Forbach: Nur vier Bewerber präsentieren sich

Forbach (tom/stj) – In der Forbacher Murghalle hat am Mittwochabend die offizielle Kandidatenvorstellung für die Bürgermeisterwahl stattgefunden. Es haben sich vier von fünf Bewerbern vorgestellt.

Wollen die Bürger von sich überzeugen: Die Kandidaten Mathias Fey, Robert Stiebler, Kilian Krumm, Mathias Reidel und Jürgen Erhard (von links). Foto: Nora Strupp

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Wollen die Bürger von sich überzeugen: Die Kandidaten Mathias Fey, Robert Stiebler, Kilian Krumm, Mathias Reidel und Jürgen Erhard (von links). Foto: Nora Strupp

Die offizielle Kandidatenvorstellung für die Bürgermeisterwahl am 13. März begann mit einer Überraschung. Denn der als erster Redner vorgesehene Jürgen Erhard trat nicht mit seinen vier Mitbewerbern auf die Bühne der Murghalle.

Die Reihenfolge der Redner folgte aus der Reihenfolge des Eingangs der Bewerbungen. „An erster Stelle hätten wir Herrn Jürgen Erhard vorgesehen“, erläuterte Bürgermeisterin Katrin Buhrke den Zuhörern. Aber Erhard werde sich entgegen seiner Ankündigung an diesem Abend nicht vorstellen. Erhard habe ihr eben mitgeteilt, dass er nicht bereit sei, mit Maske in die Halle zu kommen. Daraufhin habe sie von ihrem Hausrecht Gebrauch gemacht und ihm den Zutritt verwehrt. Schließlich gelte während der gesamten Veranstaltung Maskenpflicht, auch für die Bewerber, außer bei deren Vorstellung. Somit machte Mathias Fey den Auftakt, gefolgt von Robert Stiebler, Kilian Krumm und Mathias Reidel. Erhard stand vor der Halle zu Gesprächen bereit.

Robert Stiebler

Ein Ausbildungscampus in der Gemeinde, jährlich ein Floßrennen auf der Murg oder der Schwarzenbachtalsperre? Ideen wie diese möchte Robert Stiebler als Bürgermeister (Foto: Nikola Stiebler) umsetzen. Voraussetzung dafür sei aber zunächst die nachhaltige Konsolidierung des Haushalts. Auch dafür hat der 38-jährige Familienvater ein Konzept: „Um bares Geld zu sparen, brauchen wir eine Bestandsprüfung in kurzen Intervallen.“ Hier spreche er aus Erfahrung durch seine Arbeit als Bauleiter, unterstrich er bei der Kandidatenvorstellung in der Murghalle und sprach von einer finanziellen Situation in Forbach, die „prekär, aber nicht aussichtslos“ sei.

Robert Stiebler. Foto: Nikola Stiebler

Robert Stiebler. Foto: Nikola Stiebler

Es gelte, den Standort für Arbeitgeber interessant zu machen: „Das heißt, wir müssen auf die Industrie zugehen und durch eigens erstellte Konzepte überzeugen.“ Den Nachwuchs fördern und selbst für Nachschub an unbesetzten Stellen sorgen, daran führe kein Weg vorbei. „Hier bin ich mit der Idee, einen Ausbildungscampus auf unserer Gemarkung zu errichten, auf sehr großes Interesse gestoßen. Dieses Projekt schafft heute Arbeitsplätze und hilft uns, eine Zukunft zu gestalten“, erklärte Stiebler.

Großes Potenzial, das es zu heben gelte, sieht der Herrenwieser auch im Tourismus, „um unser Dasein als Durchfahrtsort zu beenden und zukünftig als Startpunkt für Expeditionen aller Art durch unsere herrliche Natur zu dienen“. Dafür müsse man „nichts erfinden, sondern das, was wir haben, stilvoll in Szene setzen“. Das soll unter anderem auch mit Mitteln aus der Privatwirtschaft gelingen – etwa im Bereich Outdoor-Sport.

