Forbach: Staumauer auf Stand der Technik

Forbach (mm) – Es waren dramatische Bilder aus den Hochwassergebieten. Auch ein Damm drohte zu brechen. Könnte diese Gefahr auch an der Schwarzenbach Talsperre bestehen?

Die Staumauer der Schwarzenbach-Talsperre besteht aus rund 280.000 Kubikmetern Gussbeton. Foto: Markus Mack

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Die Staumauer der Schwarzenbach-Talsperre besteht aus rund 280.000 Kubikmetern Gussbeton. Foto: Markus Mack

Zu den verheerenden Schäden durch Überschwemmungen und Erdrutsche kam die eines drohenden Dammbruchs der Steinbachtalsperre bei Euskirchen. Mittlerweile hat sich die Lage dort etwas entspannt. So mancher Murgtäler fragt sich, ob eine solche Gefahr auch an der Schwarzenbach-Talsperre besteht.
Hubert Reif kennt die Anlage bis ins Detail. 36 Jahre lang war er für die Betreuung der Talsperre verantwortlich, zuvor waren es sein Vater und sein Großvater. Er gibt Entwarnung: „Die Mauer ist auf dem aktuellen Stand der Technik“, sagt er.

Das fast 100-jährige Bauwerk wurde in den Jahren 1980 bis 2016 technisch nachgerüstet. Die Statik sei jetzt für ein Hochwasser, das statistisch alle 10.000 Jahre vorkommt, ausgelegt. Ein Drainagesystem mit 40 Messstellen und der Kontrollgang im Inneren an der Mauersohle ermöglichen die detaillierte Überwachung.

Aus etwa 280.000 Kubikmetern Gussbeton besteht die Mauer, dazu kommen Granitsteine als „Verblendung“. Die Gewichtsstaumauer, so die technische Bezeichnung für das Bauwerk, wiegt rund 600.000 Tonnen und halte durch eben dieses Gewicht dem Wasserdruck stand, erläutert Reif. Diese Art der Konstruktion sei deutlich stabiler als aufgeschüttete Staudämme mit einem Betonkern.

Bei einem „Überfall“, dem Ablauf durch die vorhandenen 24 bogenförmigen Hochwasserentlastungen in der Mauer, bestehe keine Gefahr der Beschädigung. „Selbst bei einer Überströmung der Krone bleibt die Mauer stehen“, erläutert Reif. Der „Sohlwasserdruck“ am Fuß der Mauer sowie die mögliche Gefahr eines Auftriebs der Mauer werden ebenfalls überwacht.

Zwei natürliche Zuflüsse

Mit Schwarzenbach und Seebach hat die Talsperre lediglich zwei natürliche Zuflüsse und mit rund 25 Quadratkilometern ein relativ kleines Einzugsgebiet, was die anfallende Wassermenge begrenze. Durch den Raumünzachstollen wird Wasser aus dem Hundsbach in die Talsperre geleitet, dieser könne aber, wenn zu viel Niederschlag fällt, abgesperrt und so der Zulauf reguliert werden.

Die aktuelle Situation an der Schwarzenbach-Talsperre ist unkritisch, erläutert Ralph Eckhardt, Pressesprecher der EnBW, der Betreiberin des Rudolf-Fettweis-Werks in Forbach, zu dem die Talsperre gehört. Sie sei aktuell zu etwa 77 Prozent gefüllt. Somit bestehe noch etwa 4,2 Meter Freiraum nach oben, bis es zu einem „Überfall“ komme. Das entspreche einer noch vorhandenen freien Stauraumkapazität von rund 2,8 Millionen Kubikmetern Wasser.

Permanente Überwachung

Bei einem sogenannten „Überfall“ werde das Wasser nach dem Erreichen des maximal möglichen Füllstands kontrolliert über die Stauanlage abgeleitet, erläutert er. Eine permanente Überwachung und regelmäßige Begehung der Staumauer erfolge unabhängig von den Wetterereignissen in Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden.

„Aufgrund der derzeitigen geringen Zuflüsse mit fallender Tendenz in den kommenden Tagen und der aktuellen Wetterprognose gehen wir weiter von einer unkritischen Situation an der Schwarzenbach-Talsperre aus“, sagt Ralph Eckhardt.

Weder beim Regierungspräsidium in Karlsruhe noch beim Landratsamt  in Rastatt gibt es Katastrophenpläne für die Talsperre. Die Wahrscheinlichkeit eines Mauerbruchs gehe gegen null, erläutert Michael Janke, Pressesprecher des Landkreises Rastatt.

Ihr Autor

BT-Redakteur Markus Mack

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Erstellt:
21. Juli 2021, 08:15 Uhr
Lesedauer:
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