Freibad Rappenwört im Krisenmodus

Karlsruhe (vkn) – Einblicke ins Freibad Karlsruhe-Rappenwört im Corona-Krisenmodus: Viele Beschränkungen, eine Saison ohne Wellen und ein Online-Ampelsystem, das sich bewährt hat.

Das Becken im Rheinstrandbad ist mit Absperrgittern und rot-weißem Band umzäunt. Es gibt einen separaten Ein- und Ausgang, die Personenzahl ist streng limitiert. Foto: Volker Knopf

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Das Becken im Rheinstrandbad ist mit Absperrgittern und rot-weißem Band umzäunt. Es gibt einen separaten Ein- und Ausgang, die Personenzahl ist streng limitiert. Foto: Volker Knopf

Karlsruhe – Als eines der ersten Freibäder in Baden-Württemberg hatte das Rheinstrandbad in Karlsruhe-Rappenwört während der Corona-Pandemie wieder seine Pforten geöffnet. Vieles hat sich in dem Besuchermagnet im Vergleich zu normalen Zeiten geändert. Statt rund 12000 Badegäste zu Spitzenzeiten werden lediglich noch 3000 eingelassen. Die künstlich erzeugten Wellen, für die das Bad überregional bekannt ist, gibt es nicht mehr.
Vor dem Becken bilden sich mittlerweile Schlangen, denn nur noch maximal 121 Personen dürfen sich im „Wellenbecken“ gleichzeitig tummeln (140 im Erlebnisbecken). Online informiert ein Ampelsystem, wie es in der Karlsruher Bäderlandschaft aussieht. Grün heißt: Genug Platz, orange: Könnte eng werden, rot: Bad ist voll. Selbstredend gibt es die üblichen Schutzmaßnahmen mit Maskenpflicht am Kasseneingang, Abstandsregelungen oder die Bereitstellung von Desinfektionsmitteln.

Viele Erfahrungen gesammelt

Die Erfahrungen, die man nun während der Krise gesammelt hat, sind mannigfaltig, weiß Bäderamtschef Oliver Sternagel. „Wir fahren natürlich was die Auslastung betrifft, auf Halbgas. Derzeit sind wir in etwa bei 50 Prozent Auslastung im Vergleich zu einem eher durchschnittlichen Sommer. Aber aktuell 250000 Besucher in allen Bädern können sich durchaus sehen lassen in Anbetracht der besonderen Umstände.“ Speziell das Personal, zumeist von den Hallenbädern abgezogen, leiste enorme Mehrarbeit, so Sternagel. „Finanziell gesehen ist die Saison natürlich ein Desaster. Die Mehrkosten durch Corona sind enorm. Aber wichtig ist, dass Mitarbeiter und Badegäste gesund bleiben. Und da sieht es ja gut aus“, so der Leiter der Bäderbetriebe. Man habe in diesem Sommer deutlich mehr Gäste beispielsweise aus der Pfalz oder Frankreich. Er führt dies unter anderem auf das transparente Online-Ampelsystem zurück und die Möglichkeit, die Tickets vor Ort zu kaufen. „Manche Bäder bieten nur an, die Tickets vorher online zu erwerben. Das wollten wir nicht. Denn das schließt Leute aus, die nicht Internet-affin sind, beispielsweise ältere Leute“, fügt er hinzu. Allerdings gebe es zuweilen, gerade an extrem heißen Wochenenden mit Temperaturen von über 30 Grad, auch mal längere Schlangen vor dem Kassenhäuschen. Das lasse sich nicht vermeiden, sei aber die Ausnahme. Die meisten seien diszipliniert. „Aber es gibt natürlich auch die Leute, die denken, da wo ich bin, ist vorn, die ihren Egoismus ausleben, da gibt es dann auch Probleme“, betont der Karlsruher Bäderchef.

Mehr Security-Kräfte nötig

Die Konsequenz: Zu dem ohnehin schon durch Corona höheren Personalbedarf sind auch zusätzlich weitere Security-Kräfte in Rappenwört vor Ort. „Wir haben ein großes Einzugsgebiet, es kommen viele Jugendliche, das Publikum ist internationaler.“ Daher werde Security in dem Daxlander Bad eher benötigt als beispielsweise im Durlacher Freibad am Turmberg, das eher von Familien frequentiert werde. Manches wundert den Bäderamtschef dann allerdings schon. Vor dem Eintritt werden die Daten der Badegäste wie derzeit üblich erfasst. Kulis und Formulare liegen aus. „Was wir an Kulis nachbestellen müssen, ist extrem. Da nehmen Manche die Kulis offensichtlich im Pack mit“, schüttelt er den Kopf.

Zu wenig Solidarität unter den Badegästen sieht Thorsten Greiner, stellvertretender Betriebsleiter des im Bauhausstil errichteten Rheinstrandbads. Man mache immer wieder Durchsagen, dass die Leute sich nicht zu lange im Becken aufhalten sollen, wenn draußen eine lange Schlange steht und ebenfalls ins Wasser strebt. Am Wellenbecken befinden sich Absperrgitter, es flattert rot-weißes Absperrband – ein ungewohnter Anblick. Es gibt einen getrennten Ein- und Ausgang. „Wir hatten auch schon mal eine 30-Meter-Schlange. Aber erst wenn Leute wieder rausgehen, können andere wieder rein. Da müssten die Badegäste im Wasser auch mal an die anderen denken.“


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