Auch Themen wie Digitalisierung, Pflege, Zuwachs, Einzelhandel, Senioren und Kinder sprach der unabhängige Kandidat an, der größtenteils frei redete und souverän auftrat. Stiebler nutzte das Zitat eines Freundes, um sich von den Zuhörern mit der Bitte um ihre Stimme zu verabschieden: „Du kannst an einem Ort auf Dauer nichts bewirken, wenn du ihn auf dem Nachhauseweg immer nur im Rückspiegel siehst.“ Er habe bereits gewählt: „Mein Zuhause ist hier.“

Kilian Krumm

Dem „Schmuckstück im Murgtal“ will Kilian Krumm (Foto: Reinhold Bauer) neuen Glanz verleihen. Er ist SPD-Mitglied, als unabhängiger Kandidat wird er von SPD, Grünen und FWG unterstützt. Finanzen, Sanierungsbedarf und Bevölkerungsentwicklung seien große Herausforderungen. Unter Bürgermeisterin Katrin Buhrke sei eine vernünftige Konsolidierung der Finanzen begonnen worden; dieser Weg sei nicht zu Ende: „Das wird ein Kraftakt.“ Gleichwohl könnten neue Kredite notwendig sein. Einen breit angelegten Gemeindeentwicklungsprozess wolle er anstoßen. „Komplette Bestandsanalyse“ auch der Ausgaben sei notwendig. Gleichwohl brauche das Rathaus für Tourismus, Gemeindemarketing und Wirtschaftsförderung eine weitere Stelle. Der „idyllische Luftkurort“ habe wirtschaftliches Potenzial. Die Gemeindegastronomie neben der Murghalle könne vielleicht mit der Lebenshilfe oder als von Vereinen getragene Genossenschaft funktionieren: „Wir brauchen sowieso ein Hallennutzungskonzept, lassen Sie uns zusammen neu denken.“ Auch eine Freiluftmesse mit regionalen Produkten oder ein regionales Streetfood-Festival könnten Impulse sein: Das, womit Forbach punkten könne, müsse von Forbach mit Stolz präsentiert werden. Schließlich sei das wald- und wasserreiche Forbach auch ein „Motor der Energiewende“.

Kilian Krumm. Foto: Reinhold Bauer

Kilian Krumm. Foto: Reinhold Bauer

Mit Fördergeld könnte die flächengrößte Gemeinde im Landkreis mit den Schwarzwaldvereinen einen Panoramaweg realisieren. Mit schnellem Internet und neuen günstigen Bauplätzen könne Forbach attraktiv sein für junge Familien.

Für bezahlbare Wohnungen regt der 31-Jährige die Gründung einer überörtlichen Murgtal-Wohnbaugenossenschaft an. Bedarfsgerechte Öffnungszeiten im Kindergarten seien wichtig, aber auch, dass niemand, der Zeit seines Lebens in Forbach gelebt hat, nach Gaggenau umziehen müsse, „nur weil es in Forbach nicht ausreichend Pflegeplätze gibt“. „Fassen wir den Mut für ein Forbach, das seine Herausforderung anpackt und seine Chancen nutzt“, betonte Krumm.

Mathias Reidel

„Mit mir ist in Forbach noch lange nicht Feierabend“ zeigte sich Mathias Reidel (54, Foto: pr) selbstbewusst. Seine Kandidatur wird von der örtlichen CDU unterstützt. Motivation für das Bürgermeisteramt beziehe er aus seiner Herkunft: „Forbach ist meine Heimat; ich bin hier geboren.“ Doch würden junge Familien der Gemeinde den Rücken kehren. Diesen Trend gelte es umzukehren. „Einen klaren Plan“ habe er, wie man Forbach entwickeln könne, ohne anschließend allzu sehr ins Detail zu gehen. Aber Streitkultur sei etwas Positives.

