Forschung und Entwicklung regional stark unterschiedlich verteilt

Stuttgart (fk) – Der Landkreis Rastatt liegt bei privatwirtschaftlichen Arbeitsplätzen in Forschung und Entwicklung unter den Top 10 im Land, Baden-Baden ist fast Schlusslicht. Woran liegt das?

Quelle: Statistisches Landesamt Baden-Württemberg / Infografik: Jasmin Vogt/BT

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Quelle: Statistisches Landesamt Baden-Württemberg / Infografik: Jasmin Vogt/BT

Satte 25,3 Milliarden Euro haben die baden-württembergischen Unternehmen im Jahr 2019 für Forschung und Entwicklung ausgegeben. Insgesamt waren statistisch gesehen rund 141.700 Menschen als Vollzeitkräfte in der Privatwirtschaft in der Forschung und Entwicklung (FuE) tätig.

Baden-Württemberg verfügt damit laut Statistischem Landesamt im Wirtschaftssektor innerhalb Deutschlands über die höchsten FuE-Ressourcen. Doch die sind bei Leibe nicht gleich verteilt, was schon der Blick auf Mittelbaden mehr als deutlich zeigt.

Während nämlich Rastatt bei der Zahl der prozentual in Forschung und Entwicklung Vollzeitbeschäftigten im Kreisvergleich weit vorne rangiert, belegt Baden-Baden mit hauchzartem Vorsprung auf den Ortenaukreis den vorletzten Platz. Allerdings beträgt der Unterschied zwischen Rastatt und Baden-Baden nur 2,4 Prozentpunkte, was aber dennoch viel ist, wenn man in Betracht zieht, dass in ganz Baden-Württemberg im Schnitt nur 2,6 Prozent der Menschen Vollzeit in Forschung und Entwicklung bei privatwirtschaftlichen Unternehmen arbeiten.

Autoindustrie sehr forschungsintensiv

Woran also liegt das? Vielfältig seien die Gründe, sagen die Stuttgarter Statistiker, auf BT-Anfrage. Aber ein paar zentrale Unterschiede sind dann doch schnell ausgemacht. Sie finden sich schlichtweg in der Wirtschaftsstruktur der jeweiligen Regionen und Kreise. Denn da sind zum einen die Autoindustrie und deren Zulieferfirmen im Landkreis Rastatt. Die benötigten, so die Statistiker, stets eine große FuE-Abteilung – entsprechend viele Menschen seien in den betreffenden Kreisen in Forschung und Entwicklung beschäftigt. Nicht von ungefähr finden sich daher im Großraum Stuttgart mit Abstand die meisten FuE-Beschäftigten. Einsamer Spitzenreiter ist der Landkreis Böblingen mit 10,4 Prozent.

Aber zurück nach Mittelbaden: Der Unterschied dort bedingt sich nämlich zum anderen auch dadurch, dass Baden-Baden noch eher wenig produzierendes Gewerbe hat und daher auch kaum Menschen in Forschung und Entwicklung arbeiten. So arbeiten Zahlen der Stadtverwaltung zufolge nur 14 Prozent der Baden-Badener im produzierenden Gewerbe, dafür aber knapp 86 Prozent im Dienstleistungssektor oder dem Handel.

Forschungsintensive Wirtschaftszweige sind laut Ruth Einwiller vom Statistischen Landesamt aber eher Chemie, Pharma und Teile des Maschinenbaus, die auf ständig neue Technologien angewiesen seien. In Kreisen, die dagegen über viel Landwirtschaft verfügten, seien die Quoten daher – analog zu Baden-Baden – eher niedrig. Das dürfte auch ein gewichtiger Grund beim Erklärungsversuch sein, warum der Ortenaukreis bei den FuE-Beschäftigten noch hinter Baden-Baden rangiert.

Stuttgart wirtschaftsstärkste Region

Bei einem Vergleich der Kennzahl auf regionaler Ebene liegt, wie erwähnt, die Region Stuttgart an der Spitze. Sie ist damit laut den Statistikern des Landesamts nicht nur die wirtschaftsstärkste Region im Land, sondern auch die Region mit der höchsten Forschungsintensität. 2019 gab es dort rund 63.400 Vollzeitstellen in Forschung und Entwicklung. Damit wurde fast die Hälfte des gesamten landesweiten FuE-Personals des Wirtschaftssektors in der Region Stuttgart eingesetzt (45 Prozent). Die FuE-Personalintensität der Region Stuttgart lag damit 2019 mit 4,4 Prozent deutlich über dem landesweiten Durchschnitt von 2,6 Prozent.

Grundsätzlich festzuhalten bleibt, dass alle Kreise ihre Forschungsintensität im Vergleich zu 2009 ausgebaut haben. Baden-Baden legte beim prozentualen Anteil der Vollzeitbeschäftigten um 0,4 Prozentpunkte zu, der Kreis Rastatt um 1,2. Im Vergleich mit 2017 gab es in beiden Kreisen allerdings keinen Zuwachs mehr. Im Landkreis Rastatt sogar ein leichtes Minus um 0,2 Prozentpunkte. Daten für 2020 und 2021 liegen noch nicht vor.


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