Frank Mentrup will es nochmal wissen

Karlsruhe (kli) – Die Karlsruher sind bald zur Wahl des Oberbürgermeisters aufgerufen. Amtsinhaber Frank Mentrup tritt erneut an und wirbt mit den Vorzügen einer weltoffenen Stadt. Ein Porträt.

Frank Mentrup, Karlsruhes Oberbürgermeister, möchte Rathauschef bleiben.   Foto: Dieter Klink

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Frank Mentrup, Karlsruhes Oberbürgermeister, möchte Rathauschef bleiben. Foto: Dieter Klink

Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD) bewirbt sich am 6. Dezember um eine zweite Amtszeit. Selbstredend ist er mit der Entwicklung der 310.000-Einwohnerstadt in den vergangenen acht Jahren zufrieden. Was genau hat er umgesetzt, wo sind Schwachstellen? Welche Projekte hat er angepackt und was hat er sich noch vorgenommen? Der 56-Jährige hatte 2012 die OB-Wahl überraschend schon im ersten Wahlgang gegen den damaligen Hauptkonkurrenten Ingo Wellenreuther (CDU) gewonnen. Der gebürtige Mannheimer hatte davor Medizin studiert und arbeitete lange in der Kinder- und Jugendpsychiatrie, auch am Städtischen Klinikum Karlsruhe. Im Mannheimer Gemeinderat war er lange Jahre für die SPD aktiv, von 2001 bis 2006 auch als deren Fraktionsvorsitzender.

2006 zog er in den Landtag ein, ab 2011 fungierte er bis zu seinem Amtsantritt als OB in Karlsruhe als Staatssekretär im Kultusministerium.

Zur OB-Wahl 2012 trat er als gemeinsamer Kandidat von SPD und Grünen an. Ob sich dies 2020 wiederholen ließe, war lange Zeit offen. Viele erwarteten, dass die Grünen, die im Gemeinderat die stärkste Kraft sind, einen eigenen Kandidaten aufbieten. Dass es Mentrup dieses Mal erneut gelungen ist, die Grünen mit ins Boot zu holen, ist durchaus ein Coup. Ein Selbstläufer ist die OB-Wahl allerdings nicht.

„Neues Selbstbewusstsein rund um den Stadtgeburtstag“

„Karlsruhe hat sich gut entwickelt. Wir haben zu einem neuen Selbstbewusstsein rund um den 300. Stadtgeburtstag 2015 gefunden. Und vor allem haben wir uns regional neu aufgestellt, haben in der Technologieregion das Nordelsass eingebunden“, berichtet er im BT-Gespräch. Auf die Entwicklung ist er stolz. Zwar gebe es noch immer zu viele Gremien der interkommunalen Zusammenarbeit in der Region, „aber die politische Stimme ist abgestimmter und lauter“, bilanziert er. Das habe sich etwa bei den Grenzschließungen im Frühjahr gezeigt. Man habe gemeinsam die Nationalregierungen dazu gebracht, dass es keine weiteren Grenzschließungen mehr geben soll.

Mentrup spricht von einem starken Schulterschluss in der Region: im Pamina-Raum, mit der Technologieregion, mit den Départements im Elsass. „Da merkt man, dass das Grundvertrauen, das es mittlerweile zwischen den Akteuren gibt, jetzt Früchte trägt.“

Über das große Ganze redet er gern, über den nationalen und internationalen Stellenwert Karlsruhes, den er verbessert sieht. Mentrup spricht von Software- und Hardware-Themen, also weichen und harten Faktoren. Zur Software gehört für ihn, Karlsruhe als eine weltoffene, internationale, innovative Stadt weiterzuentwickeln. Als eine nicht ängstliche Stadt. Er hat ein paar notorische Bruddler vor Augen, die immer ein Haar in der Suppe finden. „Wenn ich manche Podiumsdiskussionen angucke, habe ich den Eindruck, dass wir in einer Stadt leben, in der die Menschen bedroht sind und verarmen. Ich habe nicht den Eindruck, dass das das Selbstverständnis der Karlsruherinnen und Karlsruher ist.“

„Wir leben fast im Paradies“

Hier gehe es um die Frage der inneren Einstellung. Ob man sich von anderen abgrenzt – „das ist die Saat der Fremdenfeindlichkeit“. Oder ob man sage: „Das sind alles schwerwiegende Probleme, aber verglichen mit anderen Regionen der Welt leben wir fast im Paradies, und wir müssen diese Stärke einsetzen, um gemeinsam mit den anderen, die es vielleicht nicht können, diesen Weg zu gehen. Dafür werbe ich.“

Auf der Hardware-Seite, so nennt es Mentrup, steht der verschärfte Sparkurs wegen der angespannten Haushaltslage. Die laufenden oder bereits geplanten Infrastrukturprojekte – wie U-Strab, Stadionneubau, Sanierung und Erweiterung des Staatstheaters – seien abzuschließen, aber: „Es ist nicht die Zeit für neue Großprojekte.“ Einzige Ausnahme sind für ihn der soziale Wohnungsbau und weitere Sporthallen, die man dringend brauche, aber auch da müsse man vielleicht das ein oder andere verschieben. Auf jeden Fall habe der Klimaschutz nun Vorrang. Es brauche dafür ein ganz anderes Denken in allen Bereichen. „Wir müssen alle Baumaßnahmen immer daran orientieren, ob wir sie nicht auch nutzen können, einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten“, beschreibt er die Priorität.

