Forbach: Abwahl des Vorgängers hallt nach

Forbach (BT) – 2014 fegte sie als 37-jährige Rechtsanwältin mit 64,8 Prozent Kuno Kußmann aus dem Bürgermeisteramt. Acht Jahre später stellt sie sich nicht der Wiederwahl: Interview mit Katrin Buhrke.

Nach acht Jahren ist Schluss: Forbachs Bürgermeisterin Katrin Buhrke tritt nicht für eine zweite Amtszeit an. Foto: Reinhold Bauer/Archiv

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Nach acht Jahren ist Schluss: Forbachs Bürgermeisterin Katrin Buhrke tritt nicht für eine zweite Amtszeit an. Foto: Reinhold Bauer/Archiv

BT: Frau Buhrke, was waren die Gründe für Ihre Entscheidung, sich nicht für eine zweite Amtszeit zur Verfügung zu stellen? In der Gemeinderatssitzung sprachen Sie von „vielen Erfahrungen“, die Sie während Ihrer Amtszeit gemacht haben, die auch zu Ihrer Entscheidung beigetragen hätten.
Katrin Buhrke: Eine abschließende Aufzählung der Gründe ist mir nicht möglich. Diese sind vielschichtig und in vielen Bereichen angesiedelt.

Zu meinen Erfahrungen, die auch zu der Entscheidung führten, wie folgt: Ich hätte mir oftmals mehr Mut zur Veränderung gewünscht beziehungsweise die Offenheit Änderungen anzudenken, zu diskutieren. Vieles schien wie zementiert; auf das Rütteln an Strukturen und seien es auch kleine Bereiche, erfolgten zum Teil sehr emotionale Reaktionen, ohne sich auf das Thema einzulassen. Ich habe meine Wahl als Wunsch nach Veränderung verstanden. Es aber anders zu wünschen, ohne Änderungen vorzunehmen, ist schlechterdings nicht möglich.

BT: Nennen Sie ein Beispiel?
Buhrke: Ich habe mir mit der Diskussion um die Abschaffung der Unechten Teilortswahl eine Auseinandersetzung mit den bisherigen Strukturen gewünscht. Leider musste ich aber feststellen, dass hiernach die Ortsteilbezogenheit eher zunahm. Ich würde mir für Forbach wünschen, dass fast ein halbes Jahrhundert nach der Eingemeindung ein tatsächliches Zusammenwachsen stattfindet, Strukturen zusammengeführt werden könnten (zum Beispiel Hallen). Nur so können Spielräume frei werden, um Neues zu schaffen. Ich musste die Erfahrung machen, dass das negative Stimmungsbild, welches ich vor meiner Wahl ansprach, sich leider nicht verändert hat.

BT: Das lag vielleicht an Ihnen?

Buhrke: Da ich es bereits vor meiner Wahl angesprochen und damit wahrgenommen habe, kann ich es zumindest nicht ausgelöst haben oder ursächlich sein. Eine Änderung hat sich in meiner Amtszeit aber leider auch nicht wahrnehmbar ergeben.

BT: Was meinen Sie konkret mit negativem Stimmungsbild?
Buhrke: Eine wahrzunehmende latente Unzufriedenheit, deren Ursache schwer zu fassen ist. Ein eher negativer Blick auf die eigene Gemeinde, ohne die unzähligen positiven Seiten und Entwicklungen in den Blick einzustellen.

Dabei haben in den letzten Jahren einige neue Gewerbebetriebe eröffnet und sich die Leerstände verringert, auch im touristischen Bereich, es gab endlich wieder Bauplatzverkäufe und das Interesse an Forbach als Wohnort ist so hoch, dass an der Ausweisung eines neuen Baugebietes gearbeitet wird. Zuvor lagen die Bauplätze wie Blei, es gab kaum Bewegung in diesem Bereich.

Auch haben wir erfreulicherweise keine Diskussion über die Schließung von Kindergärten geführt, wie in der Vergangenheit, sondern im Gegenteil. Auch erfreut sich diese Gemeinde einer immer weiter steigenden Beliebtheit als Ausflugsziel. Diese positiven Entwicklungen, würde ich mir wünschen, sollten ankommen und dazu führen, dass sich das Stimmungsbild wandelt. Denn Forbach kann nur so von außen wahrgenommen werden, wie es sich selbst präsentiert. Ich jedenfalls würde mir wünschen, dass sich Forbach endlich so sieht, wie es ist. Wunderschön.

BT: Nun, Sie haben sich – und damit Forbach – auch nicht unbedingt offensiv präsentiert.
Buhrke: Wohl nicht offensiv, was meine Person anbelangt, jedoch offenkundig erfolgreich, was die Gemeinde Forbach betrifft. Es besteht ein sehr großes Interesse an Forbach als künftigem Wohnort, was das hohe Interesse an den Bauplätzen zeigt und auch als Ausflugs- und Urlaubsziel ist Forbach sehr beliebt, sicherlich auch dank der verbesserten Bewerbung durch den Zusammenschluss mit Baiersbronn. Hier würde ich mir wünschen, dass dieses Potenzial durch private Initiative, durch die Schaffung von Angeboten stärker genutzt wird. Ich musste die Erfahrung machen, dass ich Prioritäten anders setze.

