Frauenpower im Motoball

Rheinstetten (tm) – Jennifer Wolbert, Schiedsrichterin bei Taifun Mörsch, und die Seelzer Spielerin Mareike Hemmer beweisen: Frauen bereichern den Motoball-Sport

Fester Bestandteil des Seelzer Bundesliga-Kaders: Motoballerin Mareike Hemmer. Foto: Thomas Meiler

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Fester Bestandteil des Seelzer Bundesliga-Kaders: Motoballerin Mareike Hemmer. Foto: Thomas Meiler

Außenstehende könnten auf den ersten Blick vielleicht auf die Idee kommen, dass die schnellste Mannschaftssportart der Welt eine reine Männersache ist. Weit gefehlt: Im deutschen Motoball geht es ohne Frauen nicht. Bei Tornado Kierspe, dem MSC Malsch oder in Ubstadt-Weiher bekleiden Frauen das Amt der Vereinsvorsitzenden, und auch in anderen verantwortlichen Positionen ist das weibliche Geschlecht vertreten.

Im Fachausschuss Motoball sind mit Lisa Karakas als Jugendfachberaterin und Jennifer Wolbert als Teammanagerin der Nationalmannschaft zwei exponierte Aufgaben in weiblicher Hand. Nicht nur das: Als Schiedsrichterin gibt Wolbert auch auf dem Platz die Kommandos, Mareike Hemmer wiederum gibt als aktive Spielerin beim 1. MSC Seelze Vollgas.

Bisweilen resolut an der Pfeife: Jennifer Wolbert.Foto: Thomas Meiler

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Bisweilen resolut an der Pfeife: Jennifer Wolbert.Foto: Thomas Meiler

Seit nun mehr 14 Jahren ist Wolbert schon als Schiedsrichterin auf den Plätzen der Motoball-Bundesliga unterwegs. „Meine Mama hat mich 2004 zum Playoff-Halbfinale Taifun Mörsch gegen Ubstadt-Weiher mitgenommen und ich war so begeistert, dass ich 2005 direkt das erste Mal selbst auf dem Platz an der Linie stand“, erzählt die 30-Jährige. Schnell stand der Entschluss fest, als Referee aktiv am Geschehen teilzunehmen. Auf dem Platz hat sich Wolbert schnell Respekt verschafft. „Ich mache das genauso wie die männlichen Kollegen: Wer nicht hören will, fliegt raus“, betont sie mit einem Lächeln. „Ich hatte zum Glück nie das Gefühl, dass die Spieler ein Autoritäts- oder sonstiges Problem mit mir hätten. In der Regel machen sie, was ich pfeife – mal mit mehr, mal mit weniger Diskussionen – aber das ist ja völlig normal und in Ordnung.“

„Stinkstiefel“ sind ruhiger geworden

Etwas gedauert hat es allerdings mit der Akzeptanz von außen: „Durchsetzen musste ich mich – vor allem in der Anfangszeit – immer eher den Zuschauern gegenüber. Da hatte der ein oder andere weitaus mehr Probleme, eine Frau auf dem Platz zu akzeptieren, als es bei den Spielern je der Fall war. Inzwischen sind aber auch diese ‚Stinkstiefel‘ um einiges ruhiger geworden, und die paar wenig Übriggebliebenen interessieren mich nicht mehr sonderlich, dafür gibt es viel zu viele liebe Zuschauer, über die man sich freuen kann“, erklärt Wolbert, die für den Taifun aus Mörsch als Unparteiische aktiv ist.

Die Tätigkeit als Schiedsrichterin kann die Juristin nur wärmstens weiterempfehlen: „Wer aktiv auf dem Feld stehen will, braucht zwar erfahrungsgemäß geschlechtsunabhängig ein dickes Fell, aber zum einen wächst man ja mit seinen Aufgaben und zum anderen darf man nicht vergessen, dass Pfeifen auch Spaß machen kann. Also Mädels, traut euch“, lautet ihr Appell. Mittlerweile gibt es mit Ina Weingärtner eine zweite aktive Schiedsrichterin beim Taifun.

Getraut hat sich auch Mareike Hemmer. Die 18-Jährige ist fester Bestandteil des Spielerkaders des Nordligisten 1. MSC Seelze. Sie spielt seit ihrem elften Lebensjahr Motoball. „Motoball ist für mich die Schnelligkeit kombiniert mit Taktik und Motorrad sowie Ballkontrolle. Diese Kombination findet man in keiner anderen Sportart auch nur annähernd wieder. Gerade für mich als Frau ist natürlich auch noch einmal ein gewisser Adrenalinkick dabei, mich gegen deutlich ältere Männer durchsetzen zu müssen“, erzählt Hemmer mit Begeisterung.

Durch Zeitungsanzeige zum Motoball gekommen

Die Schülerin kam zum Motoball aufgrund einer Zeitungsanzeige, in der Nachwuchs für den 1. MSC gesucht wurde. „Meine Mutter hat mir vorgeschlagen, zum Training zu gehen – obwohl in der Anzeige zwölfjährige Jungs gesucht wurden. Meine Motivation war zwar zu Beginn ein wenig beeinträchtigt, da gerade die Jungs nicht sehr begeistert davon waren, ein Mädchen in der Mannschaft zu haben. Doch nach einigen Monaten haben sie sich daran gewöhnt und es akzeptiert.“

Dass es nicht mehr Frauen in den Bundesliga-Teams gibt, hat für Hemmer einen bestimmten Grund: „Sich als Frau durchzusetzen, ist nach wie vor schwierig. Und gerade die körperliche Unterlegenheit macht sich deutlich bemerkbar.“ Trotzdem müsste sie kein Einzelfall sein: „Ich denke jedoch, dass jede Frau durch vorausschauende Taktik und viel Training die körperliche Unterlegenheit sehr gut ausgleichen könnte. Es ist nur eine Frage der Einstellung, ob man das schaffen kann oder nicht.“


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