Klar, der Haushalt setzt enge Grenzen. Das heißt: Man müsse alle Ausgaben auf den Prüfstand stellen. Man habe in den vergangenen Jahren die städtische Verschuldung abgebaut, nur jetzt müsse man auch wegen der unklaren Corona-Lage neue Schulden aufnehmen. „Wir können uns das für ein Jahr auch leisten, weil wir die letzten Jahre so gut gewirtschaftet haben“, findet er.

Mentrup räumt aber ein, man müsse künftig Abstriche machen. Zum Beispiel bei der Straßeninstandsetzung, die verglichen mit anderen Städten auf einem hohen Niveau sei.

Die Staatstheaterkrise, eine Vertrauenskrise

Ein Thema hat Mentrup im vergangenen Jahr stark unter Druck gesetzt: die Staatstheaterkrise. Im Gespräch merkt man, dass ihn die Vorgänge und die Frage nach eigenen Versäumnissen stark beschäftigen. Die Affäre um den Führungsstil des Intendanten des Staatstheaters, Peter Spuhler, hat auch Mentrup und Wissenschaftsministerin Theresa Bauer (Grüne) als Vorsitzende des Verwaltungsrats kalt erwischt. „Das hat mich ein Stück weit überrollt“, gibt er zu.

Mentrup hat nun versucht, die Reißleine zu ziehen, indem er und Bauer dem Verwaltungsrat vorschlagen, sich von Spuhler im gegenseitigen Einvernehmen zu trennen. Gerade noch rechtzeitig? Einige Beobachter bemängeln, Spuhler sei ein Bauernopfer für Mentrups OB-Kampagne. Er habe zu lange an ihm festgehalten. Mentrup bestreitet diese Sichtweise, wenn er auch zugibt, dass so ein Eindruck entstehen konnte. „Wenn ich gewusst hätte“, fängt Mentrup mehrere Sätze zu dem Thema an.

Es ging um massive Vorwürfe der Mitarbeiter am Staatstheater, die der Personalrat in einem offenen Brief im Sommer geäußert hat: Burnout, Wutausbrüche, Angstzustände, toxisches Arbeitsklima. „Wenn mir einer auch nur einen dieser Begriffe vor einem Jahr gesagt hätte, hätten wir uns im Verwaltungsrat nochmal Zeit genommen, um das in Ruhe anzuschauen“ – statt den Vertrag Spuhlers zu verlängern, rechtfertigt er sich. Wie verwundbar ist Mentrup in dieser Krise? „Das ist für mich insgesamt eine große Vertrauenskrise“, räumt er ein. „Das hat mein Image und die Wahrnehmung vieler Leute, die gut zu mir stehen, sehr ins Wanken gebracht, weil ich es auch nicht jedem einzelnen erklären kann.“

Enge Taktung der Termine

Hat ihn das Amt des Oberbürgermeisters insgesamt verändert? „Ich glaube schon. Acht Jahre Oberbürgermeister zehren am Körper und am ganzen Menschen.“ Die enge Taktung der Termine, sich jede Stunde auf völlig neue Themen einzulassen, die Befassung mit komplizierten Sachverhalten. „Allein bei der Nahverkehrsfinanzierung gibt es so viel Fachdenken, das sind zum Teil historisch gewachsene Systeme.“

Das schaffe er nur, weil er Privates und Berufliches strikt trenne. „Wenn ich zuhause bin, habe ich meistens keine Unterlagen dabei und wenn ich sie dabei habe, schaue ich nicht rein“, nennt er ein Rezept.

Er musste es erst lernen, sich einen Tag am Wochenende konsequent freizuhalten. „Dabei hilft mir übrigens sehr unsere Enkelin, die jedes zweite Wochenende bei uns Quartier nimmt.“ Mentrup hat mit seiner Frau vier Kinder.

Glanzlichter zur Positionierung Karlsruhes

Zum 300. Stadtgeburtstag wurden die inzwischen berühmten Schlosslichtspiele eingeführt. Für solche Glanzlichter hat er Stichworte parat, wie er Karlsruhe positionieren will: Innovation ist so eines. Oder Medienkunst, mit dem Titel Unesco City of Media Arts. Und Residenz des Rechts mit dem geplanten „Forum Recht“. Über diese Vorhaben spricht er lieber als darüber, warum hier ein paar Parkplätze wegfallen oder dort der Platz nachts zu dunkel ist. Im virtuellen Wahlkampf fragt man ihn aber mehr nach den Alltagsthemen als nach seinen Visionen für die Stadt.

Mentrup setzt darauf, dass er genug auf der Habenseite hat, um für eine zweite Amtszeit gewählt zu werden. Oberbürgermeister zu sein, sei nach wie vor die schönste Tätigkeit, die er sich vorstellen kann, sagte er bei der öffentlichen Bewerbervorstellung im Konzerthaus. Dem BT gegenüber fügt er hinzu: „Aber die Leute sollen mich nicht wählen, weil es mir Freude macht, sondern weil sie mit meiner Arbeit zufrieden sind.“

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Mehr über Gegenkandidat Sven Weigt, seit 2007 Bürgermeister in Karlsdorf-Neuthard, erfahren Sie hier.

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Erstellt:
26. November 2020, 07:00 Uhr
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