Förster leitet letztes Finalkonzert der Philharmonie

Baden-Baden (BT) – Beim letzten Finalkonzert um den Chefposten bei der Philharmonie Baden-Baden hat Dirigent Heiko Mathias Förster Schumanns „Rheinische Sinfonie“ am Ende mit Eleganz veredelt.

Dirigent Heiko Mathias Förster leitet die „Rheinische Sinfonie“ von Robert Schumann am Pult der Philharmonie Baden-Baden.  Foto: Philharmonie

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Dirigent Heiko Mathias Förster leitet die „Rheinische Sinfonie“ von Robert Schumann am Pult der Philharmonie Baden-Baden. Foto: Philharmonie

Not macht erfinderisch. Nun also die finale Präsentation eines Bewerbers für den neu zu vergebenden Chef-Posten der Philharmonie Baden-Baden wiederum im Netz. Masken hängen an den Notenständern, Plexiglasscheiben trennen einzelne Positionen der Musiker. Es stehen wieder monumentale Werke auf dem Programm, die der Dirigent Heiko Mathias Förster zu bewältigen hat. Auch er ist, wie seine Mitbewerber, ein längst anerkannter Mann an den Pulten der Klassik-Szene, unter anderem war er langjähriger Generalmusikdirektor der Neuen Philharmonie Westfalen.

Das einleitende Solistenkonzert bestreitet dieses Mal die Pianistin Woo-Rim Lee mit dem hinlänglich bekannten e-Moll-Konzert von Frédéric Chopin. Wer da neue Sichtweisen erwartet, wird nicht eben fündig. Die in Südkorea gebürtige Tastenkünstlerin hat an der Musikhochschule Karlsruhe studiert.

Ein Bedächtiger seines Fachs

Mag sein, das Konzert ist etwas für den Zuhörer etwas überstrapaziert. An ihrem Gestalten der Dynamik ist eigentlich nichts zu bemängeln, ihr auf Dialog achtender Anschlag befindet sich stets mit einem lebhaften Austausch mit dem Klangkörper. Jedoch verliert sie sich gerade im Hit der romantisch gefärbten Notenwelt etwas im Kopfsatz.

Ausgeglichen wird dies durch den Dirigenten, ein Bedächtiger seines Fachs. Um nicht zu sagen, ein Anhänger reduzierter Tempi. Was auch bei Robert Schumanns „Rheinischer Sinfonie“ zutage kommt. Der Rhein zieht sich durch Schumanns Leben wie ein roter Faden. Im Rheinland durchlebte er seine glücklichsten und seine schwärzesten Momente. Eigentlich kann man bei den supergenauen Angaben in der Partitur zur Phrasierung, zu Tempi, zur Dynamik alles herauslesen, kaum kann etwas falsch gemacht werden.

Leider verhungern die kraftvollen „Florestan“-Linien, die eigentlich vollen Charakters sein könnten, im Grunde genommen im vegetarischen Menü. Kein Zweifel aber, der Finalsatz besticht durch seine Eleganz, wiederum von den Bläsern der Philharmonie veredelt. Aber jedoch von Förster am Pult so präsentiert, als wäre Jogging nicht gerade seine Lieblingssportart.

Ihr Autor

Udo Barth

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Erstellt:
9. Mai 2021, 23:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 1min 56sec

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