BT: Welche Priorität hat für Sie das Vereinsleben im Ort?
Buhrke: Forbach hat mit 70 Vereinen eine vielfältige und intakte Vereinswelt, die durch die Gemeinde an vielen Stellen Unterstützung findet. Sei es finanzieller Natur, sei es durch die Vorhaltung zahlreicher Hallen, Plätze und so weiter. Diese Unterstützung ist richtig und wichtig und das Ehrenamt von hoher Bedeutung für diesen Ort. Ich musste jedoch die Erfahrung machen, dass durch den Aufbau einer sehr umfangreichen und umfänglichen Unterstützung in der Zeit vor meinem Amtsantritt vieles als gegeben angesehen wurde, das für mich notwendige kritische Hinterfragen, gerade auch in unserer finanziellen Situation, als Affront empfunden wurde und nicht als das, was es ist: Ein Orientieren am Gemeinwohl und an dem, was möglich und vertretbar ist.

BT: Man hatte den Eindruck, Sie stehen unter besonderer Beobachtung von einigen Leuten in der Gemeinde.

Buhrke: Im persönlichen Bereich habe ich die Erfahrung gemacht, dass nicht immer fair mit mir umgegangen wurde und die Abwahl 2014 bis heute nachhallt. Die Erfahrung, dass oftmals eine Rechtfertigung dafür notwendig ist, dass nach Recht und Gesetz gehandelt wird und eine Gleichbehandlung aller stattfindet, ließ mich teilweise staunen.

Ich habe aber, das gehört ganz sicher dazu, auch sehr viele gute Erfahrungen gemacht. Unzählige gute Gespräche, interessante Begegnungen und viele spannende Themen, die neu und damit sehr interessant für mich waren, prägten die letzten Jahre seit meinem Amtsantritt. Ebenso die Zusammenarbeit mit tollen Mitarbeitern und den Nachbarkommunen.

BT: Wann genau ist die Entscheidung gefallen, kein zweites Mal zu kandidieren?
Buhrke: Die Entscheidung fiel am Ende eines längeren Prozesses des Auswertens und Reflektierens. Eine solche Entscheidung trifft man, ist sie doch bedeutend, nicht an einem Tag. Ende November habe ich mir eine Woche Auszeit genommen, um meine Entscheidung nochmals in Ruhe zu prüfen. Ich blieb bei meiner Entscheidung, nicht erneut anzutreten.

BT: Warum haben Sie so lange gewartet, Gemeinderat und Öffentlichkeit über Ihre Entscheidung zu informieren?
Buhrke: Ich habe nicht lange gewartet, sondern die Entscheidung zu dem Zeitpunkt mitgeteilt, den ich für mich als den richtigen ausgemacht habe. Zuvor erfolgte keine Anfrage aus den Fraktionen.

BT: Wie geht es nun für Sie beruflich weiter?
Buhrke: Es gibt für mich mehrere Optionen und Möglichkeiten, die ich mit der notwendigen Ruhe prüfen werde. Meine Anwaltszulassung habe ich mit Beginn meiner Amtszeit jedenfalls nicht zurückgegeben. Die Zulassung ruht derzeit lediglich. Ich bin mir sicher, dass ich auch künftig auf spannende und herausfordernde Aufgaben stoßen werde und freue mich darauf.

BT: Welches Fazit ziehen Sie für Ihre achtjährige Amtszeit?
Buhrke: Ein positives, gemessen an den Prioritäten, die ich setze und gemessen an dem, was es abzuarbeiten galt.

BT: Was lief gut?
Buhrke: Die Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern, deren hochengagiertes und motiviertes Zusammenwirken liefen hervorragend und es hat mir stets viel Freude bereitet, in und mit diesem Team zu arbeiten. Auch deshalb ist meine Entscheidung zwar klar, aber sicher nicht emotionslos gefallen. Ich habe auch schon die eine oder andere Träne vergossen.

Kein „Drang zur Selbstdarstellung“

BT: Was lief nicht gut?
Buhrke: Die Zusammenarbeit mit dem Gremium lief nicht immer gut. Die ersten Jahre waren nicht immer von der Arbeit an der Sache geprägt. Zuletzt fehlte mir eine echte Debattenkultur. Ich habe in den Jahren meiner Amtszeit auf Vorberatungen bewusst verzichtet, um eine konstruktive Diskussion zu ermöglichen, ein Ringen um die beste Lösung. Die dadurch entstehende Transparenz der Entscheidungswege hätte die eine oder andere schwierige Entscheidung für die Bürgerinnen und Bürger sicherlich nachvollziehbarer gemacht. Wir hätten uns über rege Diskussionen gefreut und hätten auf Vertagungen gerne verzichtet.

BT: Welche Projekte, die Sie sich vorgenommen haben, konnten Sie 2014 bis 2022 umsetzen, welche nicht?

