Frauenpower für Rastatts Polizei

Rastatt (dm) – Mit Nicole Eschelbach steht erstmals eine Frau an der Spitze eines Polizeireviers in der Region. Seit 1. April ist sie Polizeichefin in Rastatt.

Fachlich und menschlich eine Bereicherung: Polizeipräsident Reinhard Renter führt Nicole Eschelbach in ihr Amt als Rastatter Revierleiterin ein. Foto: Frank Vetter

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Fachlich und menschlich eine Bereicherung: Polizeipräsident Reinhard Renter führt Nicole Eschelbach in ihr Amt als Rastatter Revierleiterin ein. Foto: Frank Vetter

„Sehr gut“ sei sie aufgenommen worden, sagt die 47-Jährige, die die Polizeiarbeit schon aus vielen Blickwinkeln erlebt hat. Die Position in Rastatt anzutreten, das sei „fast wie Heimkommen“ gewesen.
In dem Büro, das sie nun bezogen hat, hatte sich die gebürtige Karlsruherin einst am Anfang ihrer Karriere vorgestellt. In den 90er-Jahren war das, und Roland Schädel saß auf dem Posten, den sie nun bekleidet. Sie wurde angenommen – kam dann allerdings zum Streifendienst nach Baden-Baden, wie sie im Gespräch mit unserer Redaktion berichtet.

Damals war es noch gar nicht lange her, dass Frauen überhaupt als uniformierte Polizistinnen mit auf die Straße durften; ab 1987 erst wurden Schutzpolizistinnen ausgebildet. Aktuell liege der Anteil der Frauen im Polizeivollzugsdienst im Bereich des Polizeipräsidiums Offenburg bei rund 20 Prozent. Trotzdem: Durch die „Geschlechterbrille“ habe sie ihre Karriere nie gesehen, sagt die Polizeioberrätin. „Gefühlt“ sei das Thema Frauen in der Polizei für sie nie eines gewesen – auch wenn ihr bewusst ist, dass sie weit und breit die einzige Frau in einer Führungsfunktion wie der ihren ist, Polizistinnen auf dieser Ebene noch unterrepräsentiert sind. „Das muss strukturell erst noch durchwachsen“, sagt sie. Aber musste sie nicht vielleicht härter arbeiten als ein Mann, um tatsächlich Revierleiterin zu werden? „Wenn man die Position erreichen will“, betont sie, „muss man hart arbeiten, egal, ob Mann oder Frau.“

Abwechslungsreicher Beruf

Von 1998 bis 2005 ging sie auf Streife im Revier Baden-Baden – während sie in ihrer Freizeit für Ottersweier in der Regionalliga Handball spielte –, bis 2007 war sie anschließend im Stab der damaligen Polizeidirektion Rastatt/Baden-Baden in der Barockstadt tätig, startete dann, begleitend zum entsprechenden Studium, den Umlauf für den höheren Dienst. Der führte sie unter anderem in die Landespolizeidirektion und zur Kriminalpolizei in Karlsruhe, wo sie auch heute noch wohnt. 2016 wechselte sie schließlich zur Hochschule der Polizei in Bruchsal, wo sie als Ausbildungsleiterin tätig war – bis ihre erfolgreiche Bewerbung für die Revierleitung in Rastatt sie jetzt in die Barockstadt führte.

Dort sollen die Zeichen nun erst einmal auf Kontinuität stehen: Die Vernetzung mit den Kommunen und die bisherige Schwerpunkt-Arbeit des Reviers fortsetzen, dessen Gebiet sich mit seinen etwas mehr als hundert Mitarbeitenden von Au am Rhein entlang der Rheinschiene bis Hügelsheim erstreckt.

Die Sicherheit im öffentlichen Raum ist eines der Hauptthemen, das die neue Chefin benennt, ebenso die Sicherheit im Straßenverkehr, gerade was Alkohol und Drogen anbelangt. Eine erste Großkontrolle in diesen Bereichen ist schon terminiert, verrät sie. Und auch die grenzübergreifende Zusammenarbeit will Nicole Eschelbach weiter aufleben lassen.

In Rastatt kann sie dabei durchaus an ihre Vergangenheit anknüpfen. Mit Jochen Anschütz, der das Revier kommissarisch geleitet hat, nachdem der bisherige Chef Andreas Dahm im August 2021 zum Präsidium Karlsruhe wechselte, hat sie einst bereits bei der Landespolizeidirektion gearbeitet. Und „fast alle Dienstgruppenleiter“ kenne sie noch aus ihrer Streifendienst-Zeit.

Und warum wollte sie einst überhaupt Polizistin werden? Weil das ein toller, abwechslungsreicher Beruf sei, in dem man sich entfalten kann. Allerdings auch einer, der mehr Berufung sei als nur ein reiner Job, so die 47-Jährige: „Einen Grund-Idealismus muss man schon haben, sonst wird man kein Polizist.“


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