Fragezeichen hinter beiden Bädern

Rastatt (ema) – Geht es nach Einschätzung des Gutachters, dann könnte das Alohra für eine Zwischenlösung saniert werden, bis das neue Kombibad steht.

Standsicherheit aktuell gefährdet: Das Alohra könnte aber für eine Übergangsphase saniert werden. Foto: Frank Vetter

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Standsicherheit aktuell gefährdet: Das Alohra könnte aber für eine Übergangsphase saniert werden. Foto: Frank Vetter

Eine mögliche Wiedereröffnung des Hallenbads Alohra steht unter dem Vorbehalt einer Rechnung mit einigen unbekannten Variablen. Denn noch ist das ganze Ausmaß des Sanierungsbedarfs nicht ersichtlich, wie OB Hans Jürgen Pütsch am Freitag den Sachstand zusammenfasste, nachdem sich der Gemeinderat am Abend zuvor mit der Bäderproblematik in einer Klausursitzung befasst hatte.

Das Gremium setzte sich unter anderem mit dem Gutachten auseinander, das der Gemeinderat im Juli vergangenen Jahres beschlossen hatte. Zu ermitteln war, inwieweit das Alohra und das Freibad Natura ertüchtigt werden müssten, um einen Betrieb bis zur Eröffnung des neuen Kombibads sicherzustellen. Die Kosten allein für das Hallenbad Alohra (ohne Sauna und Außenbecken) bezifferte Gutachter Christian Lanzinger mit 2,2 beziehungsweise 3,8 Millionen Euro – je nachdem, ob das Alohra bis 2027 – dem Wunschtermin für die Eröffnung des Kombibads – oder 2032 halten muss.

Allerdings sind in diesen Summen noch nicht Kosten enthalten, die die erst im April entdeckten Statikschäden verursachen würden. Rudi Lehner vom beratenden Ingenieurbüro Harrer bezifferte die Kosten für eine Behebung des Schadens am Giebelwandträger auf mindestens 100.000 Euro. Denkbar wäre unter anderem die kurzfristige Errichtung dreier zusätzlicher Stützen.

Allerdings dürfte damit das letzte Wort noch nicht gesprochen sein. Denn noch liegt nicht das Ergebnis eines Brandschutz- und Sicherheitskonzepts vor, erklärte der OB. Und laut Stadtwerke-Chef Olaf Kaspryk laufen weitere Untersuchungen, nachdem man die Begehbarkeit des Alohra sichergestellt hat. Noch keine Erkenntnis hat man außerdem zur Qualität des vor 50 Jahren verwendeten Baustahls. Laut Pütsch besteht der Verdacht, dass damals minderwertiges Material aus Osteuropa verbaut wurde; derzeit liefen Analysen dazu. Der OB äußert die Befürchtung, dass bei weiteren Erkundungen im Alohra neue Zufallsfunde auftauchen, die die Kosten unkalkulierbar machen würden.

„Die Zahlen sind nicht verlässlich“, sieht Pütsch ein erhebliches „Restrisiko“. Er bekräftigte seine Auffassung, dass weitere Investitionen ins Alohra „nicht verantwortbar“ seien. Sollte der Gemeinderat sich aber dafür entscheiden, am Alohra noch einige Jahre festzuhalten, könnte nach Behebung der gröbsten Schäden der Betrieb zum Ende dieses Jahres wieder aufgenommen werden, so die Einschätzung der Experten.

Dass die Stadt sich vor wenigen Wochen von den Statikproblemen überraschen lassen musste, hält Ingenieur Lehnig nicht für ungewöhnlich – obwohl nach seinen Angaben seit dem Jahr 2014 mittlerweile 17 Gutachten zu den Bädern vorliegen. Solche Untersuchungen würden immer nur „punktuell“ und „stichprobenartig“ erfolgen. Eine vollständige Erhebung wäre nach seiner Auffassung „wirtschaftlich nicht darstellbar“ und sei auch nicht üblich.

Durchblicken lassen Gutachter und Verwalter, dass auch das Freibad jetzt schon am seidenen Faden hängt. Zwar versichert Stadtwerke-Chef Kaspryk, dass man seit Februar das Natura so weit in Schuss gebracht habe, dass man theoretisch Mitte oder Ende Mai eröffnen könne. Doch sollte das Freibad ebenfalls so ertüchtigt werden, damit es bis 2027 oder 2032 durchhält, müssten die Stadtwerke 640.000 Euro beziehungsweise 1,5 Millionen Euro in die Hand nehmen. Gutachter Lanzinger rät zu einer Schließung nach Ende dieser Saison; ein Parallelbetrieb beider Bäder stehe in keinem Kosten-Nutzen-Verhältnis. Für vertretbar hält er dagegen die Sanierung des Alohra für den kurzfristigen Weiterbetrieb, um vor allem Schulen und Vereinen eine Perspektive zu bieten.

Die Abwägung sei nun Sache des Gemeinderats, so der OB. Die nächsten Entscheidungen des Gremiums zur Bäderfrage sollen am 20. Mai fallen.


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