Frankreich will deutsche Intensivpatienten aufnehmen

Karlsruhe (str) – Frankreich will Covid-Intensivpatienten aus Baden-Württemberg aufnehmen. Im Südwesten reagiert man mit Dankbarkeit.

Nachbarschaftshilfe: Ein Intensivteam des Siloah-Klinikums in Pforzheim empfängt im März 2020 einen schwer kranken Covid-19-Patienten aus dem Elsass. Der Landesregierung zufolge könnten bald Verlegungen in die andere Richtung nötig werden. Foto: Daniel Streib

Nachbarschaftshilfe: Ein Intensivteam des Siloah-Klinikums in Pforzheim empfängt im März 2020 einen schwer kranken Covid-19-Patienten aus dem Elsass. Der Landesregierung zufolge könnten bald Verlegungen in die andere Richtung nötig werden. Foto: Daniel Streib

Der Sprecher des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (Grüne) bestätigte dies auf Anfrage dieser Zeitung. Im Frühjahr 2020 hatten baden-württembergische Kliniken schwerstkranke Covid-Patienten aus dem Elsass behandelt. Regierungssprecher Arne Braun: „Die französischen Behörden haben uns angeboten, dass wir Covid-Patienten aus Baden-Württemberg in Kliniken im Elsass verlegen.“ Die Landesregierung sei dankbar für dieses Angebot, so der Sprecher. Trotz der angespannten Lage in den Kliniken sei es zunächst noch nicht zu einer Verlegung von baden-württembergischen Corona-Patienten nach Frankreich gekommen. Es könne aber gut sein, dass man das Angebot annehmen müsse, sagte Braun.

Am Donnerstag wurden zunächst mehrere Covid-Intensivpatienten aus dem Südwesten im Rahmen des sogenannten Kleeblatt-Verbundes in andere Bundesländer verlegt. Zum südwestlichen Verbund, der im Frühjahr 2020 eingerichtet worden war, gehören neben Baden-Württemberg auch Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland. Wie ein Sprecher des Sozialministeriums auf Anfrage unserer Redaktion sagte, wurden aus dem Raum Karlsruhe zwei Intensivpatienten ins Saarland und vier nach Rheinland-Pfalz verlegt.

Frankreich revanchiert sich für Hilfe aus dem Jahr 2020

Frankreich revanchiert sich mit dem Angebot gewissermaßen für die deutsche Unterstützung auf dem Höhepunkt der ersten Corona-Welle im Frühjahr 2020. Damals wurden französische Covid-Intensivpatienten unter anderem aus Straßburg, Mülhausen und Weißenburg nach Baden-Württemberg verlegt. Auch das Pforzheimer Siloah-Klinikum beteiligte sich damals an der medizinischen Nachbarschaftshilfe und nahm im März 2020 drei schwer erkrankte Elsässer auf, die von Hubschraubern des französischen Zivilschutzes eingeflogen wurden.

Damals waren die neu eingerichteten Covid-Station der badischen Kliniken noch weitgehend leer, während aus dem Elsass Meldungen über Triage kolportiert wurden, die Ärzte dort entscheiden mussten, welche Patienten an die knappen Beatmungsgeräte kommen.

Im November 2021 ist die Situation völlig anders. In Frankreich und dem Elsass sind die Covid-Belegungen derzeit moderat, aber in Deutschland und Baden wird es immer kritischer. Cornelius Ehmann, Leiter der Siloah-Notaufnahme in Pforzheim sagt: „Die Zahl der Covid-Patienten steigt auch bei uns stark. Wir freuen uns über das Angebot aus Frankreich. Und wir können nicht ausschließen, dass es tatsächlich zu Verlegungen von Patienten ins Elsass kommen wird.“

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Ihr Autor

BNN-Redakteur Daniel Streib

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Erstellt:
26. November 2021, 11:08 Uhr
Lesedauer:
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