Forbach: EnBW-Großbaustelle frühestens 2022

Forbach (mm) – „Das Projekt Pumpspeicherkraftwerk in Forbach wird mit viel Aufwand vorangetrieben“, betont die EnBW auf BT-Anfrage. Gleichwohl wäre ein frühester Baubeginn erst im Jahr 2022.

Das Niederdruckwerk des Forbacher Rudolf-Fettweis-Werks der EnBW. Foto: Margrit Haller-Reif/Archiv

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Das Niederdruckwerk des Forbacher Rudolf-Fettweis-Werks der EnBW. Foto: Margrit Haller-Reif/Archiv

Die Phase der Offenlage wurde im Herbst/Winter 2019 abgeschlossen. Positiv für das Energieunternehmen war, dass es aus der Forbacher Bürgerschaft keine Einwendungen gegen das Projekt gegeben habe. „Dies belegt für uns die weiterhin große Akzeptanz des Projekts bei den Forbacher Bürgern“, erläutert Ralph Eckhardt, Pressesprecher der EnBW. Seitens der Fachbehörden (Naturschutzbehörden, Forst, Bergamt) und weiterer Träger öffentlicher Belange und von Verbänden habe die EnBW teils sehr ausführliche Stellungnahmen zum Projekt erhalten. Dieser Prozess zog sich bis in den Frühsommer 2020. Die Stellungnahmen würden derzeit bearbeitet.

Aus den Stellungnahmen habe sich mit der Verwertung des Ausbruchmaterials ein wesentlicher Themenkomplex ergeben, der derzeit nochmals planerisch und von Genehmigungsseite her untersucht wird. Planerische Zielstellung sei, das Ausbruchmaterial möglichst in der Region zu belassen. Ein weiter Transport, auch auf der Schiene, soll vermieden werden. Eine Anpassung des Planfeststellungsantrags für die Genehmigungsbehörde ist hierzu in Vorbereitung.

Mindestwassermenge für die Murg

Nach Anpassung dieses Antrags könne dann das Planfeststellungsverfahren fortgesetzt werden. Bezüglich des Wassermanagements bei Niedrigwasser gebe es bereits eine praktizierte Lösung: Seit 2016 werde eine Mindestwassermenge in Kirschbaumwasen in die Murg abgegeben.

Derzeit laufen ebenfalls die technischen Vorbereitungen für das Projekt. Mehrere Ausführungslose befinden sich in der Ausschreibung. Verhandlungen mit potenziellen Lieferanten haben begonnen. Die gesamte Ausschreibungs- und Vergabephase wird bis ins dritte Quartal 2021 andauern.

Bis dahin wird sich auch der genaue Kostenrahmen für das Projekt nochmals konkretisieren lassen. Ein Baubeschluss der EnBW ist je nach Genehmigungslage frühestens im Herbst 2021 geplant. Frühester Baubeginn ist damit 2022.

Die Corona-Pandemie ändere nichts an der Tatsache, dass an der Anlage in Forbach ein erheblicher Erneuerungsbedarf bestehe. „Wie sich dort die Lage gesamtenergiewirtschaftlich im nächsten Jahr weiterentwickelt, bleibt abzuwarten“, erläutert Eckhardt. Was das Projekt betreffe, habe man die Auswirkungen der Corona-Pandemie gespürt. Abstimmungen mit Behörden oder Träger öffentlicher Belange seien durch die Kontakteinschränkungen erschwert gewesen. „Hier versuchen, wir mit digitalen Lösungen entsprechend zu reagieren, um das Projekt weiter voranzubringen.“

20 Monate für Ausbruch der Hohlräume

Das Rudolf-Fettweis-Werk soll zu einem modernen Pumpspeicherkraftwerk umgebaut werden. Ein unterirdisches Kavernenkraftwerk im Berg oberhalb des bestehenden Werks ist als Unterstufe geplant. Oberstufe bleibt die Schwarzenbachtalsperre.

Die Kavernen haben ein Volumen von rund 200.000 Kubikmetern. 20 Monate sind für den Ausbruch der Hohlräume veranschlagt. Der beim Kavernenbau anfallende Felsausbruch soll im Bereich des Steinbruchs Heiligenwald und in der Nähe des Seebachhofs gelagert werden. 490.000 Kubikmeter Material fallen laut Planung an, 43.000 Kubikmeter Ausbruch sollen als Betonzuschlagstoff verwendet werden.

Die EnBW will den Planfeststellungsbeschluss erreichen und das Projekt bis zur Baureife weiterentwickeln. Für die reine Unterstufe rechnet das Energieunternehmen bislang mit Kosten von ungefähr 130 Millionen Euro.

Das zweite Projekt, eine neue Oberstufe, die für das Pumpspeicherkraftwerk beim Seekopf gebaut werden soll, ruht derzeit.


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