Buhrke: Ich bin noch einige Monate im Amt und für einen umfänglichen Rückblick ist es noch zu früh, will ich doch in den kommenden Monaten in unterschiedlichen Bereichen, wie dem Glasfaserausbau in Forbach, Bermersbach, Gausbach und Langenbrand, der möglichen Ausweisung eines neuen Baugebietes sowie den Klimaschutzmaßnahmen noch weiter vorankommen. Es wird also am Ende meiner Amtszeit sicherlich Raum für einen Gesamtrückblick geben.

Stelle frei: Im Forbacher Rathaus soll ein neuer Amtsinhaber einziehen. Foto: Markus Mack/Archiv

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Stelle frei: Im Forbacher Rathaus soll ein neuer Amtsinhaber einziehen. Foto: Markus Mack/Archiv

BT: Und ein Teilrückblick?
Buhrke: Viele Projekte wurden mir nach erfolgter Inventur und erfolgtem Blick unter jeden Deckel vorgegeben. So mussten wir aufgrund des maroden Zustandes der Wasserwerke und der angeordneten Dauerchlorierung in die Sanierung der Wasserwerke einsteigen und zur Überbrückung Ultrafiltrationsanlagen einsetzen. Ein Werk ist fertig, Hundsbach ist gerade im Bau.

Ebenso verhielt es sich mit den Brücken. Drei sind fertiggestellt, die übrigen sollten nach Priorität angegangen werden. Auch die Verdolung des Grundbachs bei der Festhalle Langenbrand konnte nicht aufgeschoben werden, nachdem wir einen genauen Blick auf den schlechten Zustand geworfen hatten.

Wir haben die Schule saniert und digitalisiert, drei Wehren geräuschlos zusammengelegt und das Gerätehaus umgebaut. Der Breitbandausbau in den sogenannten Alten Ortsteilen, verbunden mit dem Verlegen der Freileitungen ins Erdreich, ist in vollem Gange und zum Teil bereits abgeschlossen. Die Hauptstraße in Forbach wurde neu gestaltet sowie die Sanierung der Ortsdurchfahrt Langenbrand abgeschlossen. Die Abschaffung der Unechten Teilortswahl im ersten Anlauf konnte gelingen. Der Abschied vom Neubau der Sporthalle ist geglückt.

Ich hatte mir ein eine Verbesserung der Außendarstellung gewünscht. Durch das neue Logo, dessen Zusatz „Die wilde Mitte des Tals“ aus meiner Feder stammt, konnte das Amtsblatt eine Modernisierung und Aufwertung erfahren sowie ein einheitliches Bild erzeugt werden. Auch wurde eine neue Homepage gestaltet, welche viel Lob erfährt.

BT: Die Ruine der Papierfabrik ...
Buhrke: Ich hätte mir gewünscht, im Thema „Wolfsheck“ einen Abschluss erreichen zu können. Dies hatte ich mir vorgenommen. Ein Angebot lag vor und die Verträge waren bereits in Ausarbeitung, als leider das Angebot zurückgenommen wurde. Ich hoffe, dass in dieses Thema nochmals Bewegung kommen kann, wenn auch nicht mehr mit mir als Verhandlerin.

In allen Bereichen, die wir untersucht haben, haben wir Pläne zur Realisierung erstellt. Leider betreffen sie, wie oben dargestellt, in großem Maße den Abbau des Sanierungsstaus.

Gerne hätte ich noch die Diskussion um einen möglichen Abbau mehrfach vorhandener Infrastrukturen, beispielsweise Hallen, weiter geführt. Denn ich bin überzeugt, dass die engen finanziellen Spielräume Anlass sein sollten, sich auch diesem ernsthaft zu widmen.

Gewünscht habe ich mir die Ausrichtung der Klingenbachschule als Natur- oder Nationalparkschule. Das hat geklappt.

BT: Gibt es Dinge, die Sie rückblickend jetzt eventuell anders machen würden?
Buhrke: In der Tat, da darf ich Ihrem Kollegen Stephan Juch recht geben, fehlt mir offenbar das „Politiker-Gen“ und in der Tat habe ich nicht laut genug auf das aufmerksam gemacht, was wir in den letzten Jahren geleistet, abgearbeitet, umgesetzt und auf den Weg gebracht haben. Ich bedauere dies vor allem deshalb, weil die hervorragende und hoch engagierte Arbeit aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Gemeinde ohne die dieses Pensum nie hätte umgesetzt werden können, damit nicht die Würdigung erfahren hat, die sicherlich angezeigt gewesen wäre.

Ob ich es anders hätte machen können oder wollen, weiß ich nicht, denn wie gesagt, es scheint mir hier der Drang zur Selbstdarstellung zu fehlen. Für mich stand die Arbeit im Vordergrund und davon hatten wir dank des aufgedeckten Staus an zentralen Stellen wahrlich genug.

Derzeit eine Bewerbung

Die Forbacher wählen am Sonntag, 13. März, einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin für Bürgermeisterin Katrin Buhrke. Nach Auskunft der Gemeindeverwaltung lag bis Freitagnachmittag eine Bewerbung vor. Bewerbungen können bis zum 14. Februar, 18 Uhr, eingereicht werden. Falls am 13. März kein Kandidat die absolute Mehrheit erhält, wäre ein zweiter Wahlgang am 3. April.


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