Förch hat nicht nur das Schloss Favorite

Rastatt (kba) – Ein Fotoprojekt von Architekturstudierenden des KIT nimmt die Rastatter Dörfer in den Fokus. In der Fortsetzung der BT-Serie „Dorf im Profil“ geht es um Förch und Niederbühl.

Schlossgarten-Ästhetik im Privaten: Bis in die 1970er hinein waren neue Bauplätze oft noch sehr großzügig bemessen. Heute stehen in der Regel nur noch 300 oder gar weniger Quadratmeter pro Wohneinheit zur Verfügung. Foto: Marie Kamp

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Schlossgarten-Ästhetik im Privaten: Bis in die 1970er hinein waren neue Bauplätze oft noch sehr großzügig bemessen. Heute stehen in der Regel nur noch 300 oder gar weniger Quadratmeter pro Wohneinheit zur Verfügung. Foto: Marie Kamp

Alte Bäume und Orangerien, Kieselfassaden und eine Eremitage? Denkt man an Förch, tritt meist auch Schloss Favorite auf den Plan. Und gar zu oft schon wurde der mit rund 440 Einwohnern kleinste Rastatter Ortsteil, Förch, von Schlossbesuchern als Ausweich-Parkplatz missbraucht. Die zwölf Master-Studierenden der KIT Stadtquartiersplanung beim Seminar „Village Scan“ haben bewusst den Blick geweitet und auf das gelenkt, was in Förch jenseits ausladender Schlossanlagen und üppiger Parks zu finden ist – und ein paar hübsche Ecken festgehalten.

Für ein fächerübergreifendes Kunstprojekt haben sie sich eingehend mit dem Ortsbild und den Strukturen der Rastatter Dörfer beschäftigt, um jenseits primärer Lernziele mithilfe künstlerischer Fotografie ein tieferes Verständnis für die stadtplanerische Wirklichkeit zu entwickeln. Verwaltungsmäßig ist das Dorf beim Sommerschlösschen mit dem deutlich größeren Niederbühl verbunden, in das es bereits um 1700 eingemeindet wurde. Zu Rastatt kamen Niederbühl und damit Förch dann, wie auch die anderen vier Dörfer, 1972 bei der Gemeindereform in Baden-Württemberg.

Fotografie schult das Auge

Hat das Ried den Rhein, hat Niederbühl den Schwarzwald, genauer das Murgtal im Blick. Im Südosten von Rastatt gelegen, kommen noch vor Förch im Hintergrund die ersten Hügel und Wälder in Sicht, dann der Battert und das Alte Schloss, das nachts beleuchtet ist. Zur Kernstadt hin grenzt von allen Rastatter Dörfern nur die Bebauung Niederbühls quasi direkt an jene der Kernstadt, wenn auch nicht entlang der Hauptverkehrsstraße. Lediglich durch die Bahnlinie Karlsruhe-Basel sind Kernstadt und Dorf noch getrennt.

Jeff Mirkes, der das Seminar mitbetreute, sieht bei dem Fotoprojekt gleich mehrere Anknüpfungspunkte für die Architektenausbildung. Nicht nur schule die Fotografie das Auge und sei somit auch als Analyseübung geeignet: „Das Entwerferische daran ist, im nächsten Schritt zu überlegen, wie kriege ich transportiert, was ich in den Bildern sehe.“

Einen Ort mit vier bis fünf aussagekräftigen Bildern zu beschreiben, sei auf der anderen Seite manchmal auch ein guter Start, um die Lust auf eine gesteuerte Dorfentwicklung zu wecken, „anstatt gleich alles mit Einfamilien-Eigenheimen zuzuballern“. Ebenfalls spannend war, was die angehenden Architekten und Architektinnen, die die Orte meist vorher nicht kannten, hier zusammentrugen.

Fotostrecke
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Förch hat nicht nur das Schloss Favorite
Manche Neubauten lassen ihre Nachbarschaft ganz schön alt aussehen, wie Yilmaz Kübra in „Generationen“ zeigt. Foto: Yilmaz Kübra

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Förch hat nicht nur das Schloss Favorite
Wer Niederbühl kennt, erkennt es schon von Weitem – zum Beispiel an seinem „krummen“ Kirchturm. Foto: Sophie Klaß

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Förch hat nicht nur das Schloss Favorite
Lüften, lüften, lüften: Auch die Kirche St. Laurentius in Niederbühl schnappt im Corona-Jahr 2020 nach Luft. Foto: Paula Holtmann

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Kirche in fast allen Dörfern das prägendste Gebäude

Yilmaz Kübra dokumentierte mit ihren Bildern für „Generationen“ den strukturellen Wandel, dem viele Dörfer nun unterliegen, anhand des Nebeneinanders verschiedener Gebäudestrukturen, und den Auswirkungen eben dieses auf das Straßenbild.

„Back to the roots“ – zurück auf Anfang – führte Sophie Klaß ihre Suche nach den markantesten Gebäuden in den Dörfern. Wie lautet ihre Erkenntnis? „Es hat sich schnell herausgestellt, dass die Kirche in fast allen Rastatter Dörfern das prägendste Gebäude ist, das meist schon von Weitem sichtbar ist, um das herum sich der Dorfkern bildet und das das Dorfbild bestimmt.“ Man sollte die Kirche halt doch im Dorf lassen.

Sämtliche Fotos aller sechs Rastatter Dörfer gibt es auch im Internet zu sehen: www.dorf-identitaet.de

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Ein frischer Blick auf das Rastatter Dorfleben

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Erstellt:
7. April 2021, 14:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 31sec

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Manche Neubauten lassen ihre Nachbarschaft ganz schön alt aussehen, wie Yilmaz Kübra in „Generationen“ zeigt. Foto: Yilmaz Kübra

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