Die Aufbruchstimmung zum bevorstehenden Ende der Pandemie gelte es zu nutzen, damit auch örtliche Betriebe profitieren könnten. Ein Augenmerk richtete er auf den Tourismus. Ein Blick auf Mummelsee einerseits und Schwarzenbachtalsperre andererseits sei hilfreich: Beliebte Ausflugsziele, doch damit seien die Gemeinsamkeiten schon fast aufgezählt. Während am Mummelsee eine „gewachsene Infrastruktur“ vorhanden sei, mit moderner Hotellerie und Gastronomie „und mitten im Nationalpark“ gelegen, sei an der Talsperre sehr viel weniger geboten, dazu noch ein seit Jahren geschlossenes Hotel. „Soll das wirklich so bleiben?“, fragte Reidel. Schließlich sei Forbach mit Ortsteilen „die Perle im Murgtal“, aber anscheinend im Dornröschenschlaf.

Mathias Reidel. Foto: pr

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Mathias Reidel. Foto: pr

Einerseits gebe es in Kernort und Ortsteilen lobenswertes Engagement auch für das Ortsbild, aber es bleibe viel zu tun. Es gelte, mutig in den Tourismus zu investieren, das Potenzial auszuschöpfen und Fördergelder zu generieren: „Wenn die Gäste kommen, kommen auch die Geschäfte.“

Nachhaltigkeit, Naturnähe, seien Pfunde auch mit Blick auf Familien. Und: „Sicherheit und Sauberkeit, das ist das Maß aller Dinge, damit man sich in der Gemeinde wohlfühlen kann.“ Das medizinische Versorgungszentrum in Klosterreichenbach könne Vorbild sein, um die unerlässliche ärztliche Grundversorgung zu sichern, regte er an. Das Rathaus werde mit ihm „mehr offene als geschlossene Türen“ haben. Ein Wunschkonzert könne es aber nicht geben, auch wenn er alle Bürger anhören wolle.

Mathias Fey

Ein buntes Sammelsurium an kommunalpiltischen Themen griff Mathias Fey (Foto: Nora Strupp) in seiner fast genau 15-minütigen Rede auf, mit der er um die Gunst der Forbacher Wähler buhlte. Gleich mehrfach verdeutlichte er in der Murghalle mit der (nicht immer vollständigen) Aufzählung aller Ortsteile, wie sehr ihm der Zusammenhalt als Gesamtgemeinde ein Anliegen ist. Diese habe viele schlummernde Potenziale, die es zu erwecken gelte. Beispiel Tourismus: Hier sei in den vergangenen Jahren viel liegen geblieben. „Ich, Fey, Mathias, werde den Wandel vorantreiben vom Kurort zum modernen Urlaubsziel“, versprach der 57-Jährige: „Die Champagner-Luft muss in Forbach intensiver vermarktet werden.“

Mathias Fey. Foto: Nora Strupp

Mathias Fey. Foto: Nora Strupp

Der Handwerksmeister aus Bad Wildbad verwies auf seine breit gefächerte Berufs- und Auslandserfahrung, unter anderem habe er 28 Jahre lang ein mittelständisches Unternehmen geführt. Dabei sei er stets auch ehrenamtlich aktiv gewesen, sei es als Kommunalpolitiker oder im Landeselternbeirat. Selbst beschreibt er sich als Pragmatiker, der ein Schultes zum Anfassen sein werde. Als solcher werde Fey alles daran setzen, die Ärzteversorgung in der Gemeinde zu verbessern „und die Apotheke so schnell wie möglich wieder eröffnen“. Diesbezüglich habe er bereits zielführende Gespräche geführt.

Natürlich sei sich Fey der großen Herausforderungen bewusst, die es in Forbach zu meistern gelte. Wie er das genau anstellen möchte, blieb in seiner Vorstellung allerdings vage. „Solide Finanzen sind das A und O“, weiß der bodenständige 57-Jährige und kündigte an, den Blick auf die zahlreichen Förderprogramme zu richten, die es abzuschöpfen gelte. Als zentrale Aufgabe für die Verwaltung nannte Fey die Digitalisierung, betonte aber: „Digitale Angebote schaffen heißt für mich nicht, den analogen Bürgerservice einzuschränken.“

Weitere Themen, die der Kandidat vordringlich bearbeiten wolle, sind die Stärkung des Ehrenamts, die Förderung der Betriebe und des Einzelhandels, Bildung, Breitbandausbau, Mobilität und Verkehr.


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