Forstrevier Ottersweier setzt auf Drohnentechnik

Ottersweier (fvo) – Big Brother der hilfreichen Art: Das Forstrevier Ottersweier setzt mittlerweile auch auf die Drohnentechnik, die zur Schadensermittlung eingesetzt wird.

Kann sich eineinhalb Stunden in der Luft halten: Das mit einer 4K-Kamera ausgestattete Modell des Forstbezirks. Foto: Franz Vollmer

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Kann sich eineinhalb Stunden in der Luft halten: Das mit einer 4K-Kamera ausgestattete Modell des Forstbezirks. Foto: Franz Vollmer

Den Spaßfaktor kann Marian Kratz nicht ganz verbergen, will er auch gar nicht. Die neue Drohne des Kreisforstamtes, die auch im Revier Ottersweier/Bühlertal zum Einsatz kommt, leistet wertvolle Dienste und liefert vor allem seriöse Werte. Das wurde bei einer kleinen Demonstration im Rahmen der Waldbegehung der Gemeinde Ottersweier zu Wochenbeginn deutlich. Es ist eben „nicht nur Spielzeug“, so der Forstbeamte aus Gaggenau.

„Der Mehrwert liegt vor allem in der Schadenserkennung etwa nach einem Sturm“, erklärt Kratz. Großflächige Kalamitäten, dürre Kronen aber auch Käferlöcher seien so „genau zu lokalisieren“, so Kratz, „man kann exakt erkennen, wieviele Bäume es umgeworfen hat“. Big Brother der hilfreichen Art sozusagen im Sinne der Beweissicherung, liefert die Drohne doch Hochrechnungen, wie sie etwa auch bei Wildschäden in Korn- oder Maisfeldern möglich sind. Weshalb man auch etwa Jäger frühzeitig zu etwaigen Schwerpunkten lenken kann.

„Sie kann mehr, als man darf“

Möglich macht dies eine fernsehreife 4K-Kameratechnik mit Zoomfunktion, bei der zunächst Livebilder auf ein mit der Steuerung gekoppeltes Smartphone übertragen werden und dezidiert Aufschluss über etwaige Schäden geben – und das mit respektabler Auflösung.

Eine SD-Karte speichert das Bildmaterial und das mit zum Teil ungeheuren Datenmengen. „In der späteren Auswertung am Bildschirm kann man da sehr genau reingehen“, so Kratz, während er Gemeinderatsmitgliedern und Rathausmitarbeitern einen Rundflug Richtung Grinden kommentiert. „Der Vorteil liegt vor allem in der Flächenleistung“, bestätigt auch Revierleiter Klaus Vollmer mit Blick auf den Wachstumsstand bei Sonderzonen (Lothar-, Wiebke- oder Versuchsflächen).

Premiere hatte das Gerät übrigens bei einem Einsatz 2019 im Gemeindewald Durmersheim/Bietigheim, als bei einem Gewittersturm sämtliche Wege versperrt waren und man sich so ein ersten Überblick aus der Luft verschaffen konnte. Nach einer Reihe von Trainees wurden laut Kratz inzwischen vereinzelte „Kinderkrankheiten“ beziehungsweise Fehler abgearbeitet, das Potenzial kann nun voll zur Entfaltung kommen.

Forstbeamter Marian Kratz (rechts) erläutert den Gemeinderatsmitgliedern einen im Vorfeld aufgenommenen Drohnenflug. Foto: Franz Vollmer

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Forstbeamter Marian Kratz (rechts) erläutert den Gemeinderatsmitgliedern einen im Vorfeld aufgenommenen Drohnenflug. Foto: Franz Vollmer

„Sie kann eigentlich mehr, als man darf“, umreißt es Kratz. Dazu zählt etwa die Reichweite von bis zu 500 Höhenmeter bei fünf Kilometern Entfernung, wo gesetzlich bekanntermaßen bereits ab 100 Meter bereits der sensible Luftraum beginnt. Der behördliche Einsatz erlaubt allerdings auch einige Freiheiten. Wobei nebst den üblichen Tabubereichen (Schutzgebiete, Personen, Ortschaften) nicht zuletzt auch Brutstätten außen vor bleiben. „Das wäre natürlich kontraproduktiv“, so Kratz. Auch größere Vögel wie Bussarde hat Kratz schon über der Drohne kreisen gesehen, „die werden davon angelockt, dann bricht man das Manöver natürlich ab“. In der Regel bewegt sich das Instrument in 40 bis 100 Meter Höhe.

„Die Qualität der Bildübertragung ist jedenfalls bombastisch“, schwärmt der Experte, der beim Forstamt Gaggenau mangels Revierzuteilung vor allem für derartige Querschnittsaufgaben zuständig ist.

Auch die Akku-Flugleistung kann sich mit einer halben Stunde in der Luft sehen lassen, bei drei Akkus sind es entsprechend eineinhalb Stunden. Wobei das Gerät – intelligent genug – selbstständig den Rückflugszeit berechnet und selbst Winde miteinkalkuliert.

„Die sind zu fein, um sie beim Drüberfliegen zu detektieren“

Allerdings hat das 1.300 Euro teuere Stück der Marke „Mavic 2 Zoom“ auch seine Grenzen, ungünstigerweise etwa beim Borkenkäferbefall. Frühindikatoren wie Harzflecken oder farbliche Veränderungen der Nadeln (von grün zu gelb) bei akut befallenen Bäumen sind nicht zu identifizieren. „Die sind zu fein, um sie beim Drüberfliegen zu detektieren“, erklärt Kratz. Dafür bräuchte es eine Spektralkamera, doch eine solche ist zu teuer. Man könnte zwar auf niedrige Flughöhe gehen, gewissermaßen in die Einzelperspektive, „dann bekommt man aber keine Flächenleistung hin“, so Kratz. Von daher werde man schon weiter durch die Wälder laufen müssen.

Auch Feldversuche der Hochschule Rottenburg, Harzmoleküle in der Luft zu messen, sind noch nicht von Erfolg gekrönt. Auch bei Kronenabbrüchen und im Laubwald ist das Gerät nur bedingt hilfreich.

Weit vielversprechender erscheint dagegen die Variante, schlechten Handyempfang im Notfall zu beheben. So gibt es Versuche, Module wie einen Rucksack an die Drohne dranzuhängen, die in der Lage sind, das Handysignal zu repeaten und so die Hilfskräfte zu verunfallten Waldarbeitern, Wanderen oder Bikern zu bringen. Laut Bezirksrevierleiter Clemens Erbacher gerade bei Alleinarbeiten im Wald „sehr hilfreich“ und eine lebenswichtige Zeitbeschleunigung.

Ganz unfallfrei geht der Drohneneinsatz aber auchnicht immer vonstatten. „Wer genau hinsieht, erkennt, dass ein Propeller anders aussieht“, verrät Kratz schmunzelnd. Es kann den Spaßfaktor bei der wertvollen Arbeit allerdings nicht wirklichmindern.

Ihr Autor

BT-Redakteur Franz Vollmer

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Erstellt:
15. September 2021, 06:00 Uhr
Lesedauer:
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