Forbacher Bahn jenseits von Afrika

Forbach/Erlangen (BT) – Eine Ansichtskarte des Tennenschlucht-Viadukts in Forbach aus dem Jahr 1920 hat jetzt einen ungewöhnlichen Weg über Südafrika zurück zu einem Sammler in Erlangen genommen.

Die Ansichtskarte mit dem Tennetschlucht-Viadukt hat eine bis nach Südafrika führende Geschichte. Foto: Günther Klebes

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Die Ansichtskarte mit dem Tennetschlucht-Viadukt hat eine bis nach Südafrika führende Geschichte. Foto: Günther Klebes

Im Zeitalter von Facebook und WhatsApp, Instagram und Twitter scheint die gute alte Ansichtskarte nur noch etwas für Traditionalisten zu sein – oder für Sammler wie Günther Klebes. Der 70-jährige Franke liebt alte Postkarten, genauer: solche mit eisenbahnhistorischen Motiven aus dem deutschsprachigen Raum. Seine jüngste Errungenschaft ist eine Ansichtskarte aus dem Murgtal.

Die Wunschkarte gab’s auch noch zum Schnäppchenpreis: „Ich bin bei einer luxemburgischen Internet-Auktion auf die Karte gestoßen und habe mir gesagt: ,So eine schöne Ansicht von der Murgtalbahn, die muss ich haben!‘“, erzählt der Schulbusfahrer, der in Erlangen zu Hause ist. Postkarten, die die unterschiedlichsten Züge und Bahnhöfe in Baden zeigen, gehören schon länger zu seiner rund 600 Exponate umfassenden Sammlung. Aber diese herrliche Landschaftsaufnahme musste seinem Empfinden nach „unbedingt her“. Die Karte wurde um 1920 in Tübingen gedruckt und 1925 nach Ilmenau in Thüringen gesandt.

„Erstaunlich fand ich auch, dass der Anbieter eine Adresse in Südafrika hatte“, erklärt Klebes. Weil er der einzige Bieter war, konnte er die Wunschkarte auch noch zum Schnäppchenpreis von gerade einmal 1,50 Euro erwerben. „Das ist eigentlich viel zu billig“, kommentiert das der Käufer. Normalerweise wäre er bereit gewesen, dafür bis zu fünf Euro auszugeben; denn es war eine selten angebotene Karte. Diesen Preis zahlte er aber dann doch, da noch das Porto für einen eingeschriebenen Auslandsbrief dazu kam. Es gebe aber auch Philokartisten, die einen zweistelligen Betrag für eine derartige Ansichtskarte hinblättern würden.

Wie das gute Stück vom Thüringer Wald nach Südafrika gekommen ist, darüber kann der Sammler nur spekulieren. „Ob dahinter eine Auswanderung steht, oder einfach ein Bündel alter Postkarten nach einer Haushaltsauflösung an einen Händler veräußert wurde, der die Karten über das Internet weiter vermarktet, weiß ich nicht“, sagt Klebes. Er hat sogar schon Karten aus Australien, Israel sowie Kanada erworben.

Seine Sammelwut in Sachen Bahn-Postkarten ist übrigens kein Einzelfall: „Es gibt sogar eigene Ausstellungen für Eisenbahn-Philatelisten“, sagt Klebes und durchforscht schon wieder das Internet nach Exponaten wie der Ansichtskarte aus dem Murgtal.

Hochzeitsreise mit Glacier-Express

Der 70-jährige Klebes sammelt nach eigenem Bekunden begeistert „alles, was mit der Bahn zu tun hat – außer echte Lokomotiven“. Bei ihm zu Hause stehen Modelle und historische Uniformmützen – die sogenannten „Rotkäppchen“ – neben zahllosen selbst geschossenen Fotos und Alben voll einschlägiger Telefonkarten und Briefmarken. Daneben arbeitete der Schulbusfahrer und dreifache Vater ehrenamtlich bei der Bahnhofsmission, als Hobby nennt er „Bahn fahren“. Ehrensache: Auf Hochzeitsreise ist Klebes vor 35 Jahren mit dem Glacier-Express von St. Moritz nach Zermatt gefahren. Keine Überraschung ist daher eine weitere Liebes-Verbindung nach Baden: Ein Höhepunkt war für den Franken ein Familienurlaub in einem stillgelegten Bahnhof im Schwarzwald.

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Erstellt:
12. Februar 2021, 16:40 Uhr
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