Forbach: Nachfolgesuche im Eiltempo

Forbach (stj) – Katrin Buhrke tritt nicht für eine zweite Amtszeit an: Nach der Bekanntgabe am Dienstagabend bleiben nur drei Monate bis zur Bürgermeisterwahl.

16. März 2014: Katrin Buhrke bei der Verkündung des Wahlergebnisses. Mit 64,8 Prozent der abgegebenen Stimmen hat die Rechtsanwältin aus Heidelberg, die in Forbach aufgewachsen ist, Amtsinhaber Kuno Kußmann (CDU) aus dem Amt gefegt. Foto: Bernhard Margull

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16. März 2014: Katrin Buhrke bei der Verkündung des Wahlergebnisses. Mit 64,8 Prozent der abgegebenen Stimmen hat die Rechtsanwältin aus Heidelberg, die in Forbach aufgewachsen ist, Amtsinhaber Kuno Kußmann (CDU) aus dem Amt gefegt. Foto: Bernhard Margull

Für die vier Fraktionen im Gemeinderat kam die Nachricht, dass sie im März 2022 ein neues Gemeindeoberhaupt bekommen sollen, überraschend. Katrin Buhrke habe sich diesbezüglich nicht in die Karten gucken lassen, versicherten die Kommunalpolitiker auf BT-Anfrage. Die Bürgermeisterin hat am Dienstag bekannt gegeben, für eine Wiederwahl nicht zur Verfügung zu stehen. Sie selbst wollte sich gestern auf BT-Anfrage nicht zu den Hintergründen ihrer Entscheidung äußern.

„Ich habe es am Dienstagabend am Ende der öffentlichen Sitzung erfahren“, sagte Sabine Reichl. Zur Frage, ob es bei den Christdemokraten bereits Überlegungen gebe, einen Kandidaten präsentieren zu wollen, schwieg die Vorsitzende des CDU-Ortsverbands Forbach und Chefin der Gemeinderatsfraktion. Es sei allerdings schwierig, „ohne den Kenntnisstand über die Absichten eines Amtsinhabers“ potenzielle Kandidaten zu finden. Man schicke ja keinen ins Rennen ohne das Wissen, ob die Amtsinhaberin wieder antritt, erklärte Reichl. Was soll der künftige Bürgermeister von Forbach denn mitbringen? „Die Mehrheit des Gemeinderats wünscht sich einen Bewerber mit gutem menschlichen und fachlichen Profil, um Forbach positive Entwicklungsmöglichkeiten zu eröffnen.“ Diesen Satz hat nahezu wortgleich Barbara Ruckenbrod, Fraktionschefin der Freien Wähler, kundgetan, als sie vom BT auf die Entscheidung Buhrkes angesprochen wurde. Zur Bilanz der Bürgermeisterin aus Sicht ihrer Fraktion mochte sie sich überhaupt nicht äußern.

Einwandfreie verwaltungsfachliche Arbeit

Anders Harald Mungenast. Der langjährige SPD-Gemeinderat attestiert der scheidenden Bürgermeisterin eine einwandfreie verwaltungsfachliche Arbeit. Vor allem unter den Rahmenbedingungen – zu Beginn gab es keinen Hauptamtsleiter, später musste der Kämmerer ersetzt werden – nannte er sie „wirklich vorbildlich“. Darüber hinaus habe in Forbach der nötige Gestaltungsspielraum gefehlt, um in ihrer Amtszeit Ausrufezeichen jenseits des Rathauses zu setzen.

Mungenast nannte das Beispiel Wolfsheck, wo die Gemeinde schon seit Jahren versucht, auf der großen Fläche der ehemaligen Papierfabrik ein Gewerbegebiet zu entwickeln. Dass Buhrke dieses auch in ihrem Wahlkampf formulierte Ziel nicht erreicht hat, habe laut SPD-Fraktionsvorsitzendem „weder an der Verwaltung noch am Gemeinderat gelegen“, weil der Besitzer (die Unternehmensgruppe Karl) selbst einen Rückzieher gemacht habe. „Das wäre ein Hoffnungsschimmer gewesen“, sagte Mungenast enttäuscht mit Blick auf Wolfsheck. Nun hofft der Sozialdemokrat auf einen Neustart in Forbach, mit einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin, der oder die vielleicht bei der Frage neuer Gewerbeansiedlungen mehr Erfolg haben wird – oder auch bei der Möglichkeit, vom Nationalpark Schwarzwald stärker zu profitieren.

Grüne enttäuscht

Enttäuscht vom Abschied Buhrkes aus dem Forbacher Rathaus zeigten sich Margrit Haller-Reif und Hubert Reif (beide Bündnis 90/Die Grünen): „Die Fraktion bedauert es zutiefst, dass Katrin Buhrke nicht mehr zur Bürgermeisterwahl antritt. Sie musste einen Sanierungsstau angehen und viele Aufgaben erledigen, die nicht sexy, aber kostspielig sind, zum Beispiel Wasser, Abwasser, Breitband und Brückensanierung. Sie hat einen hervorragenden Job gemacht.“

Klare Kante im letzten Kapitel: Ein Kommentar von Stephan Juch

Wer in etwas abgelegenen Schwarzwalddörfern lebt, sieht sich oft dem Vorurteil ausgesetzt, hinterwäldlerisch zu sein. Das ist natürlich Quatsch. Trotzdem gibt es immer wieder Geschichten, die derlei Vorurteile füttern. Als eine solche könnte man die acht Jahre Amtszeit von Katrin Buhrke in Forbach auch bezeichnen. Sie ist mit ihrem phänomenalen Wahlsieg am 16. März 2014 zur ersten Rathauschefin des Landkreises Rastatt auch in dessen Geschichte eingegangen. Aber schon die ersten Kapitel, die sie als Bürgermeisterin von Forbach zu schreiben hatte, waren von negativen Begleitumständen durchzogen. Dass sie Amtsinhaber Kuno Kußmann krachend aus dem Rathaus vertrieb, gönnten ihr viele nicht. Im Dorf machten schnell die abstrusesten Gerüchte um die attraktive Rechtsanwältin aus Heidelberg die Runde. Auch im Gemeinderat, insbesondere aus den Reihen von CDU und Freien Wählern, gab es von Anfang an Gegenwind. Das schwierige kommunalpolitische Umfeld konnte Buhrke in ihrer Amtszeit nie vollends auf ihre Seite ziehen. Das mag auch an den finanziellen Rahmenbedingungen gelegen haben, die in Forbach kaum Gestaltungsspielraum lassen für Akzente jenseits der Pflichtaufgaben. Ganz unschuldig ist die Juristin daran aber nicht. Ihr fehlt das Politiker-Gen, das gewisse Streben nach Aufmerksamkeit für das, was man tut. Öffentlichkeitsarbeit aber ist im Forbacher Rathaus unter Buhrke quasi ein Fremdwort. Das hat ihr geschadet. Und auch jetzt, da der Abschied feststeht, bleibt eine Erklärung zunächst aus. Die Bürger haben aber ein Recht darauf. Das letzte Kapitel ihrer Amtszeit müsste eine schonungslose Analyse sein, in der Buhrke unter anderem klar benennt, warum sie nicht weiter macht – auch wenn das manchem wehtun könnte.


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