gefallen, sagt Kempen. Die Gesamtschadenshöhe beziffert Kempen mit mehr als einer Million Euro. „Was passiert, wenn die Versicherung nicht zahlt, wollen wir uns gar nicht ausmalen.“ Ein Anwalt kümmere sich nun um alles Weitere.

Im November endet Carola Kempens Mutterschutz. Dann kehrt die Wirtschaftsjuristin an ihren Arbeitsplatz in Wiesbaden zurück, um wieder in den Beruf einzusteigen. Sie wird dann voraussichtlich die Hauptverdienerin im Haus sein.

„Spiegel-TV“ hatte in einer Sendung vom 26. Juli über die Zerstörungen durch das Ahr-Hochwasser berichtet. Das Video über das Schicksal der Kempens ist unter folgendem Kurzlink abrufbar: www.bit.ly/3gexBUX (etwa ab Minute 17).

Ihr Autor

Martin Egg

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Erstellt:
24. August 2021, 14:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 31sec

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