Forbacher veröffentlicht neues Buch

Forbach (ans) – Wolfram Klumpp aus Langenbrand veröffentlicht „Mussolini im Murgtal“. Darin sucht er nach der historischen Wahrheit hinter dem Gerücht, dass Mussolini in Forbach gewesen sein soll.

Der Langenbrander Autor Wolfram Klumpp hat ein neues Buch herausgebracht. Foto: Anna Strobel

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Der Langenbrander Autor Wolfram Klumpp hat ein neues Buch herausgebracht. Foto: Anna Strobel

Angeblich soll Benito Mussolini am 1. Mai im Jahr 1908 im Murgtal gewesen sein und eine Ansprache vor italienischen Eisenbahnarbeitern im Gasthof „Zum Ochsen“ in Langenbrand gehalten haben. „Viele Leute in Forbach glauben felsenfest daran“, ärgert sich Autor Wolfram Klumpp, der sich der lokalen Geschichtsforschung widmet.

„Ich habe das Thema quasi geerbt“, sagt Klumpp. Schon seinem Vater, dem letzten Bürgermeister der selbstständigen Gemeinde Langenbrand, sei der vermeintliche Besuch des Faschistenführers äußerst suspekt vorgekommen. Auch aus diesem persönlichen Grund hat der Langenbrander die Suche nach der Wahrheit über Mussolini im Murgtal zu seinem Thema gemacht.

In seinem neuen Buch versucht er, dem Ursprung des Gerüchts nachzugehen und den früheren Chronisten und Gernsbacher Heimatforscher Heinrich Langenbach, der in der Langenbrander Ortschronik vom Besuch des italienischen Politikers berichtet, als einen historischen Scharlatan zu entlarven. „Der Mann hat eine Breitenwirkung, dass einem schlecht wird“, urteilt Klumpp im BT-Gespräch. Er verweist auf zahlreiche Artikel und Bücher, die ungeprüft Stellen aus Langenbachs Ortschronik zitieren. Doch „Quellen muss man auf den Zahn fühlen“, mahnt der Buchautor.

„Die Geschichte ist nicht totzukriegen“, kritisiert Klumpp die Mängel in Langenbachs Schriften. Das sei ein weiterer Grund, warum er sich in seinem neuen Buch mit dem Titel „Mussolini im Murgtal – Die alternativen Fakten des Heinrich Langenbach: Heimatgeschichte zwischen Regionalmarketing und Lügenpropaganda“ mit diesem Thema auseinandersetzt. „Mussolini war zum genannten Zeitpunkt in Italien“, ist er sich sicher. Das gehe aus einer Biografie über den Faschistenführer hervor, die er durchgearbeitet hat.

Verdacht auf Fehler in der Ortschronik

Der Verdacht, dass in der Ortschronik Fehler enthalten seien, sei seinem Vater bereits vor vielen Jahren gekommen. In der Chronik stehe beispielsweise, dass Langenbrand erstmals 1272 erwähnt worden sei. In einem Schreiben vom Badischen Generallandesarchiv heißt es dagegen: „Trotz eingehender Nachforschungen konnte die Urkunde, in der Langenbrand 1272 erstmals erwähnt wird, in den Beständen des hiesigen Archivs nicht ermittelt werden.“ „Wir sind einem Schwindel aufgesessen“ – das habe sein Vater Walter Klumpp zur Mutter gesagt. Daraufhin habe sich der Vater selbst auf die Suche nach der Urkunde begeben, konnte jedoch nie eine finden.

Im Vordergrund steht für Klumpp nicht die Heimatforschung an sich, sondern vielmehr die Suche nach der „historischen Wahrheit“, wie er hervorhebt. „Ich bin kein Wissenschaftler, aber es soll ernstzunehmen sein“, gibt der Langenbrander zu bedenken. Er wolle sich wissenschaftlich betätigen und seinen Interessen nachgehen.

Wenn er sich nicht mit historischen Themen beschäftigt, ist Klumpp als Wanderwegewart für den Schwarzwaldverein im Einsatz. „Ich gehe regelmäßig Wege ab und überprüfe, ob sie nutzbar sind“, erzählt er. Zudem möchte er sich in naher Zukunft anstehenden Arbeiten auf seinem Grundstück widmen.

Ihr Autor

BT-Volontärin Anna Strobel

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Erstellt:
8. Oktober 2021, 16:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 